Wie Rundlauf prüfen...

Eure Fragen, Hilfestellung zur Kaufentscheidung, Tipps & Tricks zu Drechselmaschinen.

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Fuegen
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Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von Fuegen » 08.01.2019 - 21:08:51

Liebe Rundmacher,

ich habe zwar schon etwas in der Sucher gestöbert, aber nichts passendes gefunden.

Ich drechsel auf einer VEB Kreher und bin sehr zu frieden mit der Maschine.
Mir fallen keine Abweichungen oder Ungenauigkeiten beim Arbeiten auf. Alles läuft leise und rund.
(Bei meiner vorherigen Maschine war das nicht immer so)...
Nun habe ich eine Messuhr mit magnetischem Stativ erhalten und sie aus Spaß auch mal an meine Spindel gehalten und war doch etwas überrascht...

Den Taster habe ich direkt auf die Spindel (also den Teil der Spindel, kurz bevor das Spindelgewinde beginnt) gesetzt und einen leichten Ausschlag festgestellt.
Laut Messuhr kein exakter Rundlauf (Ausschlag 0,03mm, wenn ich richtig gemessen habe).
Noch mehr überrascht war ich als ich mein 125er Futter aufgeschraubt habe und die Messuhr "von oben" auf das Futter gesetzt habe. Hier war ein deutlicherer Ausschlag feststellbar (0,12mm)...
Wenn ich jedoch ein Kantholz ins Vierback-Futter spanne und es mit dem Meißel anspitze, ergibt das eine Wunderbare scharfkantige Spitze, die exakt mit der mitlaufenden Spitze im Reitstock fluchtet. Für mich (dachte ich) eigentlich ein Zeichen für guten Rundlauf...

Wie macht ihr das? Was sind die gängigen Methoden die Drechselbank auf rundlauf zu prüfen?
Ähnliche Methoden wie die Umschlagmethode beim Prüfen eines Schreinerwinkels etc...?

Oder nehme ich das zu genau... ?
Danke für eure Hilfe und Grüße aus Potsdam,
Max

P.s.: Von dem Ausschlag des Futters habe ich ein Video gemacht. Das kann ich hier nicht hochladen, oder?

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SteffenM
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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von SteffenM » 08.01.2019 - 21:38:28

Hallo Max,

du bist mit deiner Drechselbank völlig zufrieden und du kannst scharfkantige Spitzen drechseln.
Was genau ist dein Problem? :-C

Mein Tipp: Gib die Messuhr weg und verlasse dich auf das, was du siehst. Beim einem Naturwerkstoff wie Holz reicht das allemal. Ich möchte sogar behaupten, dass du beim Andrehen einer Spitze das Holz weit mehr als um 0,12mm verbiegst.

Schöne Grüße aus der Nachbarstadt!
Steffen

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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von MAXLUZI » 08.01.2019 - 21:49:51

Hi Max, Hi Steffen
Selbst wenn das Futter 1 cm aus der Mitte wäre, nach dem drechseln ist das Holz dann rund, logisch!
Beim Umspannen muss man dann schon sehr genau wieder gleich positionieren um einen Rundlauf zu haben...
Im ungünstigsten Fall verdoppelst du die Ungenauigkeit.
Beim Bohren macht sich das auch bemerkbar.
Somit würde ich mich damit nicht zufrieden geben, außer deine Schalen und Dosen laufen auch nach dem Umspannen noch rund, dann würde ich es einfach ignorieren.

Ich bin mir sicher das dir der ein oder andere Metaller oder Wellenprofi hier noch deine gesuchte Antwort gibt..
Grüße
Max
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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von catweazle2012 » 09.01.2019 - 06:57:47

Hallo Max,

Mach Dir keine Sorgen, 0,03mm ist für eine Drechselbank mehr als ausreichend. Ist ja keine Drehmaschine.
Die 0,03 kommen ja schon vom Spiel der Lager was völlig normal ist.
wegen dem Futter, den genauen Rundlauf kannst Du nur ermitteln wenn Du in die Backen eine wirklich rund geschliffene Welle spannst und hier misst. Nicht am Aussenkörper des Futters.
0,12mm sind bei normalen Futter völlig in Ordnung. Ist ja wahrscheinlich kein Präzisionsfutter oder ?
Selbst wenn Du ein Präzisionsfutter hast und die Spindel rund läuft bekommst Du keinen hundertprozentigen Rundlauf zusammen, weil ja auch die Futteraufnahme ( wahrscheinlich M33 DIN 800 oder so) auch Spiel hat.

Wie gesagt es ist eine Drechselbank und keine Drehbank.
Also mach Dir keine Sorgen und lass alles so wie es ist.
LG
Gerhard

Der Kluge lernt aus allem und von jedem,
der Normale aus seinen Erfahrungen
und der Dumme weiß alles besser.
Sokrates

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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von Fuegen » 09.01.2019 - 08:10:57

Hallo Ihr Drei,

vielen Dank für eure Antworten. Wie gesagt: Mit der Arbeit und der Genauigkeit meiner alten Kreher bin ich sehr zu frieden. Ich hatte/habe nicht vor etwas zu verändern (eigentlich)...

Ich habe die Messuhr rein aus Interesse rangehalten. Meine ursprüngliche Frage zu Messmethoden (außerhalb einer Messuhr) war aber auch allgemein und rein aus Interesse gestellt.
Es könnte ja auch anderen Drechslern beim Gebrauchtmaschinenkauf helfen die Bank zu prüfen.

@ Gerhard: Das mit dem Drehling werde ich mal ausprobieren. Gemessen hatte ich am Außenkörper. Da können sich natürlich kleine Toleranzen vom Futterflansch (1 5/8" Kreher) und der Verschraubung des Futters mit dem Flansch addieren. Ist im Übrigen ein TOS 125 Präzisionsfutter...

Schöne Grüße,
Max

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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von SteffenM » 09.01.2019 - 09:28:49

Fuegen hat geschrieben:
09.01.2019 - 08:10:57
Es könnte ja auch anderen Drechslern beim Gebrauchtmaschinenkauf helfen die Bank zu prüfen.
Guten Morgen Max,

die einfachste Kontrolle besteht darin, die Spitzen von Mitnehmer und Körner gegenüberzustellen. Wenn die Spindel nicht rund läuft, wird der Mitnehmer Kreise ziehen. (Außer die ganze Sache hat die Form einer Banane, deren Ende zufällig wieder auf der Rotationsachse liegt.)

Ich wünsche allen immer runden Rundlauf!
Steffen

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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von oldy-2913 » 09.01.2019 - 10:14:22

Fuegen hat geschrieben:
09.01.2019 - 08:10:57
... Ist im Übrigen ein TOS 125 Präzisionsfutter...
Moin
Zu einem Präzisionsfutter gehört eine Betriebsanleitung + Prüfprotokoll mit der Nr. deines Futters ...
.
dreh01.JPG
.
dreh02.JPG
.
und in der Betriebsanleitung findest du dann auch die Rundlauf-Toleranzen und die Punkte zur Überprüfung derselben,
danach kannst du mit 0.03 mm Rundlauf-Abweichung mehr als zufrieden sein ... :-S

Gruß Wolf

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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von GentleTurn » 09.01.2019 - 14:24:20

Moin,

ich hatte mich vor langer Zeit als Anfänger durch Unwissenheit etwas verrannt. Mir ging es ebenso.
Vielleicht hilft Dir dieser Faden viewtopic.php?f=43&t=43024 ein wenig weiter.

Dabei ist der Test von Andreas (jetzt als Gast gekennzeichnet) mit dem Stück Holz sehr hilfreich
viewtopic.php?p=303953#p303953
Das habe ich probiert und der Drechslerkuss passt auch. :-)

Am Rande erwähnt, Ausrichtung, in Ergänzung zu Steffens Beitrag:
Per PN habe ich damals noch den Tipp erhalten, ein Holz von rund 15cm Länge fachgerecht in das Spannfutter
einzuspannen und an der Seite zum Reitstock hin (ohne dessen Unterstützung) an dem dicken
Holz eine saubere Spitze anzudrehen. Danach die mitlaufende Körnerspitze an das Werkstück führen und
schauen. Auch das passt.
Liebe Grüße, Martin.

Das Geheimnis des Drechselns ist der Einsatz von scharfem Werkzeug im richtigen Winkel bei passender Geschwindigkeit.

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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von Cello » 11.01.2019 - 00:26:19

Hallo,

der olle Aristoteles hatte vermutlich keine Drechselbank, aber einen klugen Kopf. Von ihm stammt der Spruch

Der Gebildete treibt die Genauigkeit nicht weiter, als es der Natur der Sache entspricht.

Gruß
Cello
veni, vidi, secui - ich kam, sah und sägte


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Re: Wie Rundlauf prüfen...

Beitrag von GentleTurn » 11.01.2019 - 10:54:44

Moin Cello,
Cello hat geschrieben:
11.01.2019 - 00:26:19
Der Gebildete treibt die Genauigkeit nicht weiter, als es der Natur der Sache entspricht.
DER ist gut. Merke ich mir mal. Von der Weisheit des Gelehrten wurde sicher das
Paretoprinzip abgeleitet.
Liebe Grüße, Martin.

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