Rand von Dosen drechseln - Infos & spezielles Eisen gesucht

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Tüftler
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Rand von Dosen drechseln - Infos & spezielles Eisen gesu

Beitrag von Tüftler » 19.04.2017 - 12:52:44

Hallo Drechselfreunde,

Ich bin auf der Suche nach einem speziellen Drechseleisen zum herstellen von Deckelrändern. Wenn ich den ersten Teil einer Dose drechsle, ist alles gut.
Beim Deckel ist es meistens der Fall, dass ich zu viel weg genommen habe und der Deckel dann wackelt. Das heißt dann meistens............ neu machen.
Ich hatte mal so ein Eisen im Internet gesehen. Die Schneide ist auf ein bestimmtes Maß abgestuft, womit man immer den gleichen Rand erzielt.
Ich weiß jetzt nur nicht, ob dieses Eisen selber gefertigt wurde, oder ob man es zu kaufen bekommt.
Ich hoffe, ihr wisst, was ich meine und könnt mir weiter helfen.

Gruß,
Tüftler


*edit by Raupenzwerg
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Hochburg
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Beitrag von Hochburg » 19.04.2017 - 15:08:57

Hallo Tüftler,

ich benutze dazu einen flachen Meissel und steche oder schabe so auf das perfekte Mass ab.

Gruss
Roland
Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Roland

http://woodturningandmore.jimdo.com

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Tüftler
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Beitrag von Tüftler » 19.04.2017 - 15:25:38

Hallo Roland,

Das mit dem Meisel mache ich eigentlich auch immer. Aber irgendwas passt dann trotzdem nicht.
Ich finde das Teil einfach nicht mehr :-(
Aber vielleicht hat ja noch jemand eine Idee?

Gruß,
Tüftler
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pickhanhaken
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Rand

Beitrag von pickhanhaken » 19.04.2017 - 15:52:14

Hallo Tüftler,

für mich kommt bei Dosen seit langem nur ein Bedan zum Einsatz. Meiner ist ungefähr 10mm breit, die Seiten liegen in einem leichten Winkel nach innen.
Mein Eisen ist 12 cm lang ohne Heft. Die Schneide liegt in einem 90 Grad Winkel zur Seite.
Ich benutze den Bedan grundsätzlich, Schneide zeigt nach Oben. Damit mach ich fast alle meine Holzpassungen.

Gruss Andreas

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Helmuth
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Beitrag von Helmuth » 20.04.2017 - 10:10:26

Hallo Tüftler,

ich habe die letzten Tage auch mehrere Dosen gedrechselt und alle machen sie schön "plopp" beim Öffnen. Ich tat mich mit der Passung immer etwas schwer, es war mehr ein Glücksspiel, als ein reproduzierbares Konzept. Dieses habe ich nun allerdings gefunden. Ich gehe wie folgt vor:

1) Walze drechseln und dann fliegend aufspannen
2) Deckelinnenseite mit Falz drechseln (leicht konvexe Außenform) und schleifen
3) Deckel abstechen, Dosenkörper Oberkante sauberdrehen
4) Mit Schiebelehre Falzdurchmesser abnehmen
5) Abgenommenen Durchmesser bei laufender Maschine auf Oberkante vom Dosenkörper übertragen
(mit der Schiebelehre ankratzen)
6) Körper Zentrumsloch bohren und die oberen 5 mm bis knapp vor Maß aushöhlen
7) innen leicht schräg (nach innen enger werdend) auf angezeichneten Durchmesser einstechen
8) Deckel ranhalten, der Falz müsste jetzt ca. 1mm in die Dose gehen (falls nicht, 7. wiederholen)
9) mit Gefühl und minimaler Spandicke parallel zur Zentrumsachse einstechen
10) Deckel ranhalten und ggf. 9. wiederholen
11) Es macht beim Öffnen "plopp"
12) Deckel mit Papier auf Dosenkörper spannen, komplette Außenseite (Dose & Deckel) fertigdrechseln
13) Deckel runter und Dosenkörper fertig aushöhlen
14) Dose innen schleifen, Deckel wieder mit Papier drauf, außen komplett schleifen
15) Deckel runter, Dose abstechen
16) Dose umdrehen, aufspannen, Boden schleifen

Ich hoffe, die Beschreibung ist verständlich. Wichtig ist Punkt 7. Selbst, wenn das Loch etwas zu groß geworden ist, spannt die Passung weiter unten trotzdem, man hat also eine (oder mehrere) Chancen zum Korrigieren.

Beste Grüße,

Helmuth

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Beitrag von Tüftler » 20.04.2017 - 12:22:10

Hallo Helmut,

Danke für den Tipp.
Jetzt weiß ich auch, was ich die ganze Zeit falsch gemacht habe. Ich habe immer zuerst die Dose komplett fertig gedrechselt und dann den Deckel dafür angepasst :mrgreen:
Deine Anleitung erscheint mir da viel einfacher. Man lernt doch nie aus.
Danke,

Gruß,
Tüftler
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Beitrag von Helmuth » 20.04.2017 - 13:00:49

Es gibt garantiert viele verschiedene Möglichkeiten, zu einer sauberen Passung zu kommen. Der Zweck heiligt die Mittel und bei wem es ploppt macht - der hat Recht.

Andersherum geht das sicher genauso, also erst Dose machen und dann Deckel auf Maß drehen. Hauptsache die eine Seite ist leicht rund und die andere anfangs leicht schräg, bevor man senkrecht einsticht.

Der Vorteil meiner Methode ist, dass man kein Spundfutter für den Deckel braucht, der Nachteil ist, dass die Maserung nicht durchläuft, weil der Deckel um 180 Grad gedreht wird.

Punkt 7 und 8 sind bei meinem Konzept die wichtigsten, weil man so ganz gut sieht, ob noch 1/10 oder eher noch 3/10 mm wegmüssen.

Am Anfang den Deckel lieber straff einpassen und nach ein paar Tagen (nachdem die Dose im Zielklima angekommen ist) nochmal nachdrehen. Ggf. auch mehrfach. Ein klemmender Dreckel ist leichter zu korrigieren, als ein klappernder... ;-)

Extrem klemmende Deckel bekommt man übrigens mit einem breiten Stechbeitel relativ spurlos wieder vom Dosenkörper.

Bitte berichte uns von von Deinen zukünftigen Dosen!

Gruß, H.

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Beitrag von Tüftler » 20.04.2017 - 14:45:27

Werde ich mit Sicherheit machen!

Gruß,
Tüftler
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pickhanhaken
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Dosen

Beitrag von pickhanhaken » 20.04.2017 - 19:34:22

Hallo Stefan,

Deine Technik ist gut, aber diese Technik wurde überwiegend gemacht, zu der Zeit wo es noch nicht die sicheren Backenfutteraufsätze gab, sondern sehr viel mit Spund- oder Einschlagfutter gearbeitet wurde. Dabei ist diese Methode nicht schlecht, wenn man, wie Du schon geschrieben hast nicht auf die Maserung acht gibt. Wenn man aber Bahia-Rosenholz, Grenadill mit Splint, Zebrano oder andere Arten mit Splint erkennt man schnell das diese Methode nicht sehr gut Aussieht, nach meinem Empfinden. Denn es gibt heute die guten Futterbacken wo man nur einige Millimeter Flansch zum einspannen braucht. Die Methode die Du beschreibst finde ich in alten Drechselbücher, wie gesagt früher wurden viele fliegend Längsholzarbeiten im Spundfutter gemacht. Ob man das heute noch so machen muss stelle ich mal in Frage.

Gruss
Andreas

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Helfried
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Beitrag von Helfried » 20.04.2017 - 21:22:49

Hallo Dosendrechslerinnen und Dosendrechsler,

an diese Stelle passt gut eine Buchempfehlung (natürlich besonders für die der englischen Sprache einigermaßen Mächtigen):
TURNING BOXES With Richard Raffan, The Taunton Press.

Im Kapitel "Design" schreibt Raffan:
"In the early '70s, during my formative years as a turner, I made boxes with straight sides, flat or domed lids with big knobs,
and a nice suction fit to the lid. Like the other turners I knew, I made little or no attempt to match the grain because we all knew
it couldn't be done. (...) These boxes sold quite well but were prosaic with the grain differences between the lid and base detracting from the whole.
Then suddenly we turners saw how to line up the grain top to bottom, and the boxes improved because the patterns no longer jarred the eye."

Mein Übersetzungsversuch:
"Während meiner Entwicklungsjahre als Drechsler in den frühen Siebzigern machte ich Dosen mit geraden Wänden, flachen oder
hochgewölbten Deckeln mit großen Knäufen und feinen Saugpassungen für die Deckel. Wie alle mir bekannten Drechsler unternahm
auch ich keine Anstrengungen die Maserung übereinzustimmen, weil wir alle wussten dass das unmöglich war. (...) Diese Dosen verkauften
sich recht gut, der Maserungsunterschied zwischen Dose und Deckel störte das Gesamtbild aber ernüchternd.
Ganz plötzlich erkannten wir Drechsler dann die Möglichkeit, die Maserung von oben nach unten durchlaufen zu lassen, und die Dosen wurden besser
weil die Muster das Auge nicht mehr beleidigten."

In diesem Sinne möchte ich die Frage von Andreas:
Die Methode die Du beschreibst finde ich in alten Drechselbücher, wie gesagt früher wurden viele fliegend Längsholzarbeiten im Spundfutter
gemacht. Ob man das heute noch so machen muss stelle ich mal in Frage.
gern unterstreichen.

Helfried

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Beitrag von Helmuth » 20.04.2017 - 21:54:36

Hallo Dosenfreunde,

wenn man eine durchgehende Maserung anstrebt und das konsequent umsetzt, führt kein Weg am Einleimen eines anderen Holzstücks für den Zapfen vorbei. (Danke @Ralph)

Somit verliert man nur eine (Japan-)Sägeblattstärke zwischen Dose und Deckel.

Ich habe mir bei meinen ersten Versuchen viel Mühe gegeben, den Faserverlauf zu erhalten, aber Falz + Abstechen kostete trotzdem mindestens einen halben Zentimeter (eher mehr) und das Ergebnis war mir die Mühe (= den Mehraufwand) dann nicht mehr wert.

Und mal ganz realistisch: Natürlich sieht das auf einem Photo toll aus, wenn man den Übergang fast gar nicht sieht. Aber im praktischen Gebrauch wird man wohl kaum jedesmal beim Verschließen darauf achten, dass der Deckel auch genau richtig gedreht ist - insofern sähe selbst bei perfekt durchgehendem Faserverlauf das Gesamtobjekt nur gut aus, wenn man immer darauf achten würde. Bei reinen Dekoobjekten ist das natürlich etwas anderes.

Beste Grüße, H.

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Mac*Murphy
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Beitrag von Mac*Murphy » 21.04.2017 - 06:26:35

Moin Helmuth,

schade das Du das nicht mehr mit Fritz RS diskutieren kannst.
Schau Dir mal seine Dosen (wenn man die überhaupt so nennen darf) an.

Gruß
Frank

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Dose

Beitrag von pickhanhaken » 21.04.2017 - 07:42:56

Hallo,

Stefan, diese Einstellung,: aber im praktischen Gebrauch wird man wohl kaum jedesmal beim Verschliesen darauf achten, dass der Deckel richtig gedreht ist...
Ich halte diese Einstellung beim Verkauf von Waren für nicht sehr verkaufsfördernd. Nach dem Motto das interessiert eh keinen habe ich vor 2 Jahren einen Drechsler aus Bad Homburg bei einer Verkaufsausstellung gesehen, dieser hat es grundsätzlich vermieden, da er so einige Schalen Nass gedrechselt, die schwarzen Flecken der Futterbacken zu entfernen, mit den Worten: "Da schaut eh keiner hin." Ich fragte Ihn, Wer ich denn bin?, bin ich keiner?
Diese Einstelllung "Das sieht doch keiner, Da schaut eh keiner hin, das ist doch nicht wichtig" halte ich für eine Anti-Verkaufstrategie. Man kann natürlich auch die Einstellung haben, so schnell wie möglich, so billig wie möglich.
Ich versuche meine Objekte Qualitativ sehr hochwertig zu verkaufen und achte darauf das Maserung jeder Dose, ob sie verkauft werden soll oder verschenkt wird, das der Deckel nicht um 180 Grad gedreht ist.
Das ist nur meine persönliche Meinung.

Andreas

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Beitrag von Helmuth » 21.04.2017 - 09:26:39

Hallo Andreas,

kein Widerspruch von mir, nur eine Präzisierung: Ich sage nicht, dass es egal ist, oder niemand hinschaut - mein Punkt ist, dass man es entweder perfekt macht, oder besser gar nicht.

Ich persönlich finde es unattraktiv, wenn offensichtlich ein kurzes Stück Maserung fehlt - es also aussieht, wie gewollt und doch nicht gekonnt. Dann lieber "Mut zur Lücke" mit gedrehtem Deckel oder gleich einem anderen Holz für den Deckel.

Oder eben perfekt aus einem Stück mit minimal möglicher Diskontinuität im Faserverlauf - und genau dies werde ich als nächstes machen mit einer von außen unsichtbaren Dose-Deckel-Verbindung aus einem anderem Holz.
Ich versuche meine Objekte Qualitativ sehr hochwertig zu verkaufen und achte darauf das Maserung jeder Dose, ob sie verkauft werden soll oder verschenkt wird, das der Deckel nicht um 180 Grad gedreht ist.
Das ist nur meine persönliche Meinung.
:danke: dafür, dass Du sie mit mir/uns teilst!

@Frank: Danke für den Hinweis, sehr beeindruckende und inspirierende Werke!

Beste Grüße,

Helmuth

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Beitrag von johannes_s » 21.04.2017 - 09:59:52

Hallo,

schaut euch mal den Bericht an.
in der Fluge ist genau die Maserung verschwunden die gesägt und geschliffen wurde.

http://drechselfreunde-franken.de/dff-t ... pril-2017/

Gruß Johannes

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