BTS900 und Tormek Tools

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Argus
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BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Argus »

Hallo,

Ich habe einen Bandschleifer von Scheppach BTS900, der recht brauchbar ist und wollte mir zum schärfen der Eisen nicht noch ein weiteres Schleifgerät anschaffen. Ich finde die Tormek Tools sehr gut, man kann mit denen nicht nur Drechseleisen, sondern fast alles was sich schleifen lässt, damit schärfen. Nun habe ich überlegt, wie ich die Tormek Tools an meinen Bandschleifer bekomme.
Ich meinem Fundus hatte ich Rundrohre, Gewindestangen und Rundstahl gefunden. Für die Tormek Tools benötigte ich aber einen Rundstahl mit genau 12mm Durchmesser, der gerade nicht da war.
Außerdem muss die Konstruktion für die Wiederholbarkeit des Schärfens sehr stabil und verwindungssteif sein. Ich entschied mich für ein dickwandiges Rohr, indem die 12mm Stange läuft. 12mm Rundstahl und 18mm Präzisionsrohr mit 3mm Wandstärke bestellte ich im Internet.
Aus diesen Materialien habe ich die Tormek Halterung gebaut:
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Eigentlich hatte ich vor, in das dickwandige Rohr ein Gewinde zu schneiden und dort eine Rändelschraube einzulassen, die dann die Stange fixiert. Als ich die 12mm Stange sowie das Präzisionsrohr bekam, war ich erstaunt, wie genau passend beides zueinander war. Von der Passung her lässt sich der Rundstab gerade noch so von Hand im Rundrohr verschieben. (Schätzungsweise Passung H7)
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wegen der hohen Passgenauigkeit sparte ich mir jedoch den Schritt mit der Rändelschraube. Ich habe dann die obigen Teile zusammen geschweißt und danach grundiert und lackiert. Da sich die Bereiche der Schweißnähte immer leicht verziehen, habe ich das Präzisionsrohr von unten auf 12,5mm aufgebohrt. Die Führung des Rundstabes findet im oberen Teil des Präzisionsrohres oberhalb der oberen Strebe statt.
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Man könnte die Schleifhalterung auch direkt an die schwenkbare Schleifauflage bauen, doch diese ist dafür nicht stabil genug. Das Gehäuse des Bandschleifers besteht aus 6mm Grauguß und bietet diese Stabilität. Ich habe dort zwei 10mm Löcher hinein gebohrt.
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innen ist genug Platz zum montieren der Schleifhalterung
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so sieht die Schleifeinrichtung montiert aus. Mit den gekonterten Rändelmuttern lässt sich die Höhe präzise einstellen und fixieren. Übrigens die Rändelmuttern sind aus M10 Gewindemuttern hergestellt, diese sind abgedreht und mit dem Rändelwerkzeug gerändelt.
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Hier noch ein paar Bilder in Aktion
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schleifen des Ausdrehstahls
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schleifen der Schruppröhre
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schleifen des Abstechstahls 6mm
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Der Schleifbandwechsel funktioniert recht problemlos. Es muss die Schleifeinrichtung dazu nur etwas angehoben werden, damit das Schleifband unten frei aus der Auflage herauskommt, dann kann es wechselt werden. So kann zum Grund oder Umschleifen schnell ein 80er Schleifband aufgelegt werden.
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Hier ist das Schleifergebnis mit 1000er Korn auf Aluminiumoxid Schleifband zu sehen. Erkennbar ist noch etwas Grat, dafür werde ich mir auch noch eine Abzieheinrichtung bauen.
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Gruß Frank
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Doc007 »

Hallo Frank,

da lacht des Maschinenbauers Herz. Tolle Lösung, sauber ausgeführt. Wäre es mir eigefallen, hätte ich lediglich die beiden Ausleger zur Verschraubung so kurz wie möglich gemacht und die Gewindestange mit Rändelmutter nach innen gesetzt. Aber die Konstruktion ist sicher auch so biegesteif genug.

Würde mich echt nicht wundern, wenn es diese Lösung irgendwann mal als Zurüstsatz für diese oder ähnliche Maschinen zu kaufen gäbe. Biete es ruhig mal einem Maschinenhersteller an.

Schönen Abend noch
Andreas
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Argus
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Argus »

guten Morgen,
vielen Dank an Andreas fürs Feedback.
Doc007 hat geschrieben: 13.12.2020 - 19:42:48
hätte ich lediglich die beiden Ausleger zur Verschraubung so kurz wie möglich gemacht
ja, ich habe lange drüber nachgedacht. Es erinnert ein wenig an Segelohren. Ich habe aber bewusst die Querstange 350mm lang gewählt, weil ich auch breitere Sachen schleifen möchte. Ich weiß nicht wie lang die Querstange bei der Tormek ist, aber bei der Hobelmesserschleifeinrichtung --> https://www.qy1.de/img/tormek-SVH320.jpg
hat Tormek extra eine eigene Halterung bauen müssen. Ich wollte dafür dieses Teil dann modifizieren --> https://www.qy1.de/img/tormek-SE77.jpg
ich denke, 80mm Hobelmesser sollten damit gehen.
Doc007 hat geschrieben: 13.12.2020 - 19:42:48
und die Gewindestange mit Rändelmutter nach innen gesetzt.
was hätte das für Vorteile? Ich hatte auch schon drüber nachgedacht, auf die vertikale Stange eine Millimeterangabe zum Einstellen zu gravieren, zur Zeit messe ich mit dem Messschieber den Abstand.

Gruß Frank
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Doc007 »

Hallo Frank,

Hobelmesser, klar, die hatte ich als Nicht-Maschinenhobler gar nicht auf dem Schirm. Das erklärts.

Der Fixpunkt mit der Rändel zwischen der präzisen Rohrführung und dem aufgelegten Werkzeugträger ist statisch geringfügig günstiger, geht aber zugegebenermaßen schon fast in die maschinenbauliche Erbsenzählerei ;-)

Gruß
Andreas
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woodpacker
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von woodpacker »

Hallo Frank,
schön gemacht, das gefällt mir! Was ist das für ein Messschieber? Der ist ja sogar auf dem Foto super gut abzulesen.
Viele Grüße
Ralf
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Argus
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Argus »

Hallo Ralf
woodpacker hat geschrieben: 14.12.2020 - 16:54:18
Der ist ja sogar auf dem Foto super gut abzulesen.
und das sogar noch mit Schutzfolie drauf :-C , ich habe die jetzt endlich mal abgemacht
woodpacker hat geschrieben: 14.12.2020 - 16:54:18
Was ist das für ein Messschieber?
auch nur Chinaware (letztlich kommt aber alles von da) , der hatte mal in Tests im bezahlbaren Rahmen rel. gut abgeschnitten. Auch wurde dort erwähnt, das der reproduzierbar auch die letzte Stelle korrekt misst und einer der wenigen in dem Feld war, der wirklich am Anschlag auf 0,00 geht.
Ich habe den schon ein paar Jahre, ich glaube, das ist dieses Angebot --> https://www.amazon.de/dp/B085ZGTR2P?tag ... th=1&psc=1
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Gruß Frank
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Argus
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BTS900 und Tormek Tools + Abziehscheibe

Beitrag von Argus »

Nachdem nun alle Teile da sind , habe ich mir die Abziehscheibe gebaut.

Damit ich auch Messer und andere größere Klingen abziehen kann, habe ich mich für eine große Abziehscheibe von 180mm Durchmesser entschieden. Um diese anzutreiben, suchte ich mir diesen Drehteller aus --> https://www.amazon.de/gp/product/B00PHR ... UTF8&psc=1
Dieser ist ausreichend stabil, da er Gegenstände bis 30Kg tragen und drehen kann.
Doch zwei Dinge musste ich an dem Drehteller ändern. Der Getriebemotor hat eine Umdrehungszahl von 5Upm, das ist natürlich zum Abziehen etwas zu langsam. Diese Synchron-Motoren gibt es mit gleichen Einbaumaßen auch für Mikrowellen mit dann 50Upm. Ich habe also den Motor des Drehtellers ausgetauscht. Die Motorwelle des neuen Motors war etwas zu lang und hatte keinen Vierkantmitnehmer fürs Zahnrad. Mit einem Dremel und 20mm Diamandscheibe habe ich die Motorwelle gekürzt und die Vierkantaufnahme fürs Zahnradritzel eingearbeitet. Das Gewinde für die Sicherungsschraube habe ich mir aber gespart. Danach habe ich das Ritzel mit Uhu Endfest-300 auf den Vierkant aufgeklebt, das hält.
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links original Motor, rechts eingebaut neuer Motor
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Weiterhin musste die originale Rutschkupplung entfernt werden. Diese diente wohl dazu,das der Teller mit 30Kg Gewicht auch sicher anlaufen kann, das hätte der 4W Motor wohl sonst nicht aus dem Stand geschafft. Diese Rutschkupplung bestand aus einen Plastik-Scheibenring und einen Kugellager. Hier im Bild ist noch die Kugelrille vom Lager am Boden zu sehen
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Um den neuen Drehteller montieren und demontieren zu können, habe ich aus 5mm Sperrholz eine genau passende Ringscheibe mit einem Fräszirkel ausgeschnitten. Die Ringscheibe nimmt 3 Senkkopfschrauben auf. Dies wurden mit Endfest-300 eingeklebt. So kann ich die neue Ringscheibe befestigen, indem ich diese mit etwas Montagekleber in die bestehende Ringnut eindrücke. Es wäre auch möglich gewesen, den aufzusetzenden Drehteller ohne Verschraubung direkt fest zu kleben, aber ich mag keine Geräte, die sich nicht wieder demontieren lassen.
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Den neuen Drehteller habe ich aus drei Sperrholzscheiben gefräst. Die mittlere Scheibe hat dann noch drei runde Aussparungen, damit ich dort die Muttern zur Befestigung montieren kann.
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Die eigentliche Abziehscheibe besteht aus 6mm unbehandelten Echtleder. Unbehandelt ist wichtig, da das Leder mit Öl präpariert werden muss
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Aus dem Echtleder 180x180x6mm habe ich dann eine runde Scheibe ausgeschnitten. Dazu habe ich mit dem Dremel und Diamantscheibe am äußeren Rand mit Zugabe von etwa einem Millimeter diese heraus getrennt.
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Dann habe ich die Lederscheibe auf den Drehteller geklebt. Um die Lederscheibe schön rund und zentrisch zu bekommen, habe ich die Lederscheibe rund "gedrechselt". Dazu habe ich einen Flex Trennschneider mit dünner Trennscheibe versehen und diesen so auf einem Tisch befestigt das die Trennscheibe senkrecht läuft. Nun habe ich, den sich drehenden Drehteller an die laufende Trennscheibe gebracht. Zuerst wurden nur die hervorstehenden Kanten des Leders abgearbeitet, aber mit jeder Umdrehung wurde die Lederscheibe runder und zentrischer. Nach ca. 5 Minuten Laufzeit war sie perfekt rund. Danach habe ich noch die Kanten der Lederscheibe abgerundet.
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hier ist die Verschraubung des Drehtellers zu sehen
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Nun ging es an die Präparation der Lederscheibe. Diese sollte gut mit nicht harzendem Öl gesättigt sein. Ich habe dazu altes Uhrenöl genommen, Dies ist schon über 30 Jahre alt und immer noch gut.
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Das Leder ist sehr saugfähig, man muss mehrere Male im Zeitraum von 24h das Öl auftragen, bevor sich das Leder ausreichend gesättigt hat
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Nun kann endlich die Abziehpaste aufgetragen werden. Das beste Material hierfür ist Chromoxid. Dieses gibt es schon fertig und man kann es bsw. bei Scherenkauf bekommen --> https://www.ebay.de/ipp/202741337245?tr ... 675.l48352
Ich habe mich aber von diesem Video hier leiten lassen --> https://www.youtube.com/watch?v=GMtTBcqDaN0
und mir die Paste gleich mit dem schon verwendeten Öl angerührt. Dazu habe ich Chromoxid-Pulver mit 330 Nanometer Korngröße genommen.
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So sieht die fertige Abziehscheibe aus
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Ich habe meine neu geschärfte Schruppröhre nun auch noch mal abschließend abgezogen. Zuerst außen
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und dann mit dem Lederaußenrand innen abgezogen
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Hier ist die Innenseite der Röhre zu sehen.
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und hier ist die Außenseite zu sehen
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sowohl Innen und Außenseite sind gut poliert, die Klinge ist sehr scharf
"..Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht frühzeitig zu machen.."

Sir Winston Churchill, britischer Politiker und Schriftsteller
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Argus
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Sommer(loch) Update

Beitrag von Argus »

Hallo,

Nun betreibe ich den Band- und Tellerschleifer BTS900 schon eine ganze Weile. Es ist auch eine Tiger 2000 Schleifstation mit 2 CBN Scheiben dazu gekommen.
Diese nutze ich für kleine Dinge wie Bohrer und Drechseleisen anschleifen. Die BTS900 hingegen nehme ich weiterhin für Messer, Hobelmesser, Scheren und andere lange, sperrige Dinge. Das klappt soweit gut, jedoch hatte ich gerade beim nachschärfen öfter den Wunsch, die Bandgeschwindigkeit herabzusetzen.
Ich schärfe zwar mit Trizact Bändern der Körnung bis 2400 nach, jedoch ist auch hier der Abtrag teilweise noch zu hoch.
So wäre es wünschenswert, die Bandlaufgeschwindigkeit abzuregeln.
In der BTS900 ist ein Einphasen-Wechselstrommotor mit Betriebs sowie Anlaufkondensator verbaut.
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Quelle www.manualslib.de

Der einfachste Weg wäre sicher, eine einfache Phasenanschnittsteuerung für ein paar Euros einzubauen, so wie sie in vielen einfachen Geräten verbaut ist.
Jedoch ergeben sich damit viele Nachteile. Zum einen mag nicht jeder Motor damit funktionieren, es bilden sich durch den lückenden Stromfluss hohe Gegeninduktivitäten die die Motorisolation zerstören können und durch die Stromlücken (Pulsweitensteuerung) fehlt dem Motor dann gerade bei niedrigen Drehzahlen merklich Leistung.
Ideal wäre nun ein Frequenzumrichter, der über die Frequenz die Drehzahl wirklich stetig regeln könnte. Normale FUs benötigen Dreiphasenmotoren, da diese Modelle 3 Wechselspannungen mit einer Phasenverschiebung von je 120° erzeugen, die die Pole des Rotors vom Motor dann um je ein Drittel weiter drehen.
Beim Einphasen Wechselstrommotor ist das nun anders. Der bekommt nur eine Phase aus dem Netz. Damit sich der Motor drehen kann, wird hier über einen Betriebskondensator eine Phasenverschiebung von 90° erzeugt, die über einer Hilfswicklung den Rotor um jeweils 90° weiterdreht. Meist ist auch noch ein Anlaufkondensator nötig, damit der Motor überhaupt sicher anläuft. Dies alles kann man so in dem obigen Schaltbild des Motors der BTS900 erkennen.

Vor einiger Zeit habe ich einen sehr kleinen Frequenzumrichter für 750Watt gekauft, der nicht größer als meine Handfläche ist (ich habe kleine Hände) und Einbaumaße von 124x80x52mm besitzt. Dieser war auch recht preiswert mit gerade mal 36 Euro inkl. Einfuhrsteuer und Versand. Der könnte also gut in den vorhandenen Freiraum des BTS900 passen.
Nun habe ich einmal probiert, inwieweit normale FUs auch einen Einphasen-Wechselstrommotor antreiben können. Dazu habe ich die Kondensatoren, Wiedereinschalt-Schutzschalter und Anlaufrelais abgeklemmt und den Motor mit Haupt und Hilfswicklung an die 3 Phasen U,V,W geklemmt. Vorher hatte ich noch die Widerstände der Haupt und Hilfswicklungen ausgemessen. Die waren mit 15,6 sowie 16,2 Ohm Gleichstromwiderstand nahezu identisch. Bei der Ansteuerung tritt nun folgendes ein. In der 1 Phase wird die Hauptwicklung bestromt. In der zweiten Phase dann zeitlich um 120° versetzt die Hilfswicklung. In der dritten Phase wieder zeitlich um 120° versetzt bekommen Hilfs und Hauptwicklung in Reihenschaltung Strom. Dies passt zwar nicht ganz zum geplanten Phasenversatz von 90° , läuft aber erstaunlich gut. Der Motor läuft problemlos an und hat schon ab 6 Hz Frequenz (also einem 1/8tel der Drehzahl) soviel Drehmoment, das ich das Schleifband nicht mehr anhalten kann. Auch läuft der Motor in allen Drehzahlen sehr ruhig und gleichmäßig.
Normalerweise bemerken die FUs ja, das sich der Motor nicht so benimmt wie konzipiert und gehen dann mit Errorcode in den Failmodus. Bei meinen getesteten Noname China FUs vom Typ AT1-XT sowie dem hier verbauten US-52 war das aber nicht so. Sie arbeiteten klaglos und die Steuerung Vorwärts/Rückwärts sowie Anlauframpen und Bremsen war alles auch hier ausführbar.
hier ist der erste Testaufbau mit fliegenden Drähten zu sehen
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Danach habe ich dann das ganze Geraffel von Kondensatoren, Wiedereinschalt-Schutzschalter, Anlaufrelais und Frontplatine entfernt.
Aus 4mm Aluminiumblech habe ich eine neue Frontplatte gebaut und dort den FU eingesetzt.
Danach dann die Adern von Haupt und Hilfswicklung mit den 3 Ausgängen vom FU verbunden.
Den Wiedereinschaltschutz konnte ich auch weglassen, da der FU den nebenbei sowieso mitbringt.
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Im Reverse-Betrieb sowie bei ganz geringen Drehzahlen ist jetzt aber der Anschluss einer Absaugung sinnvoll, da der Motor und seine Kühlung nun entweder "falschrum" läuft oder aber sehr langsam, dabei jedoch die gleiche Leistung verbraucht. Hier könnte es eventuell zum Hitzestau kommen.

Gruß Frank
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Matzel1970 »

Moin Argus

Sehr sehr schöner Beitrag und wunderbar ergänzt. Danke fürs Teilen des Wissens.
Grüsse Matthias

Wirklich wichtige Dinge kann man nicht kaufen.
esel
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Re: Sommer(loch) Update

Beitrag von esel »

Argus hat geschrieben: 01.09.2022 - 16:01:50
Nun betreibe ich den Band- und Tellerschleifer BTS900 schon eine ganze Weile. Es ist auch eine Tiger 2000 Schleifstation mit 2 CBN Scheiben dazu gekommen. [...]
Ich schärfe zwar mit Trizact Bändern der Körnung bis 2400 nach, jedoch ist auch hier der Abtrag teilweise noch zu hoch.
Hallo Frank!

Inspiriert von deinem Beitrag habe ich mir einen Güdebandschleifer geholt, den schonmal jemand mit nem Drehstromer ausgestattet hatte und wollte mich nun auf die Suche nach FU, Schleifbändern und Tormek Zubehör machen. Ich hätte zwar gerne eine originale Tormek hier stehen, aber das hat noch Zeit. :-)

Ich wäre dir sehr dankbar wenn du mir deine Meinung zu empfehlenswerten Körnungen sagen kannst, ein Band kostet ca. 10.-€ aber die scheinen ja auch ewig zu halten. Auch deine Meinung über die Grenzen vom Bandschleifer, du hast ja letztlich auch einen Tiger ins Haus geholt.
Ist es eher eine Komfortfrage gewesen, Drechseleisen nicht mehr am Bandschleifer zu machen? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße aus Pforzheim
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Argus
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Argus »

Hallo Daniel,

Angeschafft hatte ich mir den Bandschleifer, um auch breite Dinge wie Hobelkingen und andere große Dinge schleifen zu können. Dafür habe ich mir dann auch die "Tormek-Halter" gebaut. Einige Dinge funktionierten aber nicht so gut, wenn weiterhin horizontal geschliffen wird. Bsw. die DBS-22 --> https://www.youtube.com/watch?v=WbQnWNustAs ,
funktioniert besser im vorgesehenen Winkel.
Im November 2021 bekam ich ein äußerst günstiges Angebot, zwei 200mm CBN Scheiben für jeweils 72,20€ zu kaufen. Da mich das Thema CBN schon länger auch interessierte, besorgte ich mir dann einen Langsamläufer von Scheppach. Den baute ich nun auf CBN Scheiben um. Diesen nutze ich vorrangig zum Bohrer-Anschleifen mit der DBS-22 und auch teilweise zum Drechseleisen-Anschleifen. Größere Dinge wie Klingen, Messer, Äxte schleife ich gern auf dem Bandschleifer.
Eines hat mich an dem Bandschleifer damals gestört. Er nahm durch die hohe Umlaufgeschwindigkeit sehr aggressiv Material ab. Das ist zwar zum umschleifen gut, stört jedoch beim Nachschleifen. Durch das nachrüsten des FUs konnte ich nun auch ganz niedrige Umlaufgeschwindigkeiten zum Nachschärfen nutzen. Ich bin mit beiden Geräten sehr zufrieden, beide stehen nebeneinander auf meinem separaten Schleiftisch und werden wechselweise mit der ganzen Palette der Tormek Tools genutzt.
Als Schleifbänder nutze ich für Drechseleisen und für andere hochwertige Werkzeuge die Trizact 3M Bänder bis Korn 2500 --> https://www.3m.com/3M/en_US/trizact-us/ .
Für normale Schleifarbeiten in der Holz und Metallbearbeitung nutze ich auch die günstigeren normalen Aluminiumoxid-Bänder in allen Körnungen. Genauso gern verwende ich auch weiterhin den integrierten Tellerschleifer des Bandschleifers bsw. zum winkligen abrunden an Holz und Metall.

Gruß Frank
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von esel »

Argus hat geschrieben: 28.03.2023 - 12:32:35
Als Schleifbänder nutze ich für Drechseleisen und für andere hochwertige Werkzeuge die Trizact 3M Bänder bis Korn 2500 --> https://www.3m.com/3M/en_US/trizact-us/
Danke für deine rasche Antwort!

Bei Trizact bin ich auch schon gelandet, scheint ja der Goldstandart zu sein bis deren Patent abläuft. :-)
Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir die Körnungen auflisten kannst, mit denen du da die besten Erfahrungen sowohl fürs Umschleifen als auch für den Feinschliff hast.
Deine Polierscheibe steht auch schon auf der Liste. Sind echt gute Ideen außerhalb der Kiste, die du da hast!
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von Argus »

Hallo nochmal,

Trizact Bänder für 915mm zu finden ist ja nicht so einfach. Grobes Korn konnte ich noch nicht finden. Zum Umschleifen verwende ich blaue Aluminiumoxid Bänder in Korn 60. Ansonsten habe ich Trizact Bänder in Korn 280, 600, 1200, 2400 (sorry 2500 gibt es wohl nicht)
verwendet. --> https://www.shop-holz-service.com/Schle ... be-TRIZACT

Gruß Frank
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Re: BTS900 und Tormek Tools

Beitrag von esel »

Hab da jemand bei den Kleinanzeigen gefunden, mal sehen was er an Körnungen da hat...
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