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Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Alles rund um die Oberflächenbehandlung von Werkstücken

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ElSur
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Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von ElSur » 24.07.2022 - 16:25:21

Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren, ob jemand von Euch lieber sein eigenes Finish herstellt als einfach eines zu kaufen und wenn ja interessiert mich vor allem warum das so ist. :-)
Ist es einfach günstiger oder wollt Ihr genau wissen was drin ist oder gibt es nichts auf dem Markt für Euren Anwendungszweck, oder oder oder. :-L
Welche "Zutaten" habt Ihr verwendet und war das Ergebnis so, wie Ihr es Euch erhofft habt oder seid Ihr schnell wieder beim gekauften gelandet? :mrgreen:

Ich frage rein aus Interesse, angeregt durch das Video von Stefan Benner, der jetzt auch sein "eigenes" Finish hat.

Schöne Grüße
David

seschmi
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Re: Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von seschmi » 24.07.2022 - 17:06:22

Hallo David,

ich habe eine Mischung aus Bienenwachs, Carnaubawachs und Orangenschalenöl. Vorteil ist, dass die Mischung recht weich ist und man sie deshalb mit dem Lappen auftragen kann und polieren. Rezepte gibt es reichlich im Internet. Man muss nur beim Anrühren mit der Temperatur aufpassen, Orangenöl ist leicht entzündlich, daher mit Thermometer im Wasserbad arbeiten.

Außerdem habe ich eine Terrasse mit Leinölfirnis und Pigmenten gestrichen - zählt das Einrühren von Umbra und Eisenoxid schon als „eigenes Finish“?
Das hatte reine Kostengründe, die Zutaten waren schon da.

Sonst nehme ich Fertigprodukte, es gibt ja unendlich viel mit allen möglichen Eigenschaften.

Grüße,
Sebastian

Hafer
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Re: Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von Hafer » 24.07.2022 - 17:40:58

Du triffst mit deiner Frage (m)einen Nerv! Der Markt an Produkten ist mittlerweile so unglaublich unübersichtlich, dass es vermutlich niemals wirtschaftlich sein wird, "sich durchzuprobieren". Hinzu kommt, dass man nicht erst am Ende allen Experimentierens feststellt, dass sich die Produktpalette hochdynamisch weiterentwickelt, nee: verändert hat. Und wenn's ganz schlimm kommt, haben sich auch noch die eigenen Ansprüche geändert :-L

Was dagegen hülfe: Wissen.
Welche Komponenten beeinflussen welche Eigenschaften der Oberfläche (Haptik, Optik, Festigkeit, Wasserresistenz, Farbstabilität, Pflege, ...),
Eigenschaften der Verarbeitung (Vorbereitung, Art des Auftrags, Abbindezeit, ...) und
Eigenschaften der Substanz (Viskosität, Haltbarkeit, Geruchsentwicklung, ...).
Wenn man sich da auf eine "Metrik" einigt, kann man Rezepte nicht nur gezielt entwickeln, statt herumzuprobieren. Man kann sie auch austauschen und sie sind vergleichbar.

Danach muss man nur noch wissen, was man will :-A

Ok, genug geträumt :-L
Gruß, Jens

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Jesse
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Re: Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von Jesse » 24.07.2022 - 18:00:35

Ich verwende nur drei Arten Finish.

- Walnuss für Schneidebretter. Heiß auftragen und wenn kalt ist mit Küchenpapier abreiben.

- Bienenwachs zum Aufschmelzen und abpolieren, oder zum Auffrischen der Oberfläche mit der Schwabbelscheibe.

- Wachspaste aus Bienenwachs und Rapsöl.
Die Wachspaste mische ich 1 Teil Bienenwachs und 4 Teile Rapsöl. Das Wachs im Öl schmelzen, gut rühren, in Schraubgläser füllen und weiter rühren bis es cremig wird.
Mit der Wachspaste schütze ich Nassholz nach dem Drechseln vor zu schnellem Trocknen, benutze es wie Holzbutter zum Nachpolieren. Wenn ich Schleifpapier damit etwas einreibe, staubt es nicht so und das Papier setzt sich trotzdem nicht zu. Allerdings sollte das Finish dann auch auf Wachsbasis sein.
Holzmessergriffe werden wieder schön. Die Tischplatte sieht wieder gut aus, etc. etc. Universalmittel für mich.
Nicht zuletzt nehme ich die Wachspaste auch bei rissigen Händen und Lippen. Ist ja nichts Giftiges drin.
Rapsöl ist hier dem in Kosmetik häufig verwendeten Ölivenöl überlegen. Das Ölivenöl wird schnell ranzig.

Alles Sachen, die ich zuhause habe. Kostet fast nix, ist nicht giftig, gibt ne tolle Oberfläche, passend zum Naturprodukt Holz.

Gruß Jesse

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Re: Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von Ulmenholz » 24.07.2022 - 18:26:01

Hallo zusammen

Eine gute Frage, warum man heute noch sein eigenes Finish herstellt. Bei mir ist es die Freude an der Sache. Das Interesse an den verschiedenen Naturprodukten. Auch die Neugier, was dann wie aussieht, anfühlt und funktioniert.

So entstanden bei mir schon verschiedene Öl-Mischungen oder Wachs-Öl-Pasten. Es ist eine spassige Sache in der Werkstatt ein bisschen Alchemist zu spielen.

Grues Remo

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Re: Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von Argus » 24.07.2022 - 18:50:55

Hallo,

ich verwende gern mein "Ossi-Oil" in Anlehnung an das SHELLAWAX Aussie Oil.
Entstanden ist es, wie immer bei mir, aus der Not heraus. Meistens ist es so, man bracht etwas, hat es nicht, und macht sich schlau, was da gehen könnte.
Ich verwende schon seit vielen Jahren für Furnierarbeiten im Boxenbau meine Geheimwaffe, das Hartwachsöl von Osmo. Das hatte mir damals mal ein alter Schreinermeister empfohlen. Das hat viele wertvolle Wachse und wird so fest, das es auch für Parketfüßböden eingesetzt werden kann. Es lässt sich auch im gehärteten Zustand polieren.
Nun komme ich zum "Ossi-Oil". Damals suchte ich ein Gloss-Finish zum Aufpolieren. Da sah ich das SHELLAWAX Aussie Oil, welches in den Bestandteilen aus Schellack und verschiedenen Wachsen wie Karnauba- und Bienenwachs sowie Spiritus besteht. Das hatte ich natürlich nicht, jedoch Schellack und Spiritus und die weiteren Wachse fand ich in meinem Osmo Hartwachs. Ich habe dann mehrere Mischungen ausprobiert und bin damit zufrieden. Gerade der Schellack-Anteil lässt sich super aufpolieren und die Hartwachse machen die Oberfläche stabil.
Wenn ich nur Seidenglanz erreichen will, nehme ich nur Osmo Hartwachs, entweder pur oder verdünnt mit Terpentin. Anderes Finish (außer Sekundenkleber für Stifte mit höchster mechanischer Beansprucheng) verwende ich nicht.

Gruß Frank
"..Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht frühzeitig zu machen.."

Sir Winston Churchill, britischer Politiker und Schriftsteller
* 30.11.1874, † 24.01.1965

ElSur
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Re: Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von ElSur » 24.07.2022 - 21:09:25

Hallo zusammen,

da sind ja bisher schon sehr schöne Antworten zusammengekommen :klatsch: Nach sowas habe ich gesucht. Hoffentlich kommen noch weitere dazu :-)

Generell geht es mir wie @Hafer bzw. Jens. Dieser Gedankengang und dann das Video von Stefan Benner haben auch mich dazu verleitet, mich ein wenig mehr über die einzelnen Bestandteile zu informieren. Es gibt so viele Angebote und nur durch die Beschreibung der Produkte kommt man nicht weit, weil die sich häufig untereinander überschneidet. Wenn ein Öl mit den Inhaltsstoffen A, B und X "besonders gut" für Arbeitsplatten, Tische und Schalen geeignet ist und ein anderes mit den Inhaltsstoffen X, Y und Z genauso, dann fragt man sich schon was jetzt der Unterschied ist und was besser zum eigenen Zweck passen könnte :?? :-L
Oder anders gefragt: warum kostet das König Holz & Harz Hartöl+ zehn Euro mehr als der König Holz & Harz Spezialfirnis? Klar, da sind mehr Inhaltsstoffe drin, aber ist das für meinen Anwendungsbereich von Vorteil oder macht es eigentlich keinen Unterschied? :-L
Der nächste Schritt ist dann natürlich die Überlegung, ob man sich nicht selber direkt das Zeug zusammenpanscht, das letztendlich womöglich am besten zum eigenen Verwendungszweck passt. :-L Auf jeden Fall ein sehr spannendes Thema, weil man ja beim Drechseln selten ohne Oberflächenbehandlung auskommt.

Schöne Grüße
David

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Re: Wer von Euch hat schon sein eigenes Finish hergestellt und warum?

Beitrag von pfpublic » 24.07.2022 - 22:03:27

Hallo David,

wenn Du dir die Fertigprodukte näher anschaust, wirst Du feststellen, daß es immer die gleichen Verdächtigen sind: Öl, Wachs, Schellack. In verschiedenen Kombinationen. Da ich als Restaurator einige davon eh in der Werkstatt habe, mische ich nach Erfahrung, Gefühl und Zweck. Und es macht Spaß, selber etwas auszutüfteln und zu sehen, daß es schon hinkommt. Hilfreich ist es, sich über die Grundeigenschaften der Zutaten zu informieren. Nach einigen Versuchen wirst Du deinem eigenen Finish schon ziemlich nahe gekommen sein. Und kosten tut es auch nicht viel.
Zum Schluß: für "Spezial" gibt es keine Definition...

Schöne Grüße
Klaus

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