Die Eschenbeule - eine Entdeckung im Holzlager

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Peter Gwiasda
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Die Eschenbeule - eine Entdeckung im Holzlager

Beitrag von Peter Gwiasda » 17.05.2018 - 11:41:21

Hallo Holzfreunde,

immer wieder überrasche ich mich selbst mit Entdeckungen in meinem Holzlager. Unter wachsenden Stapeln ruft mir gelegentlich ein Brocken zu: Nimm mich! Tat ich. Und ich erinnerte mich an einen Eschenstamm auf dem Polderplatz des längst aufgelösten örtlichen Sägewerkes. Der Stamm fiel mir auf, weil er eine Beule hatte, eine Ausbuchtung. Der Sägewerker erfüllte sein Versprechen, mir die Beule zu sichern, bevor der Stamm das Gatter erreicht. Das war vor mindestens einem Jahrzehnt.

In diesen Tagen hat die Beule ihre letzte Erfüllung gefunden. Für mich war besonders reizvoll, den durch den flachen Tangentialschnitt extremen Faserverlauf herauszuarbeiten. Die Fladerung der Esche ist auf der Innen- und Außenseite aufregend. Die Schale hat einen Durchmesser von 400 mm, eine Höhe von 75 mm, die Wandstärke reicht von 8 bis 10 mm. Den Rand habe ich geschwärzt mit einem Stück Grenadill, das ich gegen das rotierende Werkstück gedrückt habe, bis es qualmte. Die Schale hat keinen Fuß und ist nicht geölt, wird auch nicht mehr geölt.

Grüße von Peter Gwiasda


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Das dritte Bild zeigt die Schale von unten. Die überwallten Äste bilden dankenswerterweise keine Löcher.
Wie tröstlich, dass auch unsere Erde nicht wirklich rund ist.

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Heinz Hintermann
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Beitrag von Heinz Hintermann » 17.05.2018 - 13:06:38

Lieber Peter,
es ist wie immer bei dir, ...schön zu Lesen und zu Betrachten. :maintor1:
Gruss Heinz

"Gott bewahre dieses Haus vor Blitzschlag, Feuer und Idioten"

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robs#97
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Beitrag von robs#97 » 17.05.2018 - 13:54:19

Hallo Peter,

Deine Schale gefällt mir gut, auch die Idee mit dem gebrannten Rand ist genial.
Was jedoch faszinierend ist, das man die Geschichte zu einem Stück Holz, das ein gutes Jahrzehnt irgendwo gelagert war, im Gedächtnis behält, als wäre es gestern gewesen ;-)

Gruß Robert

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chrilu
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Beitrag von chrilu » 17.05.2018 - 15:31:23

Lieber Peter

Wieder mal ganz großes Kino von Dir.
Gratuliere
Liebe Grüße aus Österreich

Christian

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msteinacher
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Beitrag von msteinacher » 18.05.2018 - 19:24:52

Servus Peter,
besser wie Heinz kann man's nicht sagen:
schön zu lesen und zu betrachten
Liebe Grüsse aus Südtirol
Martin

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Vorher Branntring setzen?

Beitrag von Zörndlein Josef Artur » 18.05.2018 - 21:40:57

Hallo lieber Peter,
ich vermute, Du hast vorher einen Branntring mit einem Draht, (zuerst natürlich eingeritzt) und danach die Umlaufkante mit einer Gitarrenseite eingebrannt..
Genau bis zu dieser eingebrannten, runden und abbindenden Stelle hast Du anschließend Dein besonderes Brennholz angedrückt.

Hatte Dein Brennholz eine Arretierung?
Mit welcher Geschwindigkeit bist Du gefahren?
Wie behandelst Du das Holz, nach all den Verfahren?
Wird nur geölt?
Wird lackiert?
Wird mit Lack aus der Dose besprüht?

Sollte ich nerven, nicht antworten.

Mit freundlichen Grüßen
Zörndlein Josef Artur

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Beitrag von robs#97 » 19.05.2018 - 15:57:15

Hallo Josef Artur,
hat er doch alles beschrieben in seinem Text
Den Rand habe ich geschwärzt mit einem Stück Grenadill, das ich gegen das rotierende Werkstück gedrückt habe, bis es qualmte. Die Schale hat keinen Fuß und ist nicht geölt, wird auch nicht mehr geölt.


Gruß Robert

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Peter Gwiasda
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Beitrag von Peter Gwiasda » 19.05.2018 - 19:49:36

Hallo Josef Arthur,

kein Mensch nervt, wenn er fragt. Die Sache ist einfacher als du vermutest. Wenn die Schale in der Grundform vollendet ist, also noch nicht den finalen hauchfeinen Schnitt mit einer frisch geschärften Röhre genossen hat, bearbeite ich den zu schwärzenden Rand schneidend und nicht schleifend so perfekt wir möglich. Dann drücke ich mit viel Kraft ein Stück Hartholz (in diesem Fall Grenadill) gegen die zu schwärzende Fläche. Ich fahre die Rotation auf etwa 1500 hoch. Nach 20 bis 30 Sekunden qualmt es und der Brandmelder schlägt an. Danach schleife ich noch einmal mit 120er Leinen und wiederhole den Brandprozess. Die Fläche ist tiefschwarz, aber ohne scharfe Abgrenzung. Die schaffe ich jetzt durch beidseitiges finales Schneiden über die komplette Innen und Außenfläche. Im konkreten Fall habe ich das Werkstück rückenschonend auf der Kopf-Drechselbank bearbeitet.
Als Arretierung für das Brennholz reicht die Handauflage, auf eine weitere "Veredlung" der Oberfläche verzichte ich, weil schönes Holz nicht veredelt werden kann.

Freundliche Grüße von Peter Gwiasda
Wie tröstlich, dass auch unsere Erde nicht wirklich rund ist.

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Branntringe mit Lederstreifen setzen?

Beitrag von Zörndlein Josef Artur » 20.05.2018 - 22:31:33

Hallo Peter, danke für Deine schnellen und klärenden Antworten.
Das Einbrennen mit Hartholzstäben ist gewöhnungsbedürftig.
Ich denke es geht leichter, schöner, wenn man mit dicken Lederriemchen, welche auf Breite zugeschnitten sind, arbeitet. Der linke und rechte Rand sollte bereits mit Draht vorgebrannt sein.
Diese Branntringe ergeben dann eine saubere Oberfläche, ohne, dass nachgearbeitet werden muss.
(Dies zu meinen Erfahrungen).
Hier noch einige Bilder zu meinen neuesten, bunten "Herumstehern", gefertigt mit Brandringen und mit der Umsetzung bunter Farbüberläufe.
Mit freundlichen Grüßen an alle Buntdrechschler

Zörndlein Josef Artur

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