"traditionelle" Hölzer

Moderator: Forenteam

Antworten
el_zotto
Beiträge: 22
Registriert: 06.08.2017 - 11:26:30
Name: Christian
Ort: Clausthal-Zellerfeld
  ---

"traditionelle" Hölzer

Beitrag von el_zotto » 12.04.2018 - 09:59:18

Hallo ihr alle,

Freunde von mir beschäftigen sich in letzter Zeit mehr mit LARP (Live Action Role Play). Die Szenarien spielen in einer Welt, die technologisch mit dem europäischen Hochmittelalter vergleichbar ist.

Zur Ergänzung der Ausrüstung soll nun hölzernes Essgeschirr her. Daher frage ich mich gerade, ob es Nachweise über eine bevorzugte Holzart für diesen Zweck gibt, oder einfach jedes bearbeitbare Holz in Frage kommt.
Wichtig wäre mir, dass die Ausstattung zu den Charakteren passt, welche die beiden spielen. Das sind in der Regel keine reichen Leute.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir weiterhelfen könntet und hoffe, dass das Thema hier an der richtigen Stelle gelandet ist.

Viele Grüße aus dem Harz,
Christian

Benutzeravatar
BeRo
Beiträge: 830
Registriert: 30.08.2009 - 11:31:11
Ort: Rotterdam
  ---

Beitrag von BeRo » 12.04.2018 - 10:31:45

Hallo Christian,

Vielleicht kann ich dich (ob soll es dir sein?) weiter helfen. Es geht mit einer Anekdote.
Im Jahre 2000 ist in meiner Umgebung einer hölzerne Schale wieder ans Tageslicht gekommen. Die Schale war um 1250 gedrechselt. Die Holzart: Ahorn.

Leider habe ich kein Bild von der Replica in meiner Tablett gespeichert.

Herzlichen Gruessen von -4m70 NAP,
Bert Rosbach.

el_zotto
Beiträge: 22
Registriert: 06.08.2017 - 11:26:30
Name: Christian
Ort: Clausthal-Zellerfeld
  ---

Beitrag von el_zotto » 12.04.2018 - 11:32:38

Moin Bert,

vielen Dank für deine Antwort. Ist ja super, dass Ahorn für das Projekt geeignet ist. Da kommt man ja gut dran.
Solltest du noch auf ein Bild der Schale stoßen, würde ich mich freuen, wenn du es hochladen könntest.

Viele Grüße unter den Meeresspiegel ;-)
Christian

Benutzeravatar
Raupenzwerg
Co-Admin
Co-Admin
Beiträge: 1897
Registriert: 08.10.2007 - 17:00:55
Ort: München
  ---

Essgeschirr

Beitrag von Raupenzwerg » 12.04.2018 - 11:42:33

Hallo Christian,

in der Bibliothek ist folgender Link abgelegt:

viewtopic.php?t=32334

Vielleicht hilft dir dieser Artikel weiter.

Gruß Eva
Grüsse aus dem Schloßgarten
vom einzig wahren Raupenzwerg Eva

Benutzeravatar
almhirte
Beiträge: 289
Registriert: 12.03.2014 - 13:05:38
Ort: Bad Schwartau
  ---

Beitrag von almhirte » 12.04.2018 - 13:55:26

Hallo Christian,
ich vermute ganz stark, dass es nicht DAS Holz in der vergangenen Zeit gab. Viel eher ist doch nachzuvollziehen, dass damals regional verfügbare Hölzer verwendet wurden.
Es gibt Berichte darüber, dass viel Eiche für Essgeschirr eingesetzt wurde, wo es Eiche gab. Es wurde für viele Gegenstände früher auch Eibe verwendet, was aber nicht jedem gut bekam :-)

Ich denke die Fragestellung kann besser beantwortet werden, wenn klar ist, in welcher Zeit und in welcher Region die Figuren spielen.

Gruß, Meinrad
Holz-& Woll-Manufaktur

Benutzeravatar
MartinW
Beiträge: 687
Registriert: 11.04.2012 - 13:45:07
Ort: Ergoldsbach
  ---

Beitrag von MartinW » 12.04.2018 - 14:17:37

Hallo Christian,

ich würde doch mal vermuten, daß speziell ärmere Bewohner ihre Holzwaren (Eßbrettchen, flache und ggf. auch tiefere Teller) bevorzugt aus lokal häufig vertretenem - und damit günstigem - Holz gefertigt haben.
Was Deine Frage etwas umformuliert, auf "was für ein Holz war damals in welcher Gegend vorherrschend"
Wenn Du dann auch noch "zeitgemäß" drechseln willst, dann solltest Du Dich vielleicht mit einer Wipp-Drechselbank anfreunden. ... ;-)

Nur so als Idee....

Liebe Grüße,
  • Martin
Sage nicht es geht nicht,
und störe dabei denjenigen,
der es gerade tut...

Benutzeravatar
dege52
Beiträge: 136
Registriert: 03.04.2016 - 21:20:15
Ort: Neustrelitz
  ---

welche Holzart ?

Beitrag von dege52 » 12.04.2018 - 14:29:53

Guten Tag ,Christian !
Ahorn wäre eine gute Wahl ,denn das Holz wird schon sehr lange für Essgeschirr verwendet ,weil es keine Substanzen enthält ,auf die man allergisch reagieren könnte oder die Geschmack usw. an Nahrungsmittel abgeben .Man kann Teller und Schüssel usw. auch unbehandelt lassen , Patina bekommt das Holz sowieso.
Gruß Detlef
"Ein Leben ohne Drechselbank ist möglich, aber sinnlos ! GUT SPAN !"

el_zotto
Beiträge: 22
Registriert: 06.08.2017 - 11:26:30
Name: Christian
Ort: Clausthal-Zellerfeld
  ---

Beitrag von el_zotto » 12.04.2018 - 15:39:11

Hi,

vielen Dank für eure Antworten. Ich habe einmal die vom Raupenzwerg verlinkten Artikel gelesen. Das deckt sich auch gut mit der These der lokal verfügbaren Hölzer (Esche sollte ja in Europa recht verbreitet gewesen sein).
Ich denke die Fragestellung kann besser beantwortet werden, wenn klar ist, in welcher Zeit und in welcher Region die Figuren spielen.
Das kann man leider nicht so einfach beantworten, weil die Handlungen in eine fiktive Welt verlegt wurden. Es gibt für diese erdachten Regionen zwar immer auch Entsprechungen in der Realität, die als Vorbilder dienten, aber viel konkreter als Westeuropa kann ich leider selbst nicht werden. :-(

Um Martins Idee aufzugreifen, meine Frage umzuformulieren: Wie sah es denn, sagen wir mal in Deutschland, aus? War da nicht ein Mischwald aus Eschen, Eichen und Buchen vorhanden? Dazu vielleicht auf mageren Böden und Höhenlagen Kiefer, Fichte und Co.?
Ich muss zugeben, dass ich in der Richtung nicht so fit bin.

Zur Wippdrehbank: Ich finde die Teile total spannend und wollte eigentlich in dieser Saison in Messkirch bei einer mittelalterlichen Baustelle, Campus Galli genannt, mitarbeiten. Mit dem Drechsler dort habe ich mich im letzten Herbst bei einem Besuch lang unterhalten. Der setzt eben diese Techniken ein, um unter anderem erstaunliche Säulen für die Inneneinrichtung der Kapelle dort zu fertigen. Naja, das muss wohl noch ein Jahr warten.
Aber ich fürchte, dass ich in unserer Wohnung keine Platz für noch ein größeres Gerät finde - leider. :-(

Also versuche ich einmal ein Vorbild zu finden und das mit modernen Werkzeugen nachzumachen.

Aufgrund der Hinweise von Detlef würde mich dann noch interessieren, ob Ahorn in der damaligen Zeit als eher verbreitetes Holz angesehen werden könnte. Die Materialeigenschaften scheinen ja optimal zu sein.

Bis dann,
Christian

DirkM
Beiträge: 143
Registriert: 30.01.2015 - 10:58:28
Name: Dirk Meier
PLZ: 50321
Ort: Brühl
  ---
Kontaktdaten:

Beitrag von DirkM » 12.04.2018 - 16:03:24

Hallo Christian,

ich hatte mal bei einem Markt eine Darstellerin die für Ihr Kostüm eine Esschale gesucht hatte.
Sie hat eine Grünholzschüssel aus Eiche gekauft, die auch deutlich verzogen war.
Sie fand, dass das etwas ungenaue besser zum Gesamtbild passen würde und wollte die Schüssel an Ihren Gürtel hängen.

Ist nicht besonders wissenschaftlich, aber hilft vielleicht auch etwas!
Gruß
Dirk
Stratos XL, Fu 230, Schultes Mini

el_zotto
Beiträge: 22
Registriert: 06.08.2017 - 11:26:30
Name: Christian
Ort: Clausthal-Zellerfeld
  ---

Beitrag von el_zotto » 12.04.2018 - 17:30:19

Moin Dirk,

die Idee einer Grünholzschüssel finde ich interessant. Ich habe das noch nie gemacht, also eine gute Chance damit zu beginnen. Das Verziehen des Holzes gibt dem ganzen vielleicht auch einen schönen rustikalen Touch.

Wie ist denn das mit gerbsäurehaltigen Hölzern, wie Eiche? Schmeckt man das Holz beim Benutzen?

Bis bald,
Christian

DirkM
Beiträge: 143
Registriert: 30.01.2015 - 10:58:28
Name: Dirk Meier
PLZ: 50321
Ort: Brühl
  ---
Kontaktdaten:

Beitrag von DirkM » 13.04.2018 - 06:21:59

Hallo Christian,

Ich habe bisher den Eindruck,dass eine gut geölte Schüssel keinen Geschmack abgibt.
Aber ich bin da auch nicht ganz so empfindlich.
Eiche mag daher aus heutiger Sicht nicht ganz optimal sein.Ob unsere Vorfahren sich über solche Dinge einen Kopf gemacht haben, glaube ich allerdings nicht so ganz!

Gruß aus Brühl Dirk
Stratos XL, Fu 230, Schultes Mini

Benutzeravatar
harry5qm
Beiträge: 72
Registriert: 09.12.2012 - 21:51:53
Ort: Germering
  ---

Beitrag von harry5qm » 13.04.2018 - 07:30:16

Hallo Christian,

ich hab mal über die Geschichte des Drechselhandwerks gelesen, dass die wenigsten Drechsler in der Zeit in der Ihr spielt eine feste Werkstatt hatten sondern von Dorf zu Dorf zogen und die benötigten Stücke drechselten. Fest angesiedelte Drechsler gab es nur in den größeren Städten, da hier genug Kundschaft vorhanden war. Wenn der Drechsler nun so von Dorf zu Dorf zog und seine Werkstatt auf dem Rücken mit dabei hatte, hatte er wahrscheinlich kein gut sortiertes Holzlager am Mann. Der Drechsler kam ins Dorf - suchte sich einen kleinen Baum, den er für seine Wippdrechselbank benötigte und dann kamen die Kunden zu ihm, brachten ein Stück Holz mit und sagten ihm was sie gerne hätten.
Kurz: Wie Martin schon sagte, es wurde das Holz verwendet was an Ort und Stelle wuchs.

Um authentisch zu sein, kannst Du dir die Gegend ansehen, in der gespielt wird und ein Stück Holz aus eben dieser Gegend besorgen.
Aber ehrlich glaube ich nicht, dass viele der Spieler eine Ahornschüssel von einer Birkenschüssel unterscheiden können, wenn darin mehrfach Gulasch serviert wurde :-)

Schöne Grüße
Harald

Benutzeravatar
Helfried
Eure Durchlicht
Beiträge: 871
Registriert: 15.08.2009 - 06:41:29
Ort: Graz
  ---

Beitrag von Helfried » 13.04.2018 - 20:04:54

Hallo Christian,

Teller/Schalen für den täglichen Gebrauch im mittelalterlichen Großbrittannien: Erle, Esche, Birke, Ahorn. Seltener Eiche, möglicherweise weil es für andere Zwecke nützlicher war.
Gedrechselt wurde gerne Holz, das etwa sechs Monate (bis sich die Rinde vom Stamm abzulösen begann) gelagert war, also weder ganz frisch noch ganz trocken.

Quelle: "The Wooden Bowl", Robin Wood, Stobart Davies 2005.

Für den Fall, dass jemand Robin Wood noch nicht kennen sollte, seine Homepage:http://www.robin-wood.co.uk/

Beste Wünsche

Helfried

Watzmann
Beiträge: 75
Registriert: 04.11.2014 - 14:03:41
Ort: Offenburg
  ---

Beitrag von Watzmann » 14.04.2018 - 08:44:08

Die Holzlöffel wurden von den armen Bauern wohl weniger vom Drechsler gekauft als bei Bedarf selbst geschnitzt.
Schließlich hatten sie kein Geld.
http://www.kinderzeitmaschine.de/mittel ... t=4&ut1=11
Schließlich hatten die einfachen Leute nach Sonnenuntergang relativ viel Zeit, da ja keine Feldarbeit anlag und man nutzte diese Zeit zur Reparatur von kaputtem Holzwerkzeug oder eben zur Herstellung von sonstigen Dingen des täglichen Lebens, wozu der Löffel eindeutig gehört.
http://mittelaltergazette.de/9598/wisse ... l-abgeben/
Ist auf Mittelaltermärkten zwar toll anzusehen, wenn als ein Stand mit Drechselwaren da ist, die man auch käuflich erwerben kann aber wenn dann noch Schalen Löffel aus Olivenholz verkauft werden, hat es, zumindest in Deutschland, recht wenig mit der damaligen Realität zu tun.
Zuletzt geändert von Watzmann am 14.04.2018 - 09:07:11, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Bernd Schröder
Beiträge: 1574
Registriert: 27.09.2014 - 19:30:06
Ort: Schneverdingen
  ---

Beitrag von Bernd Schröder » 14.04.2018 - 08:55:11

Hi!
Traditionelle Holzarten gibt es Viele:
Ahorn >> Für Kochutensilien, Schalen in hochwertiger Art, Backformen aufgrund des hohen Flammpunkts
Linde > Einfache Teller, Löffel, Bienenfütterteller
Esche >> Werkzeugstiele, Harken, Radspeichen
Faulbaum = Pulverbaum zur Scharzpulverherstellung, Holzkohle
Eiche > Traditionelles Bauholz, Fussböden, Treppen, Repräsentative Dinge wie Schränke und Truhen
Zirbe oder Zeder >> Zur Vertreibung von Motten, Fruchtfliegen und gegen Schimmel
Pockholz >> Wellenlager in Schiffen hochwertiges "Maschinenholz"
Ulme >> für höchste mechanische Lasten besonders aufgrund der enormen Querzugfestigkeit
Spindelbaum >> selbsterklärend
...

Und so könnte die Liste unendlich weitergeführt werden.
Mit besten Grüßen aus der Heide!
Bernd

el_zotto
Beiträge: 22
Registriert: 06.08.2017 - 11:26:30
Name: Christian
Ort: Clausthal-Zellerfeld
  ---

Beitrag von el_zotto » 16.04.2018 - 10:13:40

Hallo ihr alle,

vielen Dank noch einmal für eure vielen Antworten. Ich habe eine Menge zum Thema gelernt. Nach allem, was ich hier aufgeschnappt habe, bin ich deutlich freier in der Materialwahl, als ich eingangs dachte. Das macht die Sache natürlich deutlich einfacher.

Ich denke, dass ich einmal Ahorn bzw. Linde ausprobieren werde. An ein geeignetes Stück Birke komme ich momentan leider nicht heran, aber das fände ich auch interessant.

Über Robin Wood (oder vielmehr Videos über ihn) bin ich einmal bei Youtube gestolpert. Da hatte er auch etwas über traditionelle Formen für Schalen erzählt. Aber ich glaube nun, dass ich da vermutlich auch recht frei bin. Hauptsache die Schale "passt" in das verwendete Holz und es erfüllt seinen Zweck, oder?

Es wird vermutlich noch ein bisschen dauern, bis ich euch die fertigen Stücke zeigen kann, ich versuche euch aber dennoch auf dem Laufenden zu halten.

Vielen Dank nochmals für eure Hilfe,
Christian

Antworten

Zurück zu „Alte Werkstücke und tradierte Formen“