Liebeserklärung an einen Exoten aus Asien

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Peter Gwiasda
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Liebeserklärung an einen Exoten aus Asien

Beitrag von Peter Gwiasda » 12.12.2018 - 21:03:43

Hallo Holzfreunde,

Gefäße aus Holz, in und mit denen Blumen und Zweige dekorativ präsentiert werden können, erfreuen sich stets großer Beliebtheit ... vor allem bei Frauen. Um sie froh zu stimmen, unternehmen wir Männer bekanntlich fast alles.

Ich zeige hier ein schlichtes Beispiel für eine Vase. 300 mm hoch und am Bauch 110 mm dick. Die Vase ist hohl und mit einem Glas versehen, damit die Blümchen nicht dursten. Das Besondere ist das Holz, es handelt sich um die Sicheltanne. Dieser Nadelbaum trägt den botanischen Namen Cryptomeria japonica, was auf seine Heimat weist. Der Baum gedeiht in China und Japan, wo er sich in kalt-feuchten Zonen zwischen 1000 und 2500 Metern besonders wohlfühlt. In Ostasien gilt er als Forstbaum, wird wegen seines kerzengeraden Wuchses und seines aus den sensenförmigen Nadeln gewonnenen Sugiöles geschätzt wird. Das Holz ist harzfrei, hat eine Rohdichte von 0,35, ist trotz seines geringen Gewichts dauerhaft und reißt fast nicht. Und was für uns Drechsler wichtig ist: das Holz zeichnet sich durch einen schönen dunkelbraunen und dauerhaften Kern aus.
Weshalb ich für diesen Baum so schwärme? Er wächst seit einigen Jahrzehnten auch in Europa, in Parks und einigen Forstbereichen wurde er systematisch gepflanzt und fällt folglich hier und da auch der Säge oder dem Sturm zum Opfer. Es wäre traurig, wenn dieses attraktive Holz aus Unkenntnis auf den Stapel für Brennholz geriete.
Förster und Baumpfleger nennen diesen Exoten auch Japanische Zeder. Also immer schön aufpassen und niemals Nein sagen, wenn einem Holz angeboten wird. Den Rohling für dieses Objekt vermachte mir übrigens unser niederländischer Holzfreund Jurriaan Kalkman (Dankeschön!).

Freundliche Grüße von Peter Gwiasda



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Und wieder ist passiert, was mir peinlich ist. Mir gelingt es nicht, die Vase aufrecht zu stellen, wie es sich gehört. Denn auch Bäume sind geotroph. Die Hoffnung auf Erste Hilfe stirbt aber nicht.
Wie tröstlich, dass auch unsere Erde nicht wirklich rund ist.

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Jurriaan
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Beitrag von Jurriaan » 12.12.2018 - 21:55:28

Ach Peter, ich weiß kaum was mir mehr Vergnügen schenkt, deine schöne Arbeiten oder deine Erzählungen :prost:
We have two ears and one mouth so that we can listen twice as much as we speak (Epictetus)

Cello
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Beitrag von Cello » 12.12.2018 - 23:00:58

Hallo Peter,

Du bist mir "aufrichtigen Dank" schuldig.

Gruß
Cello, der Ersthelfer

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veni, vidi, secui - ich kam, sah und sägte


www.touch-wood.de

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schreiner80
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Beitrag von schreiner80 » 13.12.2018 - 09:13:09

Hallo Peter ein gaaaaanz tolle Vase haste da gemacht gefällt mir sehr gut :klatsch:

Eine Frage hab ich noch was für ein Glas hast du in der Vase
und wie es rein bekommen?

Ich nehme mal an es ist ein Reagenzglas oder?

LG Markus
Handwerkliche Grüße aus dem schönen Saarland Markus

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ändu
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Beitrag von ändu » 13.12.2018 - 09:33:33

Hallo Peter

Das hast du schön Geschrieben....

Zum Holz möchte ich noch anfügen, es riecht einfach herrlich und gehört diesbezüglich zu meinen absoluten Llieblingsdufthölzer.
Das Holz lässt sich auch sehr gut Bürsten!

Ich durfte vor vier Jaheren einen Stamm aus dem Hackholz retten, von satten 60cm Dm und 25m länge,
und ein Stück bekam ich noch aus den Schwarzwald!

Schöne Grüsse
Ändu
Eure Meinung und Kritik ist meine Motivation. :o)

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Beitrag von Grissianer » 13.12.2018 - 16:45:06

Hallo Peter
Sehr schöne Vase.
Bei deinen Werken stimmt wirklich immer alles! :maintor1:
Holz super ausgewählt, Formfindung gelungen, Verarbeitung und Oberfläche phantastisch!
Deine Beschreibungen und Berichte sind auch immer ein Beispiel für die hohe Kunst der Schreiberzunft.
Du bist ein Schatz !!!
Anselm
Was ich mir nicht zutraue werde ich niemals lernen!!

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Peter Gwiasda
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Beitrag von Peter Gwiasda » 13.12.2018 - 20:25:43

Hallo Markus,

deine Frage ist einfach beantwortet: Nach Abschluss der äußeren Formgebung der Vase bohre ich mit einem speziellen Bohrersystem für Hirnholz (mit Hartmetall-Wechselklingen) auf der Bank das Loch in der gewünschten Länge und dem erforderlichen Durchmesser. Als Einsatz wähle ich entweder Reagenzgläser oder Plastikröhren aus dem Pharmaziebereich. Es empfiehlt sich, die Bohrungen mindestens 2 bis 4 mm größer zu machen, weil sich früher oder später das Holz verändert; es schrumpft oder verzieht sich mit der Folge, dass der Einsatz klemmt.

Grüße von Peter Gwiasda
Wie tröstlich, dass auch unsere Erde nicht wirklich rund ist.

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Beitrag von msteinacher » 13.12.2018 - 21:12:12

Hallo Peter,
wenn ich etwas zu Deinem Beitrag sagen wollte (was ich ja hiermit tue), würde ich einfach JurriaansTread kopieren; besser kann man es nicht formulieren.
Liebste Grüsse an Almut und Dich
Martin

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ManfredO
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Beitrag von ManfredO » 13.12.2018 - 21:43:59

Hallo Peter,

ich schließe mich meinen Vorrednern.. äh -schreibern an. Vielen Dank für den Beitrag!

Viele Grüße aus Karlsruhe
ManfredO
Am Ende wird alles gut... wenn es nicht gut ist, dann ist es auch nicht das Ende.

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Beitrag von woifi » 14.12.2018 - 11:39:47

Seit wir uns vor vielen Jahren bei Klaus in Sulzbürg das erste Mal getroffen, war kein einziges Mal, eine Deiner Geschichten nicht lauschenswert :danke: :maintor1: :maintor1:
und wenn mit Bildern versehen, eben sehenswert.
Alles liebe mein Freund, zu Euch in den Taunus.
Gruß Woifi

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Beitrag von wosch » 16.12.2018 - 18:49:07

Hallo Peter,
neben der gut gemachten Vase bin ich über
mit einem speziellen Bohrersystem für Hirnholz (mit Hartmetall-Wechselklingen)
gestolpert. Da ich mich nicht erinnern kann, so etwas schon gesehen zu haben, kannst Du mal davon ein Bild einstellen. (Bildausrichtung ist egal)

Gruß und Dank
Wolfgang aus Magdeburg

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