Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

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Manni_1
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Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

Beitrag von Manni_1 »

Was mach ich nur mit einer Schale aus wunderbar gezeichnetem Holz, die beim Trocknen gerissen ist oder andere Löcher, Klüfte etc. aufweist? Das war im Groben das Thema unseres Stammtisches am 22.04. Moderiert von Kai Köthe wurden verschiedene Methoden erörtert, die ein solches Objekt vor einem Schicksal im Ofen bewahren können.
Die Bilder zu diesem Bericht steuert wieder Brigitte Felsinger (brifels) bei, herzlichen Dank an dieser Stelle von mir dafür :klatsch:
Zu Beginn stellten sich noch 3 neue Mitglieder vor, Albrecht aus Marburg, Andreas aus Mücke und Michael sind ganz sicher eine Bereicherung für uns.

Den Anfang zum Thema machte Alexander Harth, der leider wg. Erkrankung nicht persönlich anwesend sein konnte, sich uns aber per Zoom präsentierte.
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Er erläuterte uns ausführlich seine Versuche, Risse in Schalen zu nähen.
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Praktisch ist, dass er uns seine Präsentation als Datei zur Verfügung gestellt hat, ich danke ihm dafür und stelle die hier ein:
Nähen von Rissen in Werkstücken.pdf
(1.57 MiB) 50-mal heruntergeladen

Mit dieser Methode kann man durch die verschiedenen Nähmaterialien wie Schnüre, Lederriemen, Drähte wunderbare Kontraste erreichen nach dem Motto:
Den Riß nicht verstecken, sondern hervorheben.
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Unser Neuer Andreas Grün präsentierte eine weitere Variante dieser Methode, seine Schale ist mit Stahldraht genäht.
Er empfiehlt Stahldraht aber ausdrücklich nicht und verweist auf Aludraht aus der Floristik, den es in unterschiedlichsten Metallic-Farben wie Kupfer etc. gibt.
Dieser ist wesentlich leichter zu biegen und ergibt eine schönere Naht.
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Kein Stammtisch ohne kulinarischen Background: Die Dame vom Orgateam des Holz- und Technik-Museums hatte dieses Mal sehr leckere Waffeln gebacken (an dieser Stelle unseren herzlichen Dank dafür!), die hier von unserem neuen Moderator Michael Steyer gekonnt serviert werden.
Kai will sich auf die virtuellen Bereiche unseres Stammtisches konzentrieren, moderierte also bei diesem 'realen' Stammtisch zum letzten Mal.

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Unsere Raucherecke kann sich auch sehen lassen ;-) Der heylige Vater Peter Gwiasda raucht selbst nicht, weiß allerdings, wie kommunikativ solche Raucherzirkel sein können.

Wird fortgesetzt...
Grüße aus Laubach
Manni
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branco
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

Beitrag von branco »

Hallo Manni,
danke für den ersten Teil Deines Berichts. Schade, dass ich nicht dabei sein konnte.
Die "Dame vom Orgateam des Holz- und Technik-Museums", die für euch die Waffeln gebacken hat, absolviert gerade ein "Freiwilliges Ökologisches Jahr":

https://www.holztechnikmuseum.de/einsatzstelle-foej/

Wer sie noch einmal sehen möchte, findet sie hier:


https://www.holztechnikmuseum.de/einsat ... chreibung/
Runde Grüße
Dieter
Drechseln kann mehr sein als Holz rund machen.
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Manni_1
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

Beitrag von Manni_1 »

...und hier nun die Fortsetzung des Berichtes:
Eine weitere Methode präsentierte uns nach der Kaffepause Kai Köthe mit den traditionellen hawaiianischen ‚Pewas‘. Er hat hierzu bereits einen Artikel in Holzwerken Ausgabe 100 geschrieben.
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Diese ‚Fischschwänze’ wurden von den alten Hawaiianern benutzt, um ihre über Generationen im Haushalt benutzten Schalen zu reparieren. Die Herstellung dieser Schalen war mit den ihnen zur Verfügung stehenden primitiven Hilfsmittel sehr schwierig, ihr Wert dementsprechend hoch; der Aufwand aber dadurch gerechtfertigt.
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Kai erläutert sehr ausführlich und anschaulich eine modernere Herstellung dieser Fischschwänze oder Doppelschwalben mit Hilfe einer Oberfräse.
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Auch er hat seine Versuche in einer Präsentation zusammengefasst, die hänge ich hier auch an:
Traditionelle Hawaiianische Schale mit -Pewas.pdf
(1 MiB) 37-mal heruntergeladen
Es war wieder sehr beeindruckend, zu sehen, mit welcher Genauigkeit Kai arbeitet und dass er auch noch professionell präsentierten kann. :klatsch:
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Klaus Helmich hatte sich zur Aufgabe gemacht, Metalle mit niedrigem Schmelzpunkt zum Füllen von Fehlstellen auszutesten.
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Diese Woodschen Metalle werden in vielen Variationen im Internet angeboten bei Schmelzpunkten zwischen 68 und 94 Grad Celsius.
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Er hat das nun mit einer Heißluftpistole an einem Scheit mit Spalt ausprobiert, ist allerdings wenig begeistert von dieser Methode. Das Holz wird durch die Heißluft über den Schmelzpunkt erhitzt und hält diese Hitze auch sehr lange, das Metall härtet nur sehr langsam aus. Weiter war das Werkstück wohl nicht ideal, da das Loch durchging und das flüssige Metall an anderer, unvermuteter Stelle wieder austrat. :-W Er hat das Experiment deshalb abgebrochen, empfiehlt diese Methode ausdrücklich nicht.

Ralph Holzer erläutert seine Methode mit CA-Kleber oder Holzleim. Als Füllmaterial verwendet er verschiedene Materialien, von Spänen über Schleifstaub bis zum Kaffeepulver. Zum Kaffeepulver nimmt er selbstverständlich nur frische Bohnen, zerstampft diese mehr oder weniger fein, bevor er Sie mit CA-Kleber in der Fehlstelle übergießt. Dies gibt nach seiner Aussage einen wunderbaren ‚Rindeneffekt‘.
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Eine weitere originelle Methode zur Verwendung von gerissenen Schalen stellt er auf dem Flipchart vor: Der Riß wird auf einen bestimmten Winkel erweitert, eine Wandleiste o.ä. mit exakt diesem Winkel und der entsprechenden Tiefe wird erstellt und dann die Schale auf diese Leiste geleimt. An der Wand befestigt gibt dies dann die Möglichkeit zum Füllen mit irgendwas. Als Erzbayer im Exil fiel ihm natürlich zuerst die Nutzung als Weihwasserbehälter ein. Man möge ihm aufgrund dieser religiösen Verzückung verzeihen, dass er in seiner Skizze die beiden Winkel auch nicht annähernd gleich gezeichnet hat :smash: ;-)

Nach Ralphs Vortrag outet sich ein weiterer Neuer: Thomas aus Grünberg schreinert seit einigen Jahren und neuerdings drechselt er auch.

Edgar Born lädt zum Stammtischtreffen am 17. 06. nach Weilrod ein und bittet um Anmeldung hierzu, damit er sich mit der Verpflegung richten kann. Es wird hier im Forum eine gesonderte Einladung geben.

Dann werden noch die mitgebrachten Werke vorgestellt:
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An dieser wunderbaren Schale kann man sehen, wie eine erfolgreiche Rißfüllung aussehen kann. Leider habe ich nicht mitbekommen, wer sie gemacht hat. Vielleicht kann das jemand nachtragen.
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Peter bringt seine Dosenrätsel mit, wer hier im Forum mitliest, hat sie bestimmt schon gesehen.
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Die linke Dose ist nicht aus Holz, bei der rechten nur der Deckel.
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Diese wunderbare Schale aus geriegelter Kernesche ist auch von Peter.
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Bernd zeigt eine Auswahl an Flaschenverschlüssen mit Kork, eine gute Gelegenheit, wertige Resthölzer aufzuarbeiten.
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Weiter stellt er eine urige Schale mit Deckel vor, gefertigt aus einer Apfelknolle von Anselm.
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Diese weitere Schale aus einer Südtiroler Apfelknolle zeigt, dass man Risse nicht unbedingt verschließen muß, sie erhält ihren Charakter eben durch diese ‚Löcher‘.
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Weiter hat er eine wunderbare Schale aus einem Reststück Eibe gemacht, beeindruckend!
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Ralph zeigt ein leicht herzustellendes Dekoobjekt für den Garten, die Holzspindel sitzt auf einem Moniereisen. Rost und Verwitterung sind gewollt.
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Gustl guckt hier etwas zweifelnd, ist aber immer gern dabei.
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Michael zeigt hier eine Urne für seine Schwiegermutter. Es ist seine erste, gefertigt an seiner kleinen Drechselbank, dafür ist sie gut gelungen.
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Diese Dose – er hat sie als Apfel angesprochen, andere glauben, Kirschlorbeer - mit Deckel hat ihn herausgefordert wegen der gestockten Stellen.

Wird fortgesetzt...
Grüße aus Laubach
Manni
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Manni_1
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

Beitrag von Manni_1 »

...zweite Fortsetzung
Leider konnte ich am Samstag nicht bis zum Ende bleiben, deshalb der restliche Bericht jetzt mit Brigittes Text:
Wir beschließen den Nachmittag in der Werkstatt.
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Michael zeigt live und in Farbe wie er Risse mit „PONAL DUO“ füllt. Es handelt sich dabei um einen 2K-PUR-Reparatur-und Klebespachtel, der sich nach der Trocknung wie Holz bearbeiten lässt.
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Zwei Teile Harz gemischt mit einem Teil Härter ergeben eine helle pastöse Masse, die sich nach Belieben einfärben lässt. Michael hat Künstleracrylfarbe gewählt, der Hersteller empfiehlt Mixol-Abtönkonzentrat…auch Farbpigmentpulverist schon erfolgreich verwendet worden, wie man aus dem Publikum hört.
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Die Risse werden großzügig verspachtelt. Nach ca. 4 Stunden ist die Füllung so fest, dass sie weiter bearbeitet werden kann.
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Glücklicherweise hat Michael eine zweite Schale vorbereitet, die den Trocknungsprozess schon hinter sich hat. Gut zu sehen, wie der Kleber sein Volumen vergrößert hat.
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Der gefüllte Riss nach dem Überschleifen…
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…und noch eine wunderbare riesige Eschenschale, die auch mal einen Riss hatte :-)
Herzlichen Dank, Michael!
Grüße aus Laubach
Manni
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drechselgaertner
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

Beitrag von drechselgaertner »

Hallo zusammen!

Schöne Bilder - danke fürs zeigen!

Gruß Jürgen!
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Kai
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

Beitrag von Kai »

Hallo Brigitte und Manni,
danke an Brigitte für die vielen Fotos und an Manni für den ausführlichen Bericht.
Die erste Schale bei der Vorstellung der mitgebrachten Objekte ist aus stark gerissenem Olivenholz.
Die Risse wurden mit feinem, hierfür erzeugten Ebenholz-Schleifstaub gefüllt und dann mit dünnflüssigem Sekundenkleber beträufelt. Es kam immer wieder zu kleinen Vertiefungen in den ausgefüllten Rissen und der Prozess musste mehrmals wiederholt werden.
Zwischendurch wurde überschüssiges Füllmaterial weggedrechselt und anschließend weggeschliffen.

Zu Deiner Frage Manni, die Schale ist von mir.

Viele Grüße
Kai Köthe
Kai, der Genussdrechsler

Drechseln ist eine lebenslange Reise.
walter.mittwoch
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch am 22. April 2023

Beitrag von walter.mittwoch »

Ein überaus lehrreicher Bericht - da kann man auch als Mitleser viel daraus lernen.
Danke fürs Zeigen und die informativen Erklärungen.

Walter
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