Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch 18. November 2023

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brifels
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Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch 18. November 2023

Beitrag von brifels » 20.11.2023 - 12:23:34

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14:03 Uhr an einem regnerischen Novembersamstag im Wettenberg-Wißmarer Holz- und Technikmuseum...
die Rhein-Main-Drechsler treffen sich zum letzten Stammtisch in diesem Jahr.
Bei meiner Ankunft am Museum ist der Parkplatz gut gefüllt... Frau Rentrop bereitet schon Kaffee und Kuchen vor, der uns wie jedes Mal guttun und gut schmecken wird...jetzt schon vielen Dank dafür!...Das Publikum hat bereits Platz genommen und Ralph eröffnet den Nachmittag.

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Unser Thema heute: "HEXENKÜCHE...Oberflächengestaltung/Oberflächenbehandlung"


Die Geschmäcker sind bekanntlich und glücklicherweise sehr verschieden und so reichen die Aussagen zum Thema Oberflächenbehandlung von "Holz braucht keine Behandlung" über "bisschen Farbe kann nicht schaden" bis hin zu "je mehr Glanz umso schöner". Selbst die (gezielte) Zerstörung der Oberfläche ist beliebt.

Ralph hat sich den Bereich der Öle und Wachse vorgenommen. Gründe für deren Verwendung gibt es viele: Schutz vor Schmutz, Anfeuern der Maserung, samtige oder hochglänzende Oberfläche also die Veränderung von Optik und Haptik.
Einige Produkte hat Ralph mitgebracht, die Auswahl ist groß. Ein Stück Esche klemmt zwischen den Spitzen. Nahezu alle Wachse und Öle feuern an und geben dem Holz einen dunkleren Ton mit leichtem Gelbstich. Eine Ausnahme bildet das No Visible Oil von Ronald Kanne (es gibt auch weitere auf dem Markt), es ist auf dem Holz zu fühlen, aber nicht zu sehen. Die ursprüngliche Farbe des Holzes bleibt erhalten, was besonders sehr hellen Hölzern gut tut.


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Des Weiteren gibt es Wachse, die Schleifkörper (z.B. Schleifpaste von König), enthalten...

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Ralphs Geheimrezept besteht aus Orangenöl, Bienen- und Carnaubawachs...reines Carnaubawachs wird nach dem Trocknen schnell spröde.



Die mechanische Gestaltung von Oberflächen beginnt natürlich mit dem Drechseleisen, dann folgt oft das Schleifleinen. Mit maschineller Unterstützung wird es besonders effektiv. Ralph zeigt uns seine Winkelbohrmaschine (Makita) in Kombination mit Schleiftellern aus dem Roloc-System von 3M. Schleifteller ins Bohrfutter, das weiche Schaumstoffkissen mit Klettbelag lässt sich aufschrauben und mit Schleifpads belegen.

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Die folgenden Geräte wollen nicht glätten,im Gegenteil...
Den Anfang macht das "Spiralling Tool" von Sorby...einfach gegen das rotierende Holz drücken. Durch Änderung des Winkels sind vielfältige Muster-Variationen möglich.

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Der Schnitzfräser von Arbortech greift sehr massiv an und hat unser Holz hier etwas überfordert.

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Schließlich hat Theo noch seinen mit einer Stahlbürste bestückten Winkelschleifer ausgepackt und durch Ausbürsten der Jahresringe eine weitere strukturierte Oberfläche erzeugt.

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Die Esche...mittlerweile sehr malträtiert... :-C

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Nach kurzer Kaffeepause noch ein interessantes Gerät. Michael, der leider selbst nicht anwesend sein konnte, hat seine "Lackfräse" geschickt. Ein beeindruckendes Ergebnis.

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Auch für extreme Schleifaufgaben, die mit beträchtlichen Gesundheitsrisiken einhergehen, z.B. große Naturrand- oder Propellerschalen mit viel Luft, hat Ralph eine Methode. Er kombiniert die Funktion des drehbaren Spindelstocks mit der Kugeldrehvorrichtung...ich freue mich auf eine Demonstration im nächsten Jahr ;)
Vielen Dank, Ralph!



Theo, von Beruf Schreiner, hat zum Thema "Beizen" referiert.
Die farblose Laugenbeize feuert nur dezent an...die Rustikalbeize mit Farbpigmenten betont die Maserung dagegen sehr. Die Hölzer sind mit eine Bronzebürste vorbereitet worden.

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Dieses Brett hat Theo auf dem Grill karbonisiert und zweimal lackiert. Die Wischbeize wird aufgetragen, über die Fläche verteilt und wieder abgewischt. In Rillen, Rissen, Poren bleibt die Beize stehen, glatte erhabene Flächen werden wieder "sauber" (kein Baumarkt-Produkt).
Solcherart behandelte Schmuckanhänger konnten wir beim Oktoberstammtisch bewundern.


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Ein drittes Farbexperiment schafft den perfekten Übergang zu Bernds Vortrag. Eichenholz mit Kern und Splint...einmal mit Salmiakgeist besprüht, einmal bestrichen mit dem Filtrat aus in Essig gelöster Eisenwolle.

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Vielen Dank, Theo!



Bernd, ehemals Chemielehrer, widmet sich der Veränderung von Oberflächen mit Hilfe chemischer Substanzen.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Tannine, von denen es viele unterschiedliche Arten gibt, die auch unterschiedlich reagieren.
Einige Hölzer enthalten sie von Natur aus, Theo hat in seinem Versuch die Eiche schon gezeigt. Bei anderen Hölzern lässt sich durch Zugabe von Tannin eine Reaktion provozieren. Dazu Tannin in Pulverform kaufen, in Wasser lösen und damit dann das ausgewählte Holz bestreichen.
Ein kleiner Versuch zeigt sehr anschaulich, wie stark und wie schnell das Eisenacetat mit der Gerbsäure im Wasser reagiert. Die ersten Schlieren zeigen sich sofort... es dauert keine Minute und das Wasser ist tiefschwarz.

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Bernd hat vorab eine kleine Versuchsreihe angelegt und dazu ein Handout erstellt, das die verwendeten Chemikalien beschreibt, Hinweise zur sicheren Verwendung gibt!!! und die Ergebnisse übersichtlich darstellt. Vielen Dank dafür, ich hab's einfach mal fotografiert.

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Auch ganz praktische Gesundheitstips konnten wir mitnehmen...keinen schwarzen Tee bei Eisenmangel! und nach Juni keinen Rhabarber mehr ernten, dann steigt die Oxalsäurekonzentration stark an... Oxalsäure entzieht dem Körper Calcium!
Vielen Dank, Bernd!


Zur Vorstellung mitgebrachter Werkstücke ist es diesmal leider nicht mehr gekommen, aber ein paar Schalen, die das Thema perfekt ergänzten, durften wir anschauen.


Genial die kleine Wackelschale mit Teller von Eiko Tanaka. Ralph hat sie mitgebracht...die Schale. Der atemberaubende Glanz und das Farbspiel des Urushi-Lackes lässt sich auf den Fotos leider nur erahnen.

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Bernd hatte eine Hirnholzschale aus gestocktem Holz dabei, mit einer Oberfläche, die wir mit keinem der besprochenen Mittelchen und Werkzeuge hinbekommen können. Die Holzart war für uns nicht mehr zu bestimmen.

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Auch Peter hatte Schalen dabei...eine aus Esche mit Olivern und sensationeller Riegelung...seeehr schön in Form gebracht.

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...und zwei Schalen vom Tulpenbaum ohne jede Oberflächenbehandlung.
Die helle Schale ohne Pilz...

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...die dunkle Schale mit Pilz.

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Peter hat noch einen interessanten kleinen Vortrag zum "Baum des Jahres 2024" gehalten. Der würde hier nur untergehen und hat einen eigenen Bericht verdient. Bestimmt hast du, Peter, Lust, dazu selbst ein paar Zeilen zu schreiben.

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Ich möchte Ralph, Theo, Bernd und auch Peter noch einmal herzlich danken und wünsche allen eine gute Zeit!

Liebe Grüße
Brigitte

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Kai
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch 18. November 2023

Beitrag von Kai » 20.11.2023 - 16:53:18

Hallo Bigitte,
vielen Dank für die Berichterstattung. Dies ist wieder einmal ein sehr ausführlicher, informativer Beitrag.
Kai
Kai, der Genussdrechsler

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Draufhobler
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch 18. November 2023

Beitrag von Draufhobler » 21.11.2023 - 06:24:45

Hallo Brigitte
du hast mal wieder einen tollen Bericht vom Treffen zusammengestellt.
Da braucht man gar nicht mehr zum Treffen kommen, im Bericht ist alles sehr gut beschrieben.
Gruß vom Draufhobler
Wo die Tischlerkunst versagt, ist Silicon gefragt!

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Peter Gwiasda
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch 18. November 2023

Beitrag von Peter Gwiasda » 21.11.2023 - 19:33:24

Liebe Brigitte,

fetten Dank auch von mir. Deine Empfehlung habe ich angenommen und zum Thema "Baum des Jahres" einen neuen Beitrag geschrieben. Natürlich auch in der Hoffnung, dass sich kritische Geister Gedanken machen zu "fremden" Hölzern und solchen Hölzern, die heute noch randständig sind. Ich hoffe auch, dass ausgewiesene Forstleute sich artikulieren, denn ich bin nur ein Zeitgenosse, der Träumen von artenreichen und vielgestaltigen Mischwäldern nachhängt...

Grüße von Peter Gwiasda
Wie tröstlich, dass auch unsere Erde nicht wirklich rund ist.

Eisenfinger03
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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch 18. November 2023

Beitrag von Eisenfinger03 » 23.11.2023 - 14:34:01

Liebe Brigitte

auch ich möchte mich ganz herzlich für deinen super Bericht von unserem Drechseltreffen bei dir bedanken.

Ein weiterer Dank gilt allen Mitwirkenden, besonders dem Ralph.

:danke:

mit runden Grüßen
Dietmar

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Re: Bericht vom Rhein-Main-Stammtisch 18. November 2023

Beitrag von Hölzerkarl » 24.11.2023 - 11:49:45

Liebe Brigitte,
besten Dank für deinen ausführlichen Bericht.
Da steckt viel Arbeit drin.
Der Text ist wohlformuliert und beschreibt perfekt,
was gemacht wurde.
Garniert hast du den Bericht mit 49 Bildern.
Toll.

Dankbare Grüße aus dem Werratal

Der Karl

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