Passigvorrichtung

Eure Berichte, Fragen und Antworten rund um die Technik für passigdrehen und Rose-Engines

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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Ich habe letzthin beim Stöbern diesen Beitrag https://www.youtube.com/watch?v=4XDIonkwTRo gesehen. Die dort gezeigte Spirographen-Funktion hat mich gleich fasziniert und dann war da wieder dieser Haben-will-Reflex.
Ich brauchte also eine Zwischenwelle, die mittels Zahnrädern von der Spindelwelle angetrieben wird. Auf der Zwischenwelle sitzt eine Exzenterscheibe (oder eine anders geformte Schablone), die wiederum über den Taster meinen Passigtisch bewegt. Das Übersetzungsverhältnis der Zahnräder überträgt sich auf diese Exzenterscheibe/Schablobe. So können die Schablonenstrukturen bei einer Umdrehung der Spindelwelle (des Werkstücks) vervielfacht werden.

Hier die Zwischenwelle im gedruckten Wellengehäuse

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Die Welle ist aus Alu-Rohr und mit einer Ungefährnut (abgeleitet von "Passfedernut") versehen, in die zwei Passfedern eingesetzt sind. Die Ausführung ist maschienenbaulicher Pfusch, aber es funktioniert und war mit meinen Mitteln machbar und war schnell verfügbar (ich bin schließlich ungeduldig). So kann ich Zahnräder und Schablonen auf die Zwischenwelle aufschieben.

Hier das Anbringen der Bohrlöcher (mit Bohrschablone) im Spindelstock für die Befestigung der Zwischenwelle

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IMG_20230711_114446_409.jpg (81.2 KiB) 3488 mal betrachtet
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Matzel1970
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matzel1970 »

Moin Matthias

Du machst das spannend! Eigentlich muss dem Video ein Warnhinweis vorraus gehen: „Es könnte süchtig machen!“.
Habe schon wieder neue Ideen bekommen. Nur es wird sich im Alltag verlaufen. Leider.

So blicke ich gespannt Deinen Entwicklungen entgegen. Wenn ich Dir helfen kann, lass es mich bitte wissen.

Viel Erfolg und bitte lass uns daran teilhaben.
Grüsse Matthias

Wirklich wichtige Dinge kann man nicht kaufen.
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drechselgaertner
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von drechselgaertner »

Hallo Mattias!

Es freut mich das du so angefressen bist vom Spirograph. Übrigens den gibt es für 12Euro bei Amazon
zu kaufen. Der geht auch ganz gut. Hier mal ein paar Bilder.
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565.JPG (165.76 KiB) 3376 mal betrachtet
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568.JPG (134.68 KiB) 3376 mal betrachtet
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176a.jpg (172.29 KiB) 3376 mal betrachtet
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177a.jpg (168.87 KiB) 3376 mal betrachtet
Das sind Muster, die ich mit dem Spirographen gemacht habe.
Du kannst aber nur das äußere Rad nehmen um Formen zu schneiden. Mit der Hand kannst du ja auch
den inneren Zahnkranz nutzen. Da habe ich große Schwierigkeiten. Ich hoffe du verstehst mein Problem.
Deshalb bin ich so scharf auf das geometrische Futter. Aber das ist so kompliziert und bei You Tube alles in Englisch.
https://www.youtube.com/watch?v=rrL48OX ... ernational

Gruß Jürgen!
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Hallo Jürgen,

ich habe als Kind mit dem Spirographen "gemalt", und die Faszination über die damit erzeugbaren Muster ist mir noch nach Jahrzehnten lebhaft in Erinnerung. Auch in Erinnerung ist mir der Ärger, wenn das Rädchen beim Malen aus den Zähnen gesprungen ist. Ich denke das hast Du auch angesprochen.

An einer Passigmaschine kann man nur die äußeren Zahnkränze benutzen, aber da sich der Fräser trotzdem ins Zentum des Werkstückes führen läßt (das geht beim Spirographen mit dem Stift nur mit den inneren Zahnkränzen), habe ich den Eindruck, dass sich auch diese Muster, die beim Spirographen nur innen gehen, auch fräsen lassen. Aber darüber habe ich noch nicht lange nachgedacht.

Das Video mit dem geometrischen Futter habe ich mal kurz durchgesehen. Das schaut auch verlockend aus, auch selber herstellbar, aber auch kompliziert. Mal sehen, vielleicht was für später ...

Gruß, Matthias
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

So, jetzt habe ich die Vorrichtung montiert.

Das Lagergehäuse mit der Zwischenwelle ist am Spindelstock montiert. Auf dem Passigfutter sitzt ein 120er Zahnrad (120 Zähne). Am Lagergehäuse ist das Transmissionszahnrad montiert, das die Bewegung des großen Zahnrads an das noch auf der Zwischenwelle zu montierende kleinere weitergibt. Da sowohl das große, wie auch das kleine (Zwischenwellen-) Sekundärzahnrad im Durchmesser (bzw. in der Zähnezahl) variieren kann, muss das Transmissionszahnrad sowohl vertikal, wie horizontal verstellbar sein, um für jede Zahnradkombination guten Kontakt zu beiden Zahnrädern sicherzustellen.

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IMG_20230711_135629_539.jpg (101.46 KiB) 3297 mal betrachtet


Hier mit montiertem 60er Sekundärzahnrad. Das ergibt ein Übersetzungsverhältnis von 2:1, die Zwischenwelle dreht sich also doppelt so schnell, wie die Spindelwelle.

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IMG_20230711_135855_801.jpg (98.46 KiB) 3297 mal betrachtet


Hier mit verstellbarer Exzenterscheibe, die einen einstellbaren Hub auf den Exzenterschlitten überträgt.

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IMG_20230711_141013_637.jpg (138.81 KiB) 3297 mal betrachtet


Hier mit 15er Sekundärzahnrad (das für diesen Aufbau kleinstmögliche), das eine Übersetzung von 8:1 erzeugt.

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IMG_20230712_112121_628.jpg (66.3 KiB) 3297 mal betrachtet

Vor allem in der letztgezeigten Anordnung springt das Transmissionszahnrad gerne aus den Zähnen. Somit ist dieser Aufbau noch nicht praktikabel. Offenbar ist die Halterung des Transmissionszahnrads einfach nicht stabil genug. Sie ist unten an der Schiene mit M6 festgestellt und oben zusätzlich mit einer federbelasteten Spannleiste gehalten; das ist wohl zu schwach; außerdem kann sich die Schiene etwas verwinden.

Da muss ich die Konstruktion noch verbessern …

Gruß, Matthias
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johannes_s
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von johannes_s »

Hallo,

ich versteh im Moment nicht wie das Ergebnis aussehen wird.
Ich hoffe du zeigst uns mal deine ersten Versuche.

Gruß Johannes
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Micha
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Micha »

Moin,
Vorrichtungsbau vom Feinsten. :gold: Auch ich bin gespannt auf die Ergebnisse.
Grüße von Jürgen
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Die Halterung des Transmissionszahnrades ist geändert.
Zwei etwas stärkere Schenkel sind jetzt durch die Schraube am Transmissionszahnrad scharniermäßig verbunden; mit der Schraube lassen sich beide zusammenklemmen.
Jeder Schenkel wird mit nach der Ausrichtung des Transmissionszahnrades mit dem Wellengehäuse verschraubt; außerdem liegen die Schenkel auf dem Wellengehäuse auf, was die Verwindungsneigung zusätzlich reduziert.
In ersten Versuchen erwies sich diese Halterung als sehr viel stabiler und funktionierte gut.

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IMG_20230712_114831_755.jpg (98.47 KiB) 3165 mal betrachtet


Hier eine erste Fräsung

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IMG_20230712_122347_178.jpg (110.94 KiB) 3165 mal betrachtet

Im Aufbau mit 120er und 15er Zahnrad ergibt sich ein Übersetzungsverhältnis von 8:1; damit dreht sich die Zwischenwelle 8mal pro Spindelumdrehung. Mit der Exzenterscheibe auf der Zwischenwelle und einem Hub von gut 20mm, der im Werkstückzentrum ansetzt, bekomme ich also 8 Schleifen. Das zeigt das äußere Muster.
Beim inneren Muster ist nur der Hub auf knapp 30mm vergrößert und mittig über das Werkstückzentzum gelegt. Damit ergeben sich die 16 Schleifen des inneren Musters.

Man kann zwischen den beiden Mustern einen leichten Phasenversatz erkennen. Der stammt offenbar vom Aufbau der Exzenterscheibe. Wie in dem (älteren) Bild unten zu sehen, wird der Hub der Scheibe mit einer exzentrischen Verdrehung der Scheibe erzeugt. Damit verschieben sich die Hochpunkte des Hubes auch im Winkel, was zu einer Phasenverschiebung führt.

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IMG_20230711_140215_859.jpg (97.3 KiB) 3165 mal betrachtet

Das gefällt mir nicht. Das muss ich (später) noch ändern. Da muss eine lineare Verstellung her ...

Gruß, Matthias
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Hier die linear verstellbare, kreisförmige Exzenterscheibe

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IMG_20230714_163315_508.jpg (137.97 KiB) 3051 mal betrachtet


und nochmal ein Beispiel für den unterschiedlich einstellbaren Hub bei gleicher Scheibe

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IMG_20230714_163203_906.jpg (127.44 KiB) 3051 mal betrachtet

Die Phasenverschiebung ist jetzt weg, allerdings gibt es immer noch Unsymmetrien, die vermutlich an der mangelnden Präzision (bzw. Nacharbeitung) der gedruckten Teile liegt.
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drehpfeffer
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von drehpfeffer »

Matthias S hat geschrieben: 14.07.2023 - 17:08:19
Hier die linear verstellbare, kreisförmige Exzenterscheibe


IMG_20230714_163315_508.jpg



und nochmal ein Beispiel für den unterschiedlich einstellbaren Hub bei gleicher Scheibe


IMG_20230714_163203_906.jpg


Die Phasenverschiebung ist jetzt weg, allerdings gibt es immer noch Unsymmetrien, die vermutlich an der mangelnden Präzision (bzw. Nacharbeitung) der gedruckten Teile liegt.
Da hat ein Perfektionist eine Aufgabe gefunden! ;-) Bin gespannt wie's weitergeht
Grüessli aus dem Gäu/Oberaargau
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Wie auf dem letzten Bild zu sehen, erzeugt eine exzentrisch verstellbare Kreisscheibe nicht gerade die spektakulärsten Figuren, aber (wie erläutert) einen justierbaren Hub, der die gefräste Struktur lediglich radial dehnt oder staucht.

Mit einer komplexeren Scheibe auf der Transmissionswelle wird es natürlich interessanter, allerdings ist der Hub jetzt nicht mehr unabhängig von einer weiteren Verformung einstellbar.
Nehmen wir eine Scheibe aus 3 gleichgroßen Kreisen, die symmetrisch zum Mittelpunkt angeordnet sind:

Screenshot 2023-07-16 225117.jpg
Screenshot 2023-07-16 225117.jpg (21.82 KiB) 2923 mal betrachtet


Diese Scheibe würde (ohne exzentrische Verstellung) ein Muster mit drei gleichen Schleifen erzeugen. Wenn das vorgeschaltete Getriebe auf eine Spindelumdrehung z.B. sechs Zwischenwellenumdrehungen macht, ergibt das 18 gleiche Schleifen. Das ist auch noch nicht spektakulär.
Ganz nett wird es aber, sobald wir diese Scheibe exzentrisch verschieben.
Eine Verschiebung, wie sie die oben gezeigte Scheibe ermöglicht, wird einen Kreis gegenüber den beiden anderen exponieren. Mit einem Getriebe von 1:6 wird diese Struktur 6x wiederholt.

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IMG_20230716_140827_878.jpg (143.92 KiB) 2923 mal betrachtet


In zwei Durchläufen mit unterschiedlichen Fräsern ist dies entstanden:

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IMG_20230716_221039_414.jpg (122.32 KiB) 2923 mal betrachtet

Gruß, Matthias
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Helfried
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Helfried »

Matthias,

ich staune!

Beste Wünsche und vielen Dank!
Helfried
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Ich wollte mir noch einmal ansehen, wie aus einem großen Oval langsam eine Acht wird, wenn man es verkleinert.

Und jetzt das:

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IMG_20230722_165606_145.jpg (138.01 KiB) 2663 mal betrachtet

Was mache ich nur falsch ??? :?oh :-A :heul




Alle Ovale sind mit einundderselben Schablone gemacht.

Matthias
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drehpfeffer
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von drehpfeffer »

das ist so weil du parallel verschiebst, die 8 entsteht durch die Wippe. Sei doch froh ;-) So schöne Ovale!
Grüessli aus dem Gäu/Oberaargau
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johannes_s
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von johannes_s »

Hallo,

du hast das Ovalwerk neu erfunden.
Glückwunsch,

Gruß Johannes
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Helfried
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Helfried »

Was mache ich nur falsch ???
Ich offenbare meine Begriffsstutzigkeit nur sehr ungern vor dir, Matthias, und der ganzen Welt, aber ich kapier im Moment wirklich nicht,
wie du das erreichst:
Das sind doch perfekte Verkleinerungen einer Ellipse ohne die typischen Verzerrungen der Passigdreherei.
Hast du eine Passigvorrichtung mit Formkorrektur erfunden?
:??

Helfried
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Manfred Fa.
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Manfred Fa. »

Hallo Matthias,

als Nicht Metaller, kann ich nur bewundern was da so alles entstanden ist. :gold: :gold: :gold:

Solche Leute braucht das Land, die ihr Handwerk von der Pike gelernt haben und können .

Dein Oval ist doch SUPER. Wie sich die Ovalform zur ACHT verändert, wurde oft gezeigt und braucht Kein Mensch.

Ich bin sicher, dass dir eine schöne Dose mit gleichmäßiger Wandung gelingt. Dose und Deckel.
Bei dieser Form sind die langen Enden stärker. Mach einfach das Gegenstück dazu, das sich weich aufstecken lässt.

Wie ich gehört habe, warten die Frankendrechsler schon auf dich. Vielleicht darf ich auch dabei sein.
Meine schönste Ovaldose bringe ich mit. :-)

Gruß
Manfred
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harry5qm
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von harry5qm »

Hallo Mathias ,
Was mache ich nur falsch ???
Nix!
Beim Ovalwerk stellst du den Unterschied zwischen den Halbachsen ein und der bleibt gleich, egal wie groß das Oval ist. Daraus resultiert irgendwann eine Acht.
Bei deiner Methode veränderst du das gesamte Oval und das bleibt immer ein Oval.
Schöne Grüße
Harald
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Hallo Manfred,

schönen Dank für Dein Lob.
Bis ich mich an eine ovale Dose heranwage, wird wohl noch ein wenig dauern. Ich habe auch Bedenken bei der Stabilität meines Aufbaus. Das Proxxongerät und dessen Halterung ist nicht das Non-plus-ultra.

Mal sehen, wann das mit einem Treffen in Oberfranken klappt ...

Beste Grüße, Matthias
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Matthias S
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Da ich mit meinen Ovalen offenbar (und zu meiner Freude) ein wenig Verwunderung auslösen konnte, möchte ich nun auch mit der Lösung nicht länger hinter dem Berg halten.

Johannes' Behauptung einer Neuerfindung des Ovalwerkes klingt mir ein wenig zu groß, aber Helfried's Vermutung „Passigvorrichtung mit Formkorrektur“ trifft es, ganz gut.


Auslöser für meine Entwicklung war eine kleine Diskussion mit Matzel.
Auf meine Feststellung, dass der Hub der Ovalschablone im Passiggerät halt immer gleich hoch bleibt (egal wie nahe am Werkstückzentrum gefräst wird), meinte er, man müsse halt irgendwie den Hub verkleinerrn können, z.B. mit einem Storchenschnabel …

Ein Storchenschnabel ist es zwar nicht geworden, aber meine Idee war, dass man ja auch mit einem um eine Achse drehenden Balken eine Auslenkung mit unterschiedlichem Hub abgreifen kann, je nachdem wie nahe man der Drehachse ist.
An einer Art Wippe, die von der ovalen Schablone angetrieben wird, kann ich also je nach Abstand von der Drehachse einen beliebig vergrößerten oder verkleinerten Hub abgreifen.

Da ich mit meiner Zwischenwelle, die ich für die Zahnräder verwende, bereits eine (zufälligerweise gut positionierte) Drehachse verfügbar hatte, war es kein großer Aufwand mehr, eine geeignete Wippe zu konstruieren und zu drucken, die auf der Welle sitzt und an der Schablone (auf der Spindelwelle) anliegt. Mein Lineartisch wird mit einem höhenverstellbaren Taster versehen, der an der Wippe einen vergrößerten oder verkleinerten Hub abgreift. Die Gewichtsbelastung des Lineartisches drückt den Taster an die Wippe und diese an die Schablone. Die Kraftüberrtragung ist also gegeben.

Aufwändig in Worten, ist das leicht im Bild zu sehen:

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Das weiße Zahnrad ist das Transmissionszahnrad für das Getriebe; hier ohne Funktion kann es aber montiert bleiben.


Nun war der Zusammenhang zwischen dem (verkleinerten) abgegriffenen Hub und der erforderlichen Fräserpositionierung doch nicht ganz so simpel, als ich zunächst vermutet hatte und ich habe mich in einem Fehlversuch verlaufen, der lauter gleichartige, aber verdellte Ovale produzierte.
In einer Excel-Tabelle habe ich dann Schritt für Schritt den Zusammenhang zwischen den Maßen der Ovalschablone, dem Verkleinerungsverhältnis und der erforderlichen Fräserposition erarbeitet und dargestellt.
Dann musste ich „nur noch“ für jedes zu fräsende Oval die richtige Tasterhöhe und Fräserposition einstellen und das gewünschte Ergebnis war erreicht.

Falls jemand Interesse an der Tabelle und ihrer Entstehung hat, stelle ich das gerne noch dar.


Nachbemerkung 1: Da ich die Winkelfehler, die so eine Kippvorrichtung macht, eigentlich vermeiden wollte, habe ich auch über eine Lösung mit Linearschlitten nachgedacht. Das geht auch, ist aber deutlich aufwändiger und wäre an meiner Vorrichtung platzmäßig praktisch nicht unterzubringen gewesen.

Nachbemerkung 2: Statt einer ovalen Schablone kann ich natürlich auch eine anders geformte Schablone verkleinern.

Matthias
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von johannes_s »

Hallo,

ich denke ich habe es begriffen. Es ist ein großer Aufwand für jede Spur den Abstand neu einzustellen. Aber die Passungen, speziell für Deckel und Boden lassen sich so genauer fräsen.
Mir erscheint deine Konstruktion stabil genug eine Dose zu fräsen.
Versuch es mal und berichte dann.

Gruß Johannes
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Helfried »

Matthias, vielen Dank für die Erklärung!

Das ist eine sehr sehr schlaue Sache, rechnen muss man halt, für jede einzelne Verkleinerung muss die Einstellung passen.

Eine ganz ähnliche Zusatzvorrichtung hat übrigens Jürgen [mention]drechselgaertner[/mention] kürzlich gezeigt, er war mit der Funktion
allerdings nicht ganz zufrieden:
viewtopic.php?f=162&t=63552&p=449546#p449617

Es ist zu bewundern, welche Möglichkeiten die Mathematik bzw. die Geometrie bietet.

Wenn ein kluger Kopf wie deiner, Matthias, sie anzuwenden weiss.

Helfried
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Donnerwetter !
Da habe ich Jürgen kopiert, ohne es zu merken. Aber damals hatte mich das Passigfieber noch nicht erwischt und so ist diese Idee damals nicht in die vorderen Regionen meines Hirns vorgedrungen.
Ohnehin habe ich die Passig-Techniken, die ich hier zeige, selbst irgendwo im Netz gefunden. Auf das mit dem Hebel bin ich selbst gekommen, wie allerdings wohl schon viele vor mir auch.

Auch bei der Umsetzung der Ideen mit dem 3D-Druck bin ich sicher nicht der Erste, aber es macht einfach Spaß, mich in die Funktionalität des Passigdrehens hineinzudenken und druckbare Umsetzungen zu finden. Und natürlich auch, hier darüber zu berichten.

Helfried,
in der Tat ist diese Verkleinerei mit einiger Rechnerei verbunden, aber wenn es einmal gemacht ist, macht Excel den (rechnerischen) Rest. Die Einstellung der möglichst exakten Tasterposition auf dem Hebel und der exakten Fräserposition für jede Spur ist schon fummelig und ich muss mich dabei sehr konzentrieren, aber das ist beim Passigdrehen halt so. Da ist sowohl klare Überlegung, wie auch präzise Ausführung gefagt. Vielleicht muss man für diese Technik ein wenig masochistisch veranlagt sein. :-L

Gruß, Matthias
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von Matthias S »

Ich hatte mich jetzt um einige andere Themen kümmern müssen und bin mit meinem Passigprojekt nicht recht weitergekommen, aber jetzt geht wieder was.

Ich weiß, ich soll mal eine ovale Dose probieren, aber ich brauche die Bank derzeit immer wieder für andere Sachen und die Passigvorrichtung ist gerade abgebaut und ich habe ja eine Getriebemotorspende von [mention]Matzel1970[/mention] erhalten (vielen Dank nochmal !). So habe ich mich vorrangig mit einem motorischen Antrieb beschäftigt. Ich will ja auch mal entspannt und verzückt meiner Maschine beim Wackeln zuschauen. :-)


Erste Aufgabe war also, die Motoren von Matthias zum Laufen zu bringen. Dafür musste ich nur nach seinem Vorschlag vorgehen. Also habe ich für schmales Geld eine pulsweitenmodulierte Motorsteuerung mit Drehrichtungsumkehr bestellt und aus meinem Firmenschrott-Fundus ein 24V/10A Netzteil hervorgekramt, beides mit dem Motor verbunden und … läuft.

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Damit konnte ich die Motordrehzahl gut zwischen 100% und 15% variieren. Darunter läuft der Motor nicht mehr so wuchtig, unter 10% hat er fast kein Drehmoment mehr. Ich hatte auf etwas mehr Stellbereich gehofft, aber Matthias hat mir diesen Zahn gezogen.


Jetzt ging es an die Auslegung der Untersetzung. Nach vielen Überlegungen und Rechnerei, habe ich mich festgelegt.

Ziel für die Umdrehung meiner Spindelwelle ist ein Bereich von (außerordentlich gemächlichen) 0,5 Udr/min für möglicherweise komplexe Strukturen bis zu rasanten 30 Udr/min .
Der Motor macht bei 24V 2100 Udr/min;
mit dem angebauten Schneckengetriebe (1:10) sind das noch 210 Udr/min;
mit der PWM-Ansteuerung komme ich (großzügig gerechnet) auch noch einmal um einen Faktor 10 runter, also bei 2,4V → 21 Udr/min.
Die PWM möchte ich natürlich zum bequemen Geschwindigkeitswechsel (wie einen FU) benutzen; um meinen angestrebten Drehzahlbereich zu erreichen, muss ich also noch von 210 auf 30 Udr/min runter, bzw. von 21 auf 0,5 . Das erfordert eine weitere Untersetzung von 1:7 bzw. 1:42 .
Das ist mit einem Riemen vom Motorzahnriemenrad auf ein großes Riemenrad auf der Spindel praktischerweise nicht zu schaffen (wird viel zu groß !).

Also muss ein Zwischengetriebe her.

Außerdem muss ich irgendwie an die Spindelwelle andocken. Meinen zunächst verfolgten Gedanken, auf der Spindelwelle in Nähe des Handrades ein Getrieberad anzubringen, hat keine wirklich schöne Lösung hervorgebracht. Dann fiel mir auf, dass ich ja auch an die Motorwelle ankoppeln könnte. Dann habe ich außerdem noch das interne Getriebe der Stratos XL als zusätzliche Untersetzung zur Verfügung ! Das gefällt.

Mit einer weiteren selbstgebauten Getriebestufe auf einer Zwischenwelle sollte das gehen.

Nach weiterem Getüftel und Gerechne, kam dann das heraus:

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Screenshot 2023-09-29 115038 a.jpg (31.8 KiB) 1337 mal betrachtet

Die Motorwelle geht mit Untersetzung auf eine Zwischenwelle (mit Zahnriemen); dort sind zwei Keilrippenriemenscheiben montiert, die mit weiterer Untersetzung auf die größte Motorwellenkeilrippenriemenscheibe (ist das nicht ein schönes Wort ?) der XL laufen, und dann noch die beiden freien, internen Untersetzungen der XL.
Von den beiden blauen Riemenverbindungen kann natürlich immer nur eine aktiv sein.
Die Motorwellenscheiben sind 10-rippig, so dass ich einen 4-rippigen Riemen jeweils von der kleineren bzw. größeren Riemenscheibe auf der Zwischenwelle auf die ersten bzw. letzten vier Rillen der großen Motorwellenscheibe auflegen kann.

Damit komme ich rechnerisch auf einen Stellbereich von 0,5 – 5, 0,9 – 9, 1,7 – 17 und 3 – 30 Udr/min, je nach Einsatz der beiden Rippenscheiben auf der Zwischenwelle und dem XL-internen Getriebe.


Zur Umsetzung habe ich (wie oben schon zu erkennen) drei Scheiben gedruckt. Diese sind einzeln gedruckt, aber auf dem Bild bereits miteinander verschraubt.


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Die größte ist eine Zahnriemenscheibe, die entsprechend der Zahnriemenscheibe auf dem Motor ausgelegt ist. Sie war aufwändig zu konstruieren, aber recht gut zu drucken.
Die zwei kleineren sind Rippenriemenscheiben, die auf das XL-Getriebe koppeln. Die waren nicht so aufwändig in der Konstruktion, aber das Drucken der Keilrillen geht deutlich suboptimal; die Flanken der relativ feinen Rillen werden im Winkel nicht sauber abgebildet (das gibt mein Drucker einfach nicht mehr her) und sonstige Unsauberheiten im Druck schlagen in den feinen Rillen besonders zu Buche. Ich musste die Rillen also auf der Drechselbank nacharbeiten.
Mit diesem Stichel im Winkel der Keilrippenflanken ging das einigermaßen.


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Meine Zuversicht, dass die Scheiben so mit dem Rippenriemen einigermaßen gut zusammenarbeiten, ist recht groß, so dass ich auf Risiko einfach weiterarbeite, denn ausprobieren, ob das klappt, kann ich erst am fertigen Aufbau …
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drechselgaertner
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Re: Passigvorrichtung

Beitrag von drechselgaertner »

Hallo Matthias!

Schön von dir zu hören, ich hatte schon Angst du kapitulierst. Die Sache mit dem Passigdrehen ist schon sehr zeitaufwendig.
Du hast geschrieben:
" aber ich brauche die Bank derzeit immer wieder für andere Sachen und die Passigvorrichtung ist gerade abgebaut"

Aus diesem Grund habe ich mir eine extra Maschine gebaut. Ich drechsle die Teller, Schalen oder Dosen grob vor
und nehme sie dann mit dem Futter rüber auf die Passigmaschine. So mache ich das. Man spart jedes mal das Umbauen.
Aber andere machen es halt anders - es führen viele Wege nach Rom- heißt es doch. Wichtig ist doch, dass es uns Spaß macht.

In diesem Sinne - Gruß Jürgen!
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