Keine steinharte Eibe

Wie der Titel schon sagt...

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Kreuzthaler
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Keine steinharte Eibe

Beitrag von Kreuzthaler » 07.07.2019 - 18:58:15

Guten Abend,

der Älpler nützt den regnerischen Sonntag, um ein schönes Eibenstück vom Karl etwas zu verschönern.

Das gute Stück kam mit der Post und harrte in der Werkstatt auf eine "freie Stunde". Das Teil mit dem Kreuz, rechts unten, ist die Eibe.
IMG_3787+Bi.JPG

Der Rohling ging mir vielmals durch den Kopf. Die Seite mit dem Kreuz soll die obere Seite der Schale werden. Zum Aufspannen habe ich in die Mittenmarkierung meinen Zentrierstift geschraubt. Es ist eine M10 Schraube, die ich mit einer Spax 4 x 40 anschraube.
IMG_3832+Bi.JPG

Die Stirnseite hat auf der unteren Seite 2 Kerne. Dazwischen ist Rinde sichtbar.
IMG_3834+Bi.JPG

Die obere Stirnseite hat schon 3 Kerne. Das bedeutet, dass im Innern nochmals eine Teilung und Rindeneinschlüsse zu vermuten sind.
IMG_3833+Bi.JPG

Diese Außenseite soll der Boden werden. Das Loch in der Mitte fällt den Spänen zum Opfer.
IMG_3835+Bi.JPG
Zum Aufspannen nehme ich meine bewährte "Schleifpapierplanscheibe" mit einem 10er Loch in der Mitte zum Aufnehmen meines Zentrierstiftes.
IMG_3836+Bi.JPG

Auf der Gegenseite drücke ich mit dem Reitstock und der mitlaufenden Körnerspitze den Rohling auf die Planscheibe.
Wie sagt man so schön? Pfeifendeckel, in der Mitte geht es ungenau zu, da würde die Körnerspitze das Holz um 7 mm zur Seite drücken.
IMG_3837+Bi.JPG

Also muss der Spanntechniker wieder mal was Besonderes einsetzen. Ein ehemaliger Türpuffergummi in Kombination mit einer dicken Unterlegscheibe verhilft zu ausgleichender Gerechtigkeit. Doch zuvor drücke ich das Holz mit einem Drehstahl fest gegen die Planscheibe ...
IMG_3839+Bi.JPG

... und kontrolliere, ob an der Schleifpapierscheibe alles gut anliegt.
IMG_3838+Bi.JPG
Jetzt kann ich mit beiden Händen den Gummi und die Unterlegscheibe anbringen und ...
IMG_3840+Bi.JPG

... in der unebenen Landschaft gezielt andrücken. Also, ich möchte da kein Gummi sein!
IMG_3841+Bi.JPG

Nun kanns losgehen. Der Boden muss mal zeigen, was er innen hat.
IMG_3842+Bi.JPG

So richtig gut sieht das ja noch nicht aus, oder?
IMG_3842+Bi.JPG

Da muss noch für klare Verhältnisse gesorgt werden. Links, die Kerbe muss noch weg, ...
IMG_3843+Bi.JPG

... dann kann mein Bodenfalz kommen.
IMG_3849+Bi.JPG

Da sieht der Boden nicht sonderlich gut aus.
IMG_3850+Bi.JPG

Nach dem Umspannen, geht es an die Oberseite.
IMG_3854+Bi.JPG

Auch hier ist noch lange keine brauchbare Kontur zu erkennen. Die obere Ausrundung sollte weg, die untere Kerbe kann im Rand sichtbar bleiben.
IMG_3855+Bi.JPG

Die Sonne bringt es an den Tag, oder, wenn mal ein paar Späne weg sind, kommt man der Sache näher. Rinde = Sprengstoff = Achtung.
IMG_3863+Bi.JPG

Da das Programm bei 19 Bildern nicht mehr mag, mache ich eine Pause und dann gehts weiter.

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Kreuzthaler
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Re: Keine steinharte Eibe

Beitrag von Kreuzthaler » 07.07.2019 - 19:28:37

Und schon gehts weiter:

Auch das Umfeld um die Kerne zeigt leichte Ablösungen.
IMG_3864+Bi.JPG

Der Übergang zum Splint ist auch nicht "Hasenrein".
IMG_3865+Bi.JPG

Die vielen Risse haben mich zu einer Kontrolle aufgefordert. Das Druckstück am Boden, an dem der Gummi drückte, hat ein tiefes Loch. Ich habe einen Spiralbohrer reingesteckt ...
IMG_3866+Bi.JPG

... und danach die Länge gemessen und 65mm abgelesen.
IMG_3867+Bi.JPG

So geht das natürlich nicht. Das gäbe ja ein Holzwaschbecken mit Bodenablauf. Gut, einen Stopsel könnte ich ja machen, Material von der Oberseite hätte ich ja.
IMG_3868+Bi.JPG

Also, ich muss umdenken. Der Boden wird das Oberteil. Dadurch kann ich mit dem Dreibackenfutter den großen Rindenbereich gut zusammenhalten.
IMG_3869+Bi.JPG

Den ehemaligen Boden habe ich mit dem 45er Forstnerbohrer aufgebohrt und arbeite jetzt die Schale aus. Gutes kommt nicht zum Vorschein.
IMG_3871+Bi.JPG

Danach haben sich die Ereignisse buchstäblich überschlagen.
IMG_3874+Bi.JPG

Irgend so ein dusseliger Span hat sich wohl in einem Rindenspalt verklemmt und eine kleine Explosion ausgelöst.
IMG_3875+Bi.JPG

Ohne weiteres Dazutun kann die Schale in zwei Teile aufgeklappt werden.
IMG_3876+Bi.JPG

Nicht nur der Fachmann erkennt hier, dass die Bearbeitung der "nicht steinharten Eibe" und der Bericht ein Ende hat.

Das Holz war von außen sehr schön, schade um die Explosion.

Trotzdem grüße ich euch alle und sage: Nicht den Mut verlieren. "Mit Schwund muss man rechnen"

Gruß Günter, der mit dem Optimismus.

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Re: Keine steinharte Eibe

Beitrag von Hotte » 07.07.2019 - 21:25:11

Hallo Günter
Schade um die Erle.
Ich hätte nach dem ersten Zapfenabriss einen neuen Zapfen mit Pu-Leim angeleimt
und auch nicht mit dem Kreutzsuport sondern von Hand gedrechselt.
So glaube ich,es wäre bestimmt eine schöne Schale geworden.
Aber schön Das du auch sowas hier zeigst.
Es wird nie alles gelingen.

:danke: :danke: :danke: für deinen Bericht.


Mfg Hotte

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Re: Keine steinharte Eibe

Beitrag von dege52 » 08.07.2019 - 12:07:59

Hallo Hotte, selbst wenn aus der EIBE ERLE wird: Kaputt ist kaputt!

Mit freundlichen Grüßen Detlef
"Ein Leben ohne Drechselbank ist möglich, aber sinnlos ! GUT SPAN !"

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Re: Keine steinharte Eibe

Beitrag von snakyjoe » 09.07.2019 - 08:08:28

Hallo Günther,
vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Die Spanntechnik ist interessant. Die Eibe natürlich auch.
Ich konnte kürzlich zwei Stammteile einer sehr alten Eibe bekommen. Der Stamm teilte sich bei 80 cm Höhe bereits in 5 Einzelstämme.
In die Astgabeln setzten sich über die jahrzehnte Rindenmulch und viele Nadeln. Die Fäulnis drang tief in die Gabeln ein.
Holzpeter half mir beim Zersägen. Obwohl der etwas ovale Stammquerschnitt einen Durchmesser von über 45cm hatte, bleiben am Ende
wegen der vielen Risse und Spalten nur Schüsselrohlinge mit maximal 20 cm Durchmesser übrig.
Die trocknen zurzeit in Katzenstreu.
Wenn ich das zweite Stammteil aufarbeite, stelle ich mal ein paar Fotos bereit. (Beim ersten habe ich das vergessen.)
Ich habe jetzt eine eigene Kettensäge. Die soll sich an der Eibe mal die Hörner abstoßen.

Schade, dass deine Schale zersprungen ist. Die Maserung mit den vielen Kernen war toll.

Herzliche Grüße
Egbert
Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.

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Re: Keine steinharte Eibe

Beitrag von Hölzerkarl » 09.07.2019 - 19:36:15

Hallo Günter,
besten Dank für deinen interessanten Bericht.

Das haben wir anders geplant, als es gekommen ist.

Es wird gesagt, dass Holz voller Überraschungen sei. Du hast nun die Erfahrung selbst gemacht.
Jedoch.....so ganz und gar umsonst war das alles nicht.
Du bist bei der nächsten Eibe für die Entscheidung der Bearbeitung gut gerüstet.
Ich bin erleichtert, dass es kein Flugholz gab, das dich getroffen hat.

In meinem Eibenlager werde ich mich erneut umschauen.
So schnell geben wir Alten nicht auf.........

Freundliche Grüße aus dem Hessenland

Der Karl

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