Walnussöl - pro und contra

Spezielle Techniken wie: Strahlen (Sandstrahlen) - Brennen & Bürsten<br>Fräsen & Schnitzen - Beizen & Colorieren - Versiegeln

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Maserknolle
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Beitrag von Maserknolle » 25.01.2012 - 22:50:45

Ja, beim ölen ob walnuß oder Naturhausöle oder Osmoöle ist es sehr wichtig das überschüssige Öl zu entfernen. Dünn auftragen gegebenfalls wiederholen nach entsprechender trocknung. Wir ölen nur noch und machten durchgehend positive Erfahrung. (Möbelbau). Wie Lauschkraft auch schon erwähnte.

Christian L.
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Walnussöl - pro und contra

Beitrag von Christian L. » 25.01.2012 - 23:26:34

hallo Peter und Kollegen,

meiner Meinung nach ist alles Wesentliche schon gesagt:
- Finger weg vom selbst Oel kochen, noch dazu unter Luftabschluss. Sehr gefaehrlich, noch abgesehen von der Frage ob's bei Walnussoel etwas bringt.
- Walnussoel sehr sparsam/duenn auftragen, z.B. mit einem Lappen und nicht mit einem Pinsel, und nach einigen Minuten mit trockenem Lappen nachwischen. Das muss dann im Abstand von ein paar Tagen ein paarmal wiederholt werden. Oelpolituren sind nun mal arbeitsintensiv und brauchen Zeit. Je nach Holzart verlangen diese Oberflaechen noch regelmaessige Pflege, in den ersten Monaten (= erneut duenn Oel auftragen).
- Firma Kremer liefert ein raffiniertes Oel und schreibt dazu dass das in jedem Fall sikkativiert werden muss. Naturbelassenes reines Walnussoel eben nicht zwingend.
- Persoenlich habe ich keine Probleme mit Spuren Sikkativ gebunden in der Oberflaeche (1 Vol% - max. 2 Vol% im Oel), vielleicht mit Ausnahme der Innenseite einer Salatschuessel. Die erhaelt doch ihre eigene Essig-Oel Patina im Laufe der Zeit.

Selbst verwende ich gerne und oft Walnussoel auf meinen Arbeiten. Einfach ausprobieren, Haende waschen, fertig.
Verwendete Lappen entweder auslegen oder gut verschlossen entsorgen. Bin mir nicht sicher ob mit Nussoel ebenso wie in Leinoel getraenkte Lappen zur Selbstenzuendung neigen.

Gruss

Christian

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lauschkraft
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Beitrag von lauschkraft » 26.01.2012 - 11:27:39

Hallo,

ich hab noch ein paar Ergänzungen:

- Meiner Erfahrung nach eignet sich Walnussöl nur für "Harthölzer".
- Die Trocknung/Aushärtung erfolgt bei mir immer bei Zimmertemperatur (kann auch ein Faktor sein)
- Ich verwende zum auftragen und auswischen saugendes Küchenpapier, wird mehrmals mit diesem Stück ausgewischt...
- Entzündungsgefahr besteht nicht
- wie bereits mehrmals erwähnt DÜNN auftragen und gut verwischen...

Gruß aus Rosenheim

Andreas

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Pro Walnussöl

Beitrag von Orti » 26.01.2012 - 17:52:39

Meine eigenen Erfahrungen mit Walnussöl sind ausschließlich positiv.

Das einzige Haar in der Suppe das man evtl. finden könnte ist das die Trocknungszeit zwar überschaubar ist (weniger 48h), jedoch die aushärtezeit schon mal mehrere Wochen in anspruch nehmen kann.
Meine Kid´s z.B. essen seit 2,5 Jahren aus Ahorntellern die "nur" Walnussöl gesehen haben bis sie in den Gebrauch gingen und ich bin selber beinahe jeden Tag beeindruckt wie lecker sie nach dieser Zeit ohne jegliche nachbehandlung immer noch aussehen.
Sicher kann man gar nicht rauslesen das ich vom Walnussöl doch ziemlich überzeugt bin.
Meine These: dünn auftragen (evtl. nach 48h ein zweites mal) nach 20min nochmal egalisierend abwischen und eben etwas Geduld beim aushärten. So sollte sich sicher der ein oder andere ebenfalls mit dem Wallnussöl anfreunden können und vieleicht auch überzeugen lassen.

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Matthias S
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Beitrag von Matthias S » 26.01.2012 - 22:17:53

Hallo Kollegen,

ich habe auf dieser Seite über Ölfarben recht interessante Information zum Aushärten und auch zu Walnussöl gefunden:

http://malmaterial.npage.de/oele_92509994.html

Hier wir das Aushärten des Öls als Polymerisation der enthaltenen Fettsäuren beschrieben.

Als das Aushärten beeinflussende Faktoren sind Temperatur und (UV-)Licht genannt und zur Temperatur ist sogar ein konkreter Beschleunigungsfaktor genannt:
"Temperatur- und Lichteinwirkung erhöht die Geschwindigkeit des Verharzens, so verläuft die chemische Reaktion etwa doppelt so schnell bei der Erhöhung der Temperatur um 10 °C. Lichtstrahlen, genauer gesagt der UV-Bestandteil der Strahlung wirkt als Katalysator dieser Reaktion."

Bei einer angenommenen Aushärtezeit von 8 Wochen bei Raumtemperatur würde also eine Temperatur von 60°C ein Aushärten in einer halben Woche bedeuten; bei 170°C nur noch 2,5 Minuten. ;-)

Für die Aushärtezeit in Bezug auf die Dicke der Ölschicht wird angegeben:
"Die Trockenzeit des Ölfarbauftrags erhöht sich in etwa mit Quadrat der Ölfilmdicke."
Das wird wohl entsprechend für die Eindringtiefe des Öls in das Holz gelten. Im Hirnholz habe ich schon Eindringtiefen von mehreren Millimetern gemessen; da rechnen wir jetzt nicht, das frustriert nur.

Ohne Einsatz von Sikkativen heißt das also, des Werkstück hell und warm stellen und Geduld haben.

Gruß, Matthias

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Matthias S
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Beitrag von Matthias S » 29.01.2012 - 00:33:17

... da taucht doch just ein Angebot von Thanatos auf, das das Thema "Aushärten mit UV-Licht" beleuchtet:



"Die Polymerisation von „trocknenden“ (aushärtenden) Ölen wie Walnuss-, Lein- und Tungöl wird ganz erheblich durch kurzwelliges UV-Licht (UV-B und UV-C) beschleunigt, das im unveränderten Sonnenlicht enthalten ist und früher z.B. von den Geigenbauern zum Aushärten der Öllacke genutzt wurde. Das funktionierte aber nur mit direktem Sonnenlicht (z. B. geöffnetes Fenster), da gewöhnliches Glas die kurzwellige UV-Strahlung absorbiert (so auch das Glas gewöhnlicher Lampen).

Allein reines Quarzglas lässt auch kurzwelliges UV-Licht passieren. In der Großindustrie wird mit großem Erfolg (z.B. bei geöltem Parkett) die UV-Härtung angewandt, und solche Verfahren v.a. von der BASF SE entwickelt.
Für einen speziellen Fertigungsauftrag, bei welchem Objekte intensiv geölt werden sollten unter Ausschluss der sonst bei Firnis üblichen, aber bedenklichen Sikkative (Schwermetallverbindungen, welche die Polymerisation katalysieren), bin ich mich dem wissenschaftlichen Leiter der UV-Technik bei BASF in Verbindung getreten.
Das Ergebnis sind diese drei UV-Lampen.
Es handelt sich dabei um mobile Solariumsgeräte (jeweils ca. 5 kg schwer, 460W Leistung), die wie folgt modifiziert wurden:

- die UV-C-Filter wurden deaktiviert
- spezielle Quarzlampen, die das gewünschte Spektrum emittieren, wurden installiert

Achtung: bei den so modifizierten Geräten muss aufgrund der harten UV-Strahlung bei Sichtkontakt zwingend eine Schutzbrille getragen werden, es wäre sonst, als sähe man an einem klaren Sommermittag direkt in die Sonne!

Die Geräte sind mit einer Zeitabschaltautomatik ausgestattet. Mit Bestrahlungsdauer und Aufstellung (Entfernung zum bestrahlenden Objekt), lässt sich die Bestrahlungsintensität regeln.
Durch sehr hohe Bestrahlungsintensität kann, insbesondere in Verbindung mit Oxidationsmitteln wie Wasserstoffperoxid, Holz auch gebleicht/künstlich gealtert werden (z.B. zum erzielen eines „Treibholzeffekts“).

Ich würde die Geräte für 100 EUR + Versand pro Stück oder 250 EUR + Versand für alle drei zusammen abgeben.

Gruß,
Thanatos."


Matthias

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Fred
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Beitrag von Fred » 29.01.2012 - 08:19:19

Matthias S hat geschrieben:... da taucht doch just ein Angebot von Thanatos auf, das das Thema "Aushärten mit UV-Licht" beleuchtet:
..........................................................................................................................

Matthias
Hallo Matthias, bitte sei doch so nett und mache beim nächsten mal ein Zitat auch als solches kenntlich.

Das geht ganz leicht, in dem Du zum Beispiel den zu zitierenden Text markierst und dann oben auf >Quote< klickst.
So sieht das dann aus:
Das geht ganz leicht, in dem Du zum Beispiel den zu zitierenden Text markierst und dann oben auf >Quote< klickst.
Das erleichtert das Verstehen eines solchen Beitrages doch ganz erheblich.

Viele Grüße aus München
Servus,
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Bild Ich hoffe, wir sehen uns

Christian L.
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Walnussöl - pro und contra

Beitrag von Christian L. » 29.01.2012 - 14:15:19

Hallo Matthias und Kollegen,

mit deinem Link zur Malerei (Dank!) und den UV Lampen wird die Geschichte langsam komplett.
In diesem Link viel mir auf dass Walnussoel eine wesentlich geringere sogenannte Jodzahl hat als z.B. Leinoel, also auch relativ weniger Trockenfaehigkeit. Zudem scheint das von der Zusammensetzung des Oeles abzuhaengen. Je nach Bezugsquelle kann es dann schon sein dass der eine Drechsler bessere Erfahrungen mit Walnussoel hat als der andere, bei ansonsten gleicher Prozedur.
In jedem Fall muessen wir mit unseren fertigen Arbeiten raus aus dem kalten Keller!

Gruss
Christian

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Beitrag von Matthias S » 29.01.2012 - 19:35:50

Hallo Fred,

ich dachte, die Anführungszeichen reichen, aber das mit dem "Quote" ist schon viel deutlicher. Das nächste Mal mach' ich's so.

Matthias

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Beitrag von jockel » 29.01.2012 - 21:10:53

Hallo zusammen,

Zitat:
http://malmaterial.npage.de/das-altern- ... 96248.html
Das Verharzen ist verursacht durch die Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft und den Einbau des Sauerstoff in die Molekulare Struktur des fetten Öles, der eine oxidierende Polymerisation hervorruft.
Also generell wird die Polymerisation durch Sauerstoff ausgelöst.
Wäre nun sehr interessant harte Fakten zu bekommen wie stark die UV-Strahlung diese Polymerisation beschleunigt/beeinflusst. Es wurde in dem Artikel ja als Katalysator bezeichnet.
Ebenso höchst Interessant wäre die Beschleunigungskurve der Temperatur, ich denke sie wird über 25°C sehr schnell an Steigung verlieren.
Vielleicht weiss ja jemand eine Informartionsquelle zu diesen Themen und würde sie hier nennen.


Gruß Jockel
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Beitrag von friedrich » 29.01.2012 - 21:12:53

Hallo zusammen,

mit Walnussöl öle ich alle Schalen die mit Nahrungsmittel in berührung kommen könnten, da bin ich mir sicher das da nichts drin ist was einem nicht gut tut. Die meisten Projekte Zierschalen, Vasen, usw werden mit Hartöl 126 von Auro eingeölt und ggf. gewachst oder mit Steiner Drecheslöl behandelt (gibt einen super natürlichen Glanz).

Gruß Friedrich
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Beitrag von Holzpeter » 29.01.2012 - 21:22:04

Hallo Jockel,

schön, dass Du das nochmal ansprichst.
Meine Information, bezügl. Leinöl (könnte man wohl auf andere aushärtende, fette Öle übertragen), waren so, dass es unter Einfluss von Luft-Sauerstoff und LICHT aushärtet.
Das ausgerechnet der UV-Anteil entscheidend sein soll, war mir unbekannt.
Da Thanatos gerade UV-Lampen anbietet und diese wohl für diesen Zweck gebraucht hat, könnte er eventuell von seinen Versuchen berichten und uns aufklären.

Hölzerne Grüße
Peter
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Beitrag von Thanatos » 30.01.2012 - 14:34:02

Der oben genannte Link gibt zwar einen sonst guten Überblick über den Vorgang der Öl-Polymerisation, ist aber in einigen Punkten nicht ganz richtig.
So ist Rizinusöl mit einer Jodzahl < 100 kein trocknendes Öl, und sollte daher nicht verwendet werden (hingegen verwende ich es mit etwas Alkohol verdünnt gerne als Schutz- und Gleitfilm für das Bankbett, da die Rizinolsäure aufgrund des außergewöhnlichen Gehalts an Hydroxygruppen eine unvergleichlich hohe Adhäsion (Anhaftung) an Metallen besitzt).
Auch ist die Funktion des (UV-)Lichtes beim Vorgang der Polymerisation nicht unbedingt die Katalyse.
Ein Katalysator vermindert die Aktivierungsenergie einer Reaktion ohne sich dabei selbst zu verbrauchen.
Das ist bei Sikkativen der Fall; Licht aber ist elektromagnetische Energie, die von den Teilchen aufgenommen wird und so etwa die für chemische Reaktionen verantwortliche Elektronenaktivität beeinflusst (Streitpunkt zur Photokatalyse).
Die Emissionsoptima für die Reaktionen ist unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig.
Grundsätzlich kann aber festgestellt werden, dass die Teilchenanregung mit Verminderung der Wellenlänge des Lichtes zunimmt, da es dem Energieverhalten der Teilchen näher kommt.
Bei der UV-Vernetzung von Lacken und Farben (die auch auf Leinöl basieren können) wird daher UV-A (nah am sichtbaren Spektrum liegend) für eine milde, oberflächliche, UV-B für ein intensiveres und tieferes Durchhärten und UV-C (fern dem sichtbaren Spektrum liegend) für die Schnellhärtung (wenige Minuten oder Sekunden) verwendet.
Bei hartem UV-C wird die Elektronenaktivität derart erhöht, dass sich aus dem Sauerstoff (02) der Luft Ozon (O3) bildet. Eben dies geschieht in der Stratosphäre durch die Sonnenemission, - es bildet sich die Ozonschicht, die ein weiteres Eindringen der gefährlichen UV-C-Strahlung verhindert, sodass diese an der Erdoberfläche praktisch nicht mehr vorkommt.
Für die Heimanwendung sollte aufgrund der gesundheitlichen und auch holzzerstörerischen Gefahr sehr hartes UV-C nicht verwendet werden. Meiner Erfahrung nach ist eine Kombination aus UV-B und UV-A (vermindert die Absorption von UV-B an der Oberfläche) und einem nur geringen Anteil UV-C am geeignetsten.
Ich habe letztlich unbeschichtete Metallhalogen-Dampflampen („Quarzbrenner“) verwendet, die eben dieses Spektrum abdecken mit Strahlungsmaxima bei ca. 367nm (UV-A) und 314nm (UV-B).
Da die Bildung von Oxyn Sauerstoff benötigt, sind Ventilatoren oder offene Fenster zusätzlich günstig, wirken auch der zu starken Aufwärmung des Objektes durch die Bestrahlung entgegen.
Die Methode funktioniert besonders gut, wenn man schichtweise vorgeht, und Walnussöl ist ein wunderbares Öl, dass ich den anderen üblichen Ölen vorziehe.
Die UV-Bestrahlung hat den positiven Zusatzeffekt, dass die bei der Vernetzung entstehende Vergilbung unterdrückt (gebleicht) wird.

Soviel zur UV-Vernetzung.
Was das Kochen von Öl betrifft, so hat dieses zwei Funktionen:

1.) Unter Zufuhr von Luft (also offen) wird das Öl vorpolymerisiert: es härtet später schneller aus, ist jedoch auch höher molekular, sodass es weniger tief ins Holz eindringt
2.) Die Polymerisation beeinträchtigende Stoffe werden zerstört. Ist dies ohne gleichzeitiges Vorpolymerisieren gewünscht, geschieht das Kochen unter Luftabschluss.

Unerwünschte Stoffe können z.B. aus der Leinsamenschale ins Öl gelangte Schleimstoffe oder etwa Tocopherole (Vitamin E) sein. Letztere sind starke Antioxidantien und gelegentlich Speiseölen zugesetzt, was mitverantwortlich für ein unterschiedlich gutes Aushärten von Ölen der gleichen Sorte sein kann. Mit Bio-Ölen ist man auf der sicheren Seite, da sie keine Zusätze enthalten dürfen.
Sonnenblumenöl enthält von Natur aus viel Tocopherol und ist deshalb ungekocht (mehrer Stunden knapp unterhalb des Rauchpunktes) ungeeignet.

Meiner Meinung nach sollte man, wenn die Zeit dafür zur verfügung steht (mehrere Monate), natürlich härtendes Öl verwenden, da es am umweltfreundlichsten ist und dem Hölz am besten entspricht.
Besteht Zeitmangel oder soll unverändert helles/gebleichtes Holz behandelt werden, empfiehlt sich die UV-Bestrahlung, da sie den natürlichen Vorgang beschleunigt ohne Fremdsubstanzen einzutragen. Die UV-Bestrahlung kann auch lediglich abschließend als zusätzliche Oberflächenhärtung fungieren.
Moderne Sikkative sind zwar nicht mehr so toxisch (die früher vewendeten Bleisalze sind nur noch für Restauratoren erlaubt), aber für hochwertige Objekte mit Hautkontakt die letzte Option.
Kochen des Öles ist aufwendig und gefährlich. Ich habe das mal gemacht (Überwachung mit IR-Thermosensor) und fand, dass der Zugewinn den Aufwand nicht rechtfertigte.
Erfreulicher war da das Ergebnis einer flachen Wanne, die ich 1-2 cm hoch mit Öl füllte und den Sommer über in die Sonne stellte. Täglich mehrmals umgerührt hatte ich nach einigen Wochen ein schönes "Oleum crassum", dass sich mit echtem Terpentinöl verdünnt sehr gut als Firnis eignete.

Gruß,
Thanatos.

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von GentleTurn » 26.01.2019 - 13:53:07

Moin,

habe gerade nach der Lösung meiner aktuellen Problematik gesucht und bin auf diese ältere
Diskussion gestossen. Ich habe aus Fichtenholz ein Gefäß gedrechselt, einmal gut mit Walnussöl
eingerieben und den Rest abgewischt. Nun sind rund drei Wochen Trocknen in der Wohnung herum
und das Holz gibt immer noch Öl ab, wenn ich es hinstelle.

Werde Dosen zumindest aussen nie mehr ölen, das steht fest. Aber trotzdem die
Frage: Kann ich mit haushalts- bzw. handwerksüblichen Methoden den Trockenvorgang beschleunigen?
Oder gar das Öl nicht-schneidend dem Holz teilweise wieder entziehen?

Oder Monate warten, bis der Becher (unten) trocken ist?
Liebe Grüße, Martin.

Das Geheimnis des Drechselns ist der Einsatz von scharfem Werkzeug im richtigen Winkel bei passender Geschwindigkeit.

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von Ralph » 26.01.2019 - 14:09:04

Oder Monate warten, bis der Becher (unten) trocken ist?
Oder einfach Steinerts Drechselöl (o.ä.) nehmen?

Mal ernsthaft: warum nimmst Du ein Öl, das langsam trocknet und willst dann beschleunigen?

Verwunderte Grüße
:-)

Ralph (Exilbayer)

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von luwisch » 26.01.2019 - 15:08:12

Hallo Ölfreunde,
ich benutze ausschließlich reines Thungöl, wie die Chinesen die ihre Schiffe vor tausende Jahren schon damit behandelten.
In fast allen zur Holzbehandlung verkauften Ölen ist Tungöl als wirksamer Bestandteil enthalten.
Sparsam angewendet und nicht das Holz getränkt ergibt eine schöne natürliche Oberfläche die schnell aushärtet und danach auch für Schalen benutzbar.
Für Öl und Essighaltige Salate würde ich Keramik bevorzugen. Wenn es unmedingt Holz sein muß würde ich unbehandeltes Holz nehmen.
Vorzugsweise Walnuss oder Olive.
Gruß aus Berlin

Lutz


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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von loni » 26.01.2019 - 15:14:52

Hallo,
eine Idee von mir wäre, halb spaßig, halb im Ernst, den Becher neben einen stark frequentierten Laserdrucker zu stellen. Vielleicht hilft das Ozon ja das Öl schneller zu härten :P
Ansonsten mit UV-Licht, das wurde ja schon beschrieben...

Viele Grüße

Loni

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von jockel » 26.01.2019 - 17:52:31

Hi Martin,
Frage: Kann ich mit haushalts- bzw. handwerksüblichen Methoden den Trockenvorgang beschleunigen?
Steht doch schon hier im Thread, lesen hilft - schadet jedoch der Dummheit! Kurzantwort: Nein
Oder gar das Öl nicht-schneidend dem Holz teilweise wieder entziehen?
Ja geht mit Chemisch z.B. mit Aceton usw.
Oder Monate warten, bis der Becher (unten) trocken ist?
Das wird einige Monate dauern, und funktioniert auch nur wenn O² drannkommt.

Gruß Jockel
P.S. Hatte ich schonmal das Wort Sikkativ erwähnt :evel
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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von Jesse » 26.01.2019 - 18:20:26

Hallo Jockel,

ausnahmsweise. möchte ich Dir mal widersprechen.
Ich verwende Walnussöl gerne und ohne Flecken. Dazu trage ich das Öl mit dem Lappen, oder Pinsel auf das noch eingespannte Holz auf. Dann trete ich einen Schritt zur Seite, lasse das Stück drehen. Dabei spritzt ein Teil des Ökes weg. Dann nehme ich eine Hand vol feiner Späne und polire das Öl in das Holz. Durch Druck und Reibung erwärmt sich das Öl. Ein Teil zieht indas Werkstück, ein Teil in die Späne. Dann halte ich ein Stück Bienenwachs oder Carnaubawachs an das drehende Werkstück und schmelze es auf.. Dann halte ich wieder eine Handvoll feine Späne an das Werkstück und poliere das Wachs. Nun habe ich eine geölte und gewachste Oberfläche.
Funktioniert super, sieht gut aus und ist mit Hausmitteln zu erreichen.

Gruß Jesse

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von jockel » 26.01.2019 - 18:59:50

Hallo Jens,
deine Antwort steht in keinem Widerspruch zu meinen Ausführungen.
Durch deine vorgehensweise des herauschleuderns gibt es kein ungebundenes/freies Öl im Holz und es kann dazu noch durch das Wachs nur sehr schwer oder gar nicht an die Oberfläche.
Im Gegensatz zu deiner Vorgehensweise wird Walnussöl jedoch sehr oft viel zu satt aufgetragen, und dazu noch auf fertige Objekte die nicht mehr eingespannt werden. Dies führt zur oben beschriebenen Problematik und die Abhilfe hierbei bringt nur das Sikkativ.

Gruß Jockel
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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von Jesse » 26.01.2019 - 19:53:32

Hallo Joachim,

Dann passt es ja. Somit widerspreche ich Dir doch nicht. Das größte Problem wird es sein, wenn das Holz dick mit Öl bepinselt wird und dann trocknen soll. Darauf wäre ich nicht gekommen, das man das versuchen könnte..Ich finde den Gedanken an ein flutschig öliges Werkstück schon recht ekelig. Wenn ich mit einer Arbeit fertig bin, möchte ich sie in die Hand nehmen und noch einmal über die Oberfläche streichen.

Gruß Jesse

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von Grissianer » 26.01.2019 - 20:01:28

Hallo
In diesem Pfad ging es anfänglich um das Walnußöl von Aldi für 1 und ein par zuerquetschte Euronen.
Beim besten Willen kann ich nicht glauben dass man dafür echtes Walnuß Öl bekommt. Folgerichtig ist da also was anderes drinn: Das mag für Salat ja reichen denn der soll nicht aushärten. Aber für meine Werke hätte ich da meine Zweifel. Auserdem würde ich schon auch ganz gerne wissen was da also wirklich drinn ist.
Ich habe kürzlich auf anraten unseres lieben heiyligen Vaters zum ersten mal auch zwei Schüsseln mit Walnußöl eingestrichen. Es war ein Öl aus dem Bioladen für 8,9 € die 100 cl Flasche Also im Grunde viel zu teuer aber ich wollte es halt mal probieren. Das Ergebniss war bis jetzt ganz gut. Nach 2 Tagen waren die Schalen trocken und die Oberfläche schön Samtmat und sie fühlen sich auch sehr angenehm an.
Ich hoffe jetzt die kauft einer zum Salat anrichten
Gruß
Anselm
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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von loni » 26.01.2019 - 20:07:49

Hallo ich bins nochmal,

mich lässt die Ozonidee nicht los:
https://www.ebay.de/p/Costway-Profi-Ozo ... 411&chn=ps

Leider hab ich grade nicht die Finanziellen mittel um das auszuprobieren und zu berichten, vielleicht hat ja jemand anderes die Muße und das nötige Budget.

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von GentleTurn » 26.01.2019 - 20:29:11

Ralph hat geschrieben:
26.01.2019 - 14:09:04
Mal ernsthaft: warum nimmst Du ein Öl, das langsam trocknet und willst dann beschleunigen?
a) Weil ich nicht geahnt hatte, dass sich das Trocknen in diesem Fall so lange hinzieht,
b) weil andere Objekte mit dem guten Walnußöl irgendwie schneller trocken geworden sind
und diese Erfahrung des langen Trocknens in diesem Fall neu für mich ist und
c) ich nicht für jeden Anwendungsfall eine neues Oberflächenmittel kaufen parat möchte (habe schon
'nen Haufen Finish-Zeug hier)
d) gedacht habe - war ein Irrtum - dass die saugfähige Fichte schneller mit dem Zeug fertig ist. :peace
Liebe Grüße, Martin.

Das Geheimnis des Drechselns ist der Einsatz von scharfem Werkzeug im richtigen Winkel bei passender Geschwindigkeit.

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Re: Walnussöl - pro und contra

Beitrag von GentleTurn » 26.01.2019 - 20:33:14

jockel hat geschrieben:
26.01.2019 - 17:52:31
Frage: Kann ich mit haushalts- bzw. handwerksüblichen Methoden den Trockenvorgang beschleunigen?
Steht doch schon hier im Thread, lesen hilft - schadet jedoch der Dummheit! Kurzantwort: Nein
Nanana... :no Habs gelesen. Der Thread ist etwas älter. Hätte ja sein können, dass auf diesem Gebiet evtl.
Neuerungen / weitere Erfahrungen Einzug gehalten haben, die noch nicht bekannt sind. Sesamstraßenmotto: "Wer nicht fragt,..."
jockel hat geschrieben:
26.01.2019 - 17:52:31
P.S. Hatte ich schonmal das Wort Sikkativ erwähnt :evel
Wollte es ohne haben... :peace

Zu satt ist ein wichtiger Hinweis; ich werde es nun noch viel dünner auftragen.
Zuletzt geändert von GentleTurn am 26.01.2019 - 20:49:11, insgesamt 3-mal geändert.
Liebe Grüße, Martin.

Das Geheimnis des Drechselns ist der Einsatz von scharfem Werkzeug im richtigen Winkel bei passender Geschwindigkeit.

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