Grundausstattung für Anfänger - ein Vorschlag

Fragen, Hilfe zur Kaufentscheidung, Tipps & Tricks zu Drechselwerkzeugen

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Schnecke
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Grundausstattung für Anfänger - ein Vorschlag

Beitrag von Schnecke » 25.12.2017 - 20:04:00

Hallo liebe Anfänger und Neulinge,

sehr oft wird hier von Anfängern, die mit dem Drechseln beginnen möchten, die Frage gestellt:

Welche Bank soll ich kaufen?
Welches Werkzeug benötige ich?
Welches Futter benötige ich?


Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus möchte ich diesen Anfängern ein paar Tips geben. Es soll nur ein Beispiel von vielen sein, wie man es machen kann – mehr nicht und eine kleine, grobe Orientierung geben.

Daß es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten gibt, sollte jedem klar sein!
Um es nochmals ausdrücklich klarzustellen: Dieser Beitrag richtet sich speziell an unerfahrene Neulinge und Anfänger!!!

Ich persönlich habe damals von Anfang an versucht, qualitativ hochwertige Markenware zu kaufen.

1. Drechselbank

Vor ein paar Jahren habe ich mit der kleinen Jet JML-1014 angefangen. Auf ihr habe ich ca. 6 Jahre lang gedrechselt ehe ich im Jahre 2014 auf eine größere Drechselbank gewechselt habe! Schalen bis 24 cm waren problemlos möglich und für mich auch lange Zeit ausreichend! Meine größteLangholzarbeit, die ich auf der Kleinen Jet gefertigt habe, war diese hier: https
Technische Daten:
- Graugußmaschine ca. 30 kg Gewicht
- Spitzenhöhe 125 mm
- Spitzenweite 350 mm
- Spindel- und Reitstock MK 2
- Spindelgewinde M 33x 3,5
- Geschwindigkeiten 400, 700, 1000, 1500, 2200 und 3300 U/min
- kein FU mit stufenloser Drehzahlregelung
- Motor 0,5 PS

Ob man nun beispielsweise eine kleine Jet, Holzmann, Drechselmeister, Record Power, Scheppach oder wie auch immer kauft, ist nicht soo entscheidend. Nur sollte es keine Blechmaschine aus dem Baumarkt sein.

2. Werkzeug (= Minimalausstattung)

- Schruppröhre 30mm
(ob deutsche Form oder englische ist meines Erachtens egal und eher eine individuelle Vorliebe des jeweiligen Drechslers)
- Abstecher
- Meißel 20 mm
- Schalenröhre 13 mm für Querholz
- Formröhre 13 mm für Langholz

Weitere Werkzeuge sollten erst dazu gekauft werden, wenn man mit zunehmender Übung und Erfahrung merkt, was einem fehlt und was man wirklich braucht! Schaber, Aushöhlwerkzeuge etc. sind für den Anfänger erst mal noch nicht nötig.

3. Spannfutter (= Vierbackenfutter)

Für eine kleine Anfängerbank reicht ein kleines Futter. Dieses kann später durchaus auch auf einer großen Drechselbank verwendet werden.
Unter einem kleinen Futter verstehe ich in diesem Falle ein Spannfutter von ca. 90 mm Durchmesser und einem Gewicht von ca. 1,5 kg. Besser sind Futter, die mit nur einem Spannfutterschlüssel bedient werden können.

Als geeignete Beispiele nenne ich hier mal unter anderem das:

Oneway Talon
oder
Nova G3


Was unbedingt noch benötigt wird ist eine Schärfmaschine für die Drechseleisen!
Aber dies ist ein anderes Kapitel.
welches ich hier nicht erläutern möchte.

Jedem Neuling würde ich empfehlen, die Kataloge der bekannten Händler zu studieren.
Auch das Forum bietet Antworten auf alle Fragen “ man muß nur bereit sein, auch im Forum zu lesen, zu suchen und in älteren Artikeln zu stöbern. Es muß nicht immer gleich eine neue Frage gestellt werden in einem neuen Beitrag!! Sehr hilfreich ist, die Forensuche zu benutzen und erst mal selber zu suchen:
Man muß sich nur mal ein klein wenig Zeit nehmen.
Vielleicht ist dieser Beitrag für Neulinge ja hilfreich?

Schöne Grüße

Christian

PS: Wer bei den Händlern kauft, die hier im Forum auch als Sponsoren auftreten, macht eigentlich nix verkehrt. Bei allen erhaltet Ihr Markenware und sehr guten Service und Beratung!

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chrilu
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Re: Grundausstattung für Anfänger - ein Vorschlag

Beitrag von chrilu » 25.12.2017 - 21:09:12

Schnecke hat geschrieben:- kein FU mit stufenloser Drehzahlregelung
Servus Namensfetter

Gerade diese Maschinen mit Gleichstrommotor, bringen mehr Frust als Lust.
Du kannst Abwechselnd die Steuerung oder den Motor tauschen.
Ich hatte mal so ein Unding, ich hatte sie geschenkt bekommen von einem Verzweifelten. Und der Händler hat mir dann den Ganzen Neupreis gutgeschrieben als ich etwas Vernünftiges gekauft hatte.


Über die Schwächen dieses Antriebs wurde hier im Forum schon des Öfteren geschrieben.
Ich könnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, jemanden eine derartige Maschine zu empfehlen.

Als Stand der aktuellen Technik sind ausschließlich Maschinen mit Drehstrommotor und FU anzusehen.
Natürlich kann man auch ohne stufenlose Drehzahlregelung leben.
Liebe Grüße aus Österreich

Christian

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http://www.cln.at/wp-content/uploads/20 ... m-2019.pdf
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Beitrag von remus » 25.12.2017 - 22:03:45

Hallo Christian/ Chrilu,
tut mir leid, daß ich dir erneut widersprechen muß, meine Coronet Herald arbeitet mit Gleichstrom aus 220V und läßt sich stufenlos regeln und hat dabei auch noch Mumm in den unteren Drehzahlbereichen
(heute hatte sie frei)

Viele Grüße, Rolf
"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind" (Albert Einstein)

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Beitrag von frank4001 » 26.12.2017 - 00:02:05

Hallo Christian (Schnecke),

danke dass du was aufgeschrieben hast, freut mich, dass du einfach mal mit pos. Beispiel voran gegangen bist.

Würde mich freuen wenn alle die eine andere/ eigene Ansicht haben diese auch mal komplett niederschreiben, dann hätten wir eine schöne Sammlung für Neueinsteiger. :prost:

Gruß Frank

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Re: Grundausstattung für Anfänger - ein Vorschlag

Beitrag von oldy-2913 » 26.12.2017 - 00:31:51

chrilu hat geschrieben:
Schnecke hat geschrieben:- kein FU mit stufenloser Drehzahlregelung
Servus Namensfetter

Gerade diese Maschinen mit Gleichstrommotor, bringen mehr Frust als Lust.
Du kannst Abwechselnd die Steuerung oder den Motor tauschen.
Dort steht ...KEIN Fu und von Gleichstrom steht da auch nichts ... :re:

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Eisbär
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Beitrag von Eisbär » 26.12.2017 - 10:41:02

Arbeitssicherheit

Eine Grundausstattung an Sicherheits und Arbeitsschutz muß eigentlich in jeder Werkstatt vorhanden sein und auch benützt werden:

Schutzbrille
Schutzschild
Kopfhörer od. Ohrenstöpsel
Sicherheitsschuhe
Drechslerjacke
Staubschutzmaske
Feuerlöscher
ausreichende Arbeitsbereichsbeleuchtung
*ausreichend abgesichterte Elektrische Verkabelung mit Personenschutzautomat (FI) - nicht mit eingerechnet

Sorry, aber schon wieder 300 € weg :-L
Der Eisbär Bild

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Grissianer
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Beitrag von Grissianer » 26.12.2017 - 12:12:35

Hallo
Wenn ich auch meinen Senf dazugeben darf!
Eine kleine Maschine ist sicher keine schlechte Wahl für den Anfang aber man sollte auch wissen dass man damit schnell an die Grenzen stost. Ob die nun eine FU hat oder nicht ist sicher nicht so entscheidend. Ist lediglich eine Kostenfrage, ab 350 Euro ist die dabei.
Was der Eisbär schreibt ist sicher richtig nur der Preis stimmt nur bedingt denn sobald 400 V ins Spiel kommt kostet der Schutzschalter (FI) bereits 300 € .
Eine Säge währe auch gut haben. Zumindest eine elektrische Motorsäge wenn nicht eine Bandsäge. Kosten ab 200 Euro.
Auch sollte man sich über eine Staubabsaugung Gedanken machen. Sowas kostet ab 300 €
Bei meinem Anfang wollte ich auch nicht mit viel Geld einsteigen. Was soll ich schreiben es ist nicht gelungen. :heul
Ich habe mit einer gebrauchten DB angefangen Kosten 500€ :smash:
Mein allererster Einkauf bei Neureiter 1500€ da waren einige Eisen, eine Schleifstation, ein Bachenfutterset und Mitnehmer und Körnerspitze dabei.
Ich rate jedem sich von einem Billigdrechsler Start zu verabschieden. Das hat noch bei keinem den ich kenne geklappt :no
Wenn mich einer fragt dann sage ich jedem dass er sich zur Sicherheit mal 3000€ reservieren soll. Dabei kann die DB so klein sein wie sie will.
Noch gesegnete Weihnachten und Gruß
Anselm
Was ich mir nicht zutraue werde ich niemals lernen!!

wolf15377
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Hallo!

Beitrag von wolf15377 » 28.12.2017 - 07:33:10

Vornweg: Ich finde es zwar traurig das erst jetzt dieses Thema etwas intensiver beschrieben wird, aber lieber spät als nie.
Beginnen würde ich jedoch nach wie vor mit der Frage was ich will. Für mich ist Hobby Spaß an der Sache. Ich will meine Sachen nicht verkaufen, auf keinen Markt oder ähnliche Absichten. Lediglich anderen und mir selbst eine Freude machen. An diesem Punkt teilt sich das "Drechslerlager" wohl schon in mind. 2 Lager. Nur wird die Wahl der Ausstattung auch davon abhängen.
- Habe ich überhaupt die Räumlichkeiten? Garage-klar das geht. So habe ich auch angefangen, aber nach 4 Wochen war alles zugestaubt. Die meiste Zeit verbringe ich im Winter mit Drechseln. Heizung ist also auch nicht schlecht, auch in evtl. Bezug auf Nasschleifer, klamme Finger und kalte Beene. Strom und viel Licht muß ich hoffentlich nicht extra erwähnen.
Isolierung-klar, wegen Lärm und Wärme.
Ich würde also klar einen separaten Raum empfehlen. Die Größe ist abhängig von meinem Maschinenpark, den ich schon habe bzw. haben will. Groß ist immer gut- klein ist ein Kompromis. Ich habe ca.2x5m und das ist verdammt knapp.
- Holz schon im voraus besorgen, gezielt zuschneiden (hier bestimme ich schon mit was ich in Zukunft drechseln kann) und trocknen- erspart Kosten und Risse
- wenn man günstig Holz haben will, wird man um eine Kettensäge (mind.200€) nicht umhin kommen
- eine Lagerstelle für Holz als Vorratslager (es braucht Zeit bis Holz trocknet)
- eine Bandsäge ist ein schönes und hilfreiches Gerät, (viel leiser als eine Kettensäge-in Bezug auf Nachbarn) nur muß sie auch die nötige Schnitthöhe haben und das sind dann Kosten, die man sich am Anfang vielleicht lieber erspart (meine hat 160mm und das hat oftmals schon nicht genügt)
- Naßschleifer/Trockenschleifer? für Drechseleisen Ich habe einen Scheppach Tiger 200s Naßschleifer (ca. 150€) mit einigem Zubehör von Tormek (ca.150€), das kompertibel dazu ist. Heute würde ich eher eine Tormek kaufen.
- Drechselbank: angefangen auf einer Baumarktmaschine (150€) auf ein paar Arbeitsböcken, dann eine Dema MC 910 (ca 550€ inkl. einfachem Backenfutter), nun eine Stratos Twister mit Untergestell (ca. 1700€) dazu Backenfutterset Nova (ca. 500€)
- jetzt kaufe ich immer mal Kleinzeug (Drechseleisen,Schleifzubehör, irgendwann noch ein zweites Backenfutter-das Umschrauben der Backen ist doch recht nervraubend- ein Kurs zum Schalendrechseln) aber das alles summiert sich auch ganz schnell

Da kommen schon recht große Summen zusammen, nur braucht man das gleich am Anfang. Erstmal sollte man sich vergewissern ob die Begeisterung fürs Drechseln anhält (ich glaube das schafft man mit einem Kurs nicht). Wenn nicht hat man viel für Hochwertiges bezahlt oder weniger für nicht so hochwertiges. Letzteres tut nicht so weh. Sollte man Feuer gefangen haben, war es Lehrgeld. Will ich die Sachen dann noch verkaufen, muß ich den Anforderungen der Käufer genügen, ist es nur reiner Spaß- sind es nur meine Anforderungen. Räumt mir meine Familie die Zeit ein mich so intensiv zu beschäftigen, habe ich die Möglichkeit großes Holz zu beschaffen und dann zu bearbeiten, wie sind meine Räumlichkeiten? Es sind viele Fragen zu beantworten und alle beeinflussen mehr oder weniger meine "Kaufentscheidungen".
Das wichtigste bei allem bleibt aber, meiner Meinung nach, immer der Spaß, den man an dem Hobby hat. Die Anforderungen kommen dann von allein.
Wolf

Sicher ist: Wie jedes Hobby ist Drechseln sehr kostspielig. Ob man von diesen Kosten wieder etwas einspielen will oder ob einen die Sache ausschließlich Freude bereiten soll, muß jeder selbst entscheiden. Mir macht es Spaß und ich habe keine Entscheidung bis jetzt bereut, auch nicht das Lehrgeld. Aus Fehlern lernt man und beim nächsten mal ist man hoffentlich schlauer.

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