Magma black line

Eure Erfahrungen mit Drechselwerkzeugen

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gpfab
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Magma black line

Beitrag von gpfab » 24.11.2010 - 14:44:46

Hallo,
da ich in dieser Rubrik nichts gefunden haben meine Frage zu den Drechseleisen der Fa. Magma Serie black line.
Bei diesen Eisen soll es sich ja um speziell gehärtetes HSS handeln. Stimmt es, dass diese Drechseleisen die gleiche Schärfe aufweisen wie gewöhnliches HSS, von vorne bis hinten die gleiche Qualität und sich wie gewöhnliches HSS zu schleifen lassen, dabei aber eine 2 bis 3x solange Schneidstandzeit aufweisen. Warum hat sie dann nicht jeder solche Eisen, zumal sie ja nur geringfügig teurer sind als die normale Serie.
Gruß Georg

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jockel
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Beitrag von jockel » 24.11.2010 - 15:05:28

Hallo Georg
Die Magma Black Line Eisen werden aus M2 also 1.3343 hergestellt. Das ist der Standartstahl für Drechseleisen, er wurde vor vielen Jahrzenten für die Metallbearbeitung entwickelt (Spiralbohrer, Fräser, Senker, etc.).
Die Black Line Eisen sollen einer sog. Kryo also Cryogen (Tieftemperatur) Behandlung unterzogen sein.

Mir ist bis jetzt nur eine wissenschaftliche Untersuchung bekannt, welche die Haltbarkeit sowie die Feinheit der Schneide von HSS Stählen beim Drechseln betrachtet.
Diese kommt ganz klar zu dem Schluss dass die Kryo Behandlung beim HSS zu keiner Verbesserung führt.

Ergo den Mehrpreis für Kryo Eisen sparen und irgendwann PM Eisen kaufen.

Solltest du Interesse an ein paar Hintergrundinformationen haben, so komme einfach zu großen Drechslertreffen nächstes Jahr in den Hessenpark dort werde ich einen Vortrag zum Thema HSS-Stähle, Kryobehandlung sowie PM halten.

Gruß Jockel
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Bierbrauer
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Erfahrungsberichte Drechselwerkzeuge -> Magma black line

Beitrag von Bierbrauer » 24.11.2010 - 16:58:08

Hallo Jockel,

was sind PM-Eisen bzw. was für einen Vorteil haben diese gegenüber den normalen Eisen. Ich habe gesehen das Crown diese anbieten. Den größten Teil meiner Eisen sind Crown, Stubai-Röhren, Ashley,Taylor und Wiedemann-Eisen.

Ich hatte jetzt zwei Eisen von Eugen Mitsch, dies war der letzte Schei...., die sein Geld nicht annähernd wert waren. Diese Beiden sind mittlerweile im Schrott gelandet, da es einfach zu gefährlich gewesen war, damit zu drechseln. Beide sind an den Spitzen abgebrochen oder größere Teile am Eisen beim Drechseln weggebrochen. Ich hatte sie Beide nochmals bei ihm, er wollte sie nochmals anlassen, bzw auf einer Küchenelektroplatte zum Glühen bringen, dann würde es besser gehen, wurde mir von ihm gesagt, aber es hat nichts geholfen. Schuld wäre einzig ich, weil ich diese Röhren verkehrt angeschliffen hätte, so war die Meinung des Herrn Mitsch. Dann dürfte eine von Beiden nicht im ersten drittel abbrechen bin ich der Meinung. Ich wollte die Eisen umtauschen, aber auch dies wollte er nicht, da ich wie gesagt Schuld hätte wegen des verkehrten Anschliff.

Gruß

Jörg, der Bierbrauer :prost:

gpfab
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Beitrag von gpfab » 24.11.2010 - 18:19:38

Hallo,
kann jemand die Aussagen von Jockel bestätigen. Ist die Standeit der Schneiden der blackline Serie wirklich nicht größer? Diese Eisen werden ja mit der 2-3fachen Standzeit beworben.
Gruß Georg

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jockel
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Beitrag von jockel » 24.11.2010 - 18:52:17

@ Jörg zum PM-HSS
Lese dir mal das hier durch:
https://www.drechsler-forum.de/berichte ... _stahl.pdf


@Georg
Das ist eine Aussage von Werbefachleuten die meiner Meinung nach jeglicher Grundlage entbehrt. Solche Angaben sind für mich nicht seriös!
Ich verlasse mich da lieber auf die Wissenschaft!
Achja sollte die Firma Magma hier mitlesen, ich würde gerne mal den Hintergrund der Behauptung für die 2-3fache Standzeit wissen. Die Etacarbide sowie der Restaustenit scheiden schonmal aus!

Solltest du Englisch können kannst du dich hier selbst überzeugen:
viewtopic.php?p=138303#138303

Scharfe Grüße
Jockel
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marijan
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Beitrag von marijan » 24.11.2010 - 19:38:55

Hallo zusammen

Keine Ahnung über Kyro-was, aber unwissenschaftlich aus Erfahrung: wenn schon was anderes als HSS, dann PM. Mann bekommt auch nur Eisen und die Hefte kann man sich leicht selber machen. Ob Holz, Alu, Alu gefühlt mit Sand, das gleiche im Holzmantel...

Ich will jetzt über keinen Regel hier verstossen (obwohl ich davon nix verstehe!) - aber wenn man sich einmal PM gekauft hat, nimmt man keine andere Röhre mehr im Hand. Kaufdrang ist abgeschlossen.

Ich kann es auch erklären. Selber schleife ich gerne (auch auf Tormek!, viel öfter auf eine schnelle!). Aber, wenn ich gerade mit eine Form kämpfe, dann will ich scharfes Zeug zum Hand haben und nicht abgelenkt zu werden.

Ja, PM muss man auch schleifen. Ja, mich hat auch geschmerzt wenn ich die gekauft habe, aber würde ich die verlieren - dann kaufe ich die ohne zögern wieder. Und heute finde ich die gar nicht so teuer. Teuer finde ich viele überflüssige Werkzeuge die ich nur einmal und nie mehr benutzt habe!

Wer möglicherweise verbotene Details will - ich beantworte jedes PM!

Gruss
Marijan

p.s. ich kaufe meine japanische Werkzeuge und vieles mehr bei Magma.

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Beitrag von gpfab » 24.11.2010 - 20:10:50

Hallo,
jetzt habe ich mir gedacht, die Magma Blackline Eisen könnten meine ersten Drechseleisen sein. Jetzt geht die Sucherei wieder los. Vielleicht kauf ich mir meine ersten Eisen doch von Heidtmann. PM-Eisen sind mir zu teuer, und außerdem glaube ich die sind nicht richtig scharf zu bekommen.
Gruß Georg

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jockel
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Beitrag von jockel » 24.11.2010 - 20:24:19

Hallo Georg
und außerdem glaube ich die sind nicht richtig scharf zu bekommen.
Darf ich fragen warum du das glaubst?

Gruß Jockel
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Beitrag von JWinsen » 24.11.2010 - 21:28:07

Hallo,
ohne den Thread highjacken zu wollen, mal eine kurze Frage:

Gibt es für die Gold-Serie von Sorby auch irgendwelche Aussagen, oder fallen die auch unter Rubrik "Der Glaube versetzt Berge" ?

Soviel wie ich gefunden und verstanden habe, verleiht Ihnen ein Titaniumnitrid-Überzug eine bis zu 3 fach höhere Standzeit und einen Preis der noch oberhalb der Crown PM Serie liegt.

Mythos oder Realität ? Hat vielleicht jemand diese Werkzeuge im Einsatz und kann deren Standzeit bestätigen ?

Viele Grüße aus dem Norden
Jens

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Beitrag von Max Schreiegg » 24.11.2010 - 21:57:45

Hallo,

was TiN betrifft solltest du dich an Vito (eichenlaub) wenden, der kennt sich da bestens aus.

Eine Alternative zu Heidtmann könnten auch die Eisen von Ashley sein, deren Qualität finde ich auch recht überzeugend. Außerden haben die eine recht große Nutzlänge. CHWO ist allerdings kein Billigwerkzeug, sondern welches zum Arbeiten. Heidtmann spart sich eben diese Werbegags wie Kyroxyz, sondern produziert lieber hochwertige Ware - zumindest habe ich diesen Eindruck.

Was PM betrifft: Ich verstehe nicht, warum man den nicht schärfen können sollte. Sicher gibt es auch im PM-Bereich verschiedene Legierungen, aber das sind immer noch HSS - Stähle und keine Hartmetalle. Fräser aus HSS-PM sind auf jeden Fall alles andere als stumpf. Vielleicht kann Jockel ja noch was zur Schärfe bei HSS-PM erläutern (Korngrößen etc.), ich glaube aber, dass es da kaum Unterschiede gibt.

Grüße
Max

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jockel
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Beitrag von jockel » 25.11.2010 - 10:42:35

Hallo Max

Die PM Technologie beseitig alle Nachteile der normalen HSS Herstellung.
Das Material ist aber 5-10mal so teuer.

Die größten Nachteile beim normalen HSS sind die großen Pirmärkarbide (also Kohlenstoffverbindungen mit Legierungselementen wie Molybdän, Vanadium, Wolfram, Cobalt). Diese lassen sich nicht verkleinern auch nicht durch Schmieden oder Glühen!
Desweiteren bilden diese Pirmärkarbide beim langsamen erstarren der Schmelze sog. Zeilen. Dass heist die Pirmärkarbide häufen sich an einer Stelle und dies passiert in ganzen Zeilen.
Das feine Stahlgefüge ist also von Zeilen durchzogen welche aus groben Pirmärkarbiden bestehen. Die Zeilenstruktur lässt sich durch vielfaches umschmieden ein wenig Auflösen und die Pirmärkarbide verteilen sich ein bisschen besser, aber noch lange noch nicht gleichmäßig.

Bei der PM Technologie entstehen keine großen Pirmärkarbide sondern viele sehr kleine. Durch die extrem schnelle Abkühlung bilden diese auch keine Zeilen. Es entsteht eine sehr homogenes Gefüge mit sehr feiner Struktur. Desweiteren können durch die PM Technologie Stähle hergestellt werden mit extrem hohen Anteilen an Legierungselementen wie Kohlenstoff, Vanadium, Cobalt, usw. Diese hohen Legierungselementanteile können mit den normalen Herstellungverfahrung nicht hergestellt werden!

Das ist ein Gefügebild eines normalen HSS Sstahles (1.3343)
Man sieht sehr schön die großen Primärkarbide.
Bild

Das ist ein Gefügebild eines normalen PM HSS Sstahles (1.3344)
Alles ziemlich gleich groß und gleichmäßig verteilt.
Bild

Karbide lassen sich nicht durch schleifen zerteilen, entweder sie sind in ihrer vollen Größe im Material oder sie werden beim Schleifen aus dem Gefüge gerissen.
Ich hoffe Jeder kann sich selbst vorstellen was passiert wenn man einen großen Primärkarbid oder gar eine ganze Karbidzeile an der Schneide hat.

Ergo mit PM-HSS sind wesentlich feinere Schneiden möglich!

Ich hoffe etwas Licht ins Dunkle gebracht zu haben.
Gruß Jockel
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Beitrag von GerhardL » 25.11.2010 - 10:49:58

Hallo Jockel

Dein Beitrag ist für einen Laien wie mich sehr verständlich und aufhellend. So kann ich auch erkennen, warum das Eine besser ist als das Andere und auch Verständnis für die Preisunterschiede aufbringen.

Danke
GerhardL
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Reinhold-S
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Beitrag von Reinhold-S » 25.11.2010 - 12:17:48

Danke Jockel, für das Licht ins Dunkel der Werkzeugmythen! Ein wirklich erhellender Beitrag.
Gruß und "Gut Holz"
Reinhold

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Fritz-RS
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Beitrag von Fritz-RS » 25.11.2010 - 12:52:31

Max, Jockel,

ein bißchen Erhellung täte auch mir gut:

Da PM-Stähle nur vom Ursprung her eine flüssige Legierung waren, die dann mit Stickstoff zerstäubt und anschließend, wie Wolfram, nur gesintert und dann geschmiedet wurden, dürfte doch auch hier die Ausbruchneigung an einer schlanken Schneide ähnlich einer HM-Schneide sein? oder?
Das jedenfalls habe ich auch schon über Thompson-Röhren gehört.

Gruß Fritz
alles wird rund -- manchmal

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Beitrag von joernundsimba » 25.11.2010 - 12:54:28

Auch aus Münster ein ganz großes :danke:
Ernst

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Beitrag von jockel » 25.11.2010 - 14:40:39

Hallo Fritz

Nein PM-Stähle werden nicht gesintert !!!

PM-Stähle werden Heiss Isostatisch Verpresst (HIP).
Nach dem die Schmelze durch Düsen gepresst und zu feinsten Kügelchen geworden ist, werden diese in einem Behälter gesammelt. Dieser wird evakuiert (also Luftleer gemacht) und dicht verschweißt. Anschließend wird der Behälter in einem Autoklaven auf bis zu 1400°C aufgeheizt und mit ca. 2000bar beaufschlagt.
Das Endprodukt ist zu 99,9999% homogen. Hat also nichts mit Sintern zu tuhen.
Da die Korngröße bei PM Stählen viel kleiner und das Gefüge viel homogener ist, sind bei gleichen Legierungen die im PM-Verfahren hergestellten Stähle immer zäher als deren herkömmlich hergestellte Brüder.

Gruß Jockel
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Beitrag von eichenlaub » 25.11.2010 - 17:59:40

Hoi Jens und andere Interessierte
Ich versuche mal deine Frage zur TiN Beschichtung zu beantworten:
Kurz und bündig:
Ja, eine qualitativ einwandfreie TiN Beschichtung kann sehr viel bringen!

Ich wage sogar zu sagen, dass die 3 fache Standzeit noch untertrieben ist, dies aber nur bis zum ersten nachschleifen. Mann stelle sich eine Röhre mit Fingernagelanschliff vor:
Zuerst ist der ganze Schnittwinkel beschichtet, das heisst die Flute und der seitlich-frontale Anschliff- ergo bringt die Beschichtung das Maximum.
TiN also Titannitrid ist eine Verbindung der Familie Nitride, neben dem Titan das im Hochvakuum zum verdampfen gebracht wird kommt noch Stickstoff hinzu - aus Titan und Stickstoff entsteht Titannitrid. Randschichtnitrieren kennt eigentlich jeder Metaller, dort wird auch mit Stickstoff operiert.
TiN zeichnet sich durch enorme Zähigkeit und entsprechender Härte aus: 2400-2800 Vickers dazu als Vergleich Hartmetall mit ca. 1600 Vickers :?oh .
Diese enorme Härte gibt der Schneide eine wesentlich längere Standzeit, die Wärme die an der Spanfläche entsteht wird besser abgeführt, der Kolkverschleiss wird verringert usw.
Die Zähigkeit ist dermassen hoch, dass ein beschichteter Draht auf alle erdenkliche Art verbogen werden kann, ohne das die Beschichtung abplatzt. Solche Deformationstest's dienen der Schichtprüfung.
Nun zur Röhre die das erste Mal nachgeschliffen wird:
Nach dem ersten nachschleifen wird leider vorne der Fingernagelanschliff entfernt, somit fehlt ein wichtiger Teil, jedoch bleibt die Beschichtung in der Flute immer bestehen. Die Spanfläche ist also immer zu 100% beschichtet, mit dem Nachteil, dass der Freiwinkel nun unbeschichtet ist.
Es ist somit klar, dass nach dem ersten Anschliff die Standzeit auf geschätzte 35-40% des Anfangserfolges reduziert wird.
Ich wage zu behaupten, bis zum ersten Anschliff eine Standzeitverbesserung in der Grössenordung 6-7fach, beim weiteren nachschleifen 2-3fach.
Diese Zahlen habe ich mir nicht aus den Fingern gesaugt, sondern sind bestätigte Werte einer Profidrechslerei in der Schweiz. Dort ist der Meister auf mich zugekommen mit der bitte seine Röhren zu beschichten, da er in einem "Grossauftrag" Säulen drechseln musste.
Diese waren aus Douglasie und haben der HSS Schneide gar arg zugesetzt. Er hatte also klar den Vergleich vor Augen, auch das mit dem nachschleifen wurde in etwa bestätigt.
Dazu noch ein anderer Vergleich:
Als Peter Andres in Gurtis seinen Weltrekord realisierte, mit der Schale von über 4 m Durchmesser hat er zwei Röhren , Durchmesser 22mm eingesetzt. Die verleimte Segmentschale aus vielen , vielen Brettern wurde mit Schaumleim verfestigt(Collano). Das Fichtenholz war durchzogen von vielen Aesten und weiteren Fehlstellen.
Diesen problematischen "Rohling" realisierte er mit nur insgesamt 8 mal nachschleifen :?oh :klatsch: :?oh :klatsch: :?oh :klatsch: :maintor1:
Auch dort hielt die Schneide bis zum ersten Anschliff wesentlich länger.
Nach all den Lobeshymnen müsste ja nun jeder seine Eisen beschichten, doch nun kommt die Krux:
Vakuumbeschichtungsanlagen auf denen eine solche Topbeschichtung realisierbar ist, sind sehr, sehr teuer :heul . Eine solche Anlage kostet über eine Mio. Sfr. :-S , dazu braucht es noch eine entsprechende Vorbehandlung/ Reinigungsstrasse usw. die auch nicht gratis ist.
Ein solcher Beschichtungsvorgang dauert dann etwa 3.5-4 Std. pro Charge. Der Beschichtungspreis errechnet sich nun Chargenpreis, dividiert durch die Anzahl Werkzeuge die darin Platz haben.
Nun ist es leider so, dass gerade Röhren einen sehr langen Schaft haben der nicht gebraucht wird als Werkzeug, ich rede nur vom metallischen Teil, dieser muss aber auch beschichtet werden bzw. er nimmt den vollen Platz weg, da er als ganzes in den Rezipienten rein muss :motz: . Ergo wird die Beschichtung sehr teuer :evel.
Anders verhält es sich mit HM oder HSS Plättchen diese nehmen nicht viel Platz weg und der Standzeitvorteil ist genau gleich da. Der Füllgrad ist für Kleinteile deshalb wesentlich idealer als bei sperrigen, langen Werkzeugen.
Für mich als Beschichter ist es logisch, dass all meine Werkzeuge beschichtet sind doch ob sich das für euch lohnt steht auf einem anderen Blatt.
Denn beschichtet wird heute viel ;-) , aber auch einiges mit absolut lausiger Qualität.
Eine gute PVD Beschichtung ist 3-4 mü dick und erfordert deshalb entsprechende Prozesszeiten. Bei uns im Labor habe ich schon "gelbe Schichten" ausgemessen die hatten 0.02mü :-W , solche Be(leidigungs)beschichtungen schaden dem Ruf der Werkzeugbeschichtung erheblich. Aber es ist wie überall wo Geld verdient werden kann, da wird gemogelt :-C . Die Kopierer stehen Gewehr bei Fuss.
In England/Sheffield bekannt als Werkzeugschmiede Englands, gibt hat es einen professionellen Beschichter, ich nehme also an und hoffe Sorby beschichtet dort.

Nun erlaube ich noch einen Schwenk zu den PM Stählen:
Man stelle sich vor einen Thompson Röhre aus PM Stahl, dazu professionell Hartstoffbeschichtet man oh Mann :?oh. Tormek und Company wird weinen :-L :-L .

Zu Jockels Beitag gibt es nicht viel zu sagen :klatsch:, ausser folgender Bemerkung:
Die Schweizer Uhrenindustrie setzt seit ca. zwei Jahren PM Stähle ein, mit grossem Erfolg, aber bezüglich Zähigkeit sind noch kleine Abstriche zu machen.

Verzeiht mir den etwas unstrukturierten Beitrag.....dazu
erlaube ich mir auch noch Werbung in eigener Sache zu machen:
Die eingesetzten Röhren beim Weltrekordversuch wurden von unserer Firma beschichtet :prost: .

Ich will keinen Handel mit beschichteten Werkzeugen und werde auch weiterhin keine Beschichtungen für den Handel machen :no . Ich habe also nichts von diesem Tread.

Gruss
Vito / Eichenlaub
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Beitrag von JWinsen » 25.11.2010 - 18:47:49

Vielen Dank für Deinen erstklassigen Ausführungen zum Thema TiN Beschichtung. Ich hätte es niemals gedacht, dass eine Beschichtung die Standzeit so stark verlängern kann.

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Beitrag von gpfab » 25.11.2010 - 20:07:20

Hallo,
wie kann man PM-Stähle schleifen? Funktioniert das mit normalen Korundscheiben noch?
Und eine weitere Frage. Wenn sich die Standzeit um ca 400% verlängert und der Preis für die Eisen nur ca 40%, dann könnte man doch bei PM-Werkzeugen von Schnäppchen sprechen. Warum sind dann diese Werkzeuge im Handel teilweise unbekannt? Habe heute bei Killinger und Steinert angerufen, die haben von diesem Werkstoff noch nichts oder nur von weitem gehört. Sind die PM Werkzeuge so neu?
Gruß Georg

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Beitrag von jockel » 25.11.2010 - 21:02:14

Hallo Georg
PM-Stähle lassen sich mit normalen Edelkorundscheiben genauso gut wie normale HSS Werkzeuge schleifen.

Eine Standzeit verlängerung von 400% mag bei TIN beschichteten Werkzeugen möglich sein. Der PM-Stahl dürfte nicht ganz so viel schaffen.

Wenn der Handel noch nichts von PM Werkzeugen gehört hat, dann schläft dieser!
Jerry Glaser, einer der PM-Stähle für Drechseleisen entdeckt hat, verkauft bereits seit 1980 Drechseleisen aus PM-Stählen.
http://www.glaserhitec.com/timeline.html

Gruß Jockel
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Beitrag von eichenlaub » 26.11.2010 - 08:08:25

Die Jerry Glaser Werkzeuge die Jockel anspricht, sind die farblich grauen Stähle mit den rot eloxierten Alugriffen mit Bleischrottfüllung.
Sicher hat der eine oder andere diese schon bei Drechslern gesehen.
Ich liebe diese Werkzeuge, einmal wegen der Super-Standzeit aber auch wegen dem ruhigen Gefühl des Griffes mit Bleischrottfüllung.
Ich meine aber, dass die " Orginalen" heute leider vergriffen sind.

Die hier z.t. verbreitete Meinung das nachschleifen dieser Stähle sei schwierig muss ich klar dementieren ;-). Der Abtrag auf dem Schleifband(Koch) oder früher auf der weissen EK Scheibe von Creusen geht (leider) viel flotter als sogar auf gewöhnlichem HSS.
Mal zu lange an das Schleifmittel und schon wieder fehlen einige Zentel :heul .
Ich vermute mal, dass hierfür das feine Gefüge verantwortlich ist.....

Gruss vom Eichenlaub
Vito
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Beitrag von gpfab » 26.11.2010 - 12:39:08

Hallo,
während bei europäischen HSS-Drechseleisen sich die Qualität nicht wesentlich unterscheidet, so mein Eindruck, scheint es bei PM Stählen doch deutliche Qualitätunterschiede zu geben, Wie will man hier als Laie die Streu vom Weizen trennen?. Harte Fakten bekommt man von den Lieferanten sowieso nicht, da heißt es dann lediglich, das muss jeder selbst für sich selbst herausfinden. Interessanterweisen wird in den Katalogen aber dann die Standzeit gleich auf eine Stelle nach dem Komma angegeben. Sie spricht eine Lieferant z.B. von einer 4,5-fachen Standzeit. Was wird hier wie mit wem verglichen, bleibt jedoch ein Geheimnis?.
Ende der Geisterdiskussion.
Gruß Georg

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Beitrag von jockel » 26.11.2010 - 13:21:59

Hallo Georg

Du hast vollkommen recht die normalen HSS-Drechseleisen von europäischen Anbietern unterscheiden sich meist nur in den Formen der Werkzeuge, das Material dürfte bei vielen gleich sein.

Du Fragst wie man als Laie die Spreu vom Weizen trennen kann?
1. Den Herstellerhinweisen (Werbeversprechen) zu Standzeiten generell misstrauen wenn keine wissenschaftliche Studie nachgewiesen wird.
2. Dieses Forum als Informations- und Frageplattform nutzen.
3. Die kostenlosen Vorträge von Fachleuten besuchen.

viewtopic.php?t=19949

Gruß Jockel
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Beitrag von FlemmingG » 26.11.2010 - 14:01:23

Hallo Jockel,Hallo Vito! :-)
Tolle Beiträge!!!!! :klatsch:
Grüsse,Flemming!

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Beitrag von mhoff » 26.11.2010 - 15:04:39

Moin Moin,

cooler Thread - Theoretische Werkstoffkunde - gefällt mir sehr.

Meine Anmerkungen:

Es gibt schon Händler / sogar Forensponsoren die PM Schalenröhren führen.
- Drechselbedarf Schulte hat die Crown Pro PM im Programm (gerade sogar mit 20% Angebot)
- DNS führt die Hamlet ASP 2060
- Wiedemann und Starbond sind Hamlet Händler, Dieter Schmied ist Crown Händler ich habe zwar nicht nachgefragt aber vermutlich können die auch die PM Werkzeuge besorgen/liefern.
(sonst müsst ihr halt über den Kanal schauen, über den großen Teich ist nicht mal nötig dazu)

Ich persönlich finde Standzeitvergleiche mit handgeführten und handgeschliffenen Drechseleisen an einem natürlichen inhomogenen Werkstoff wie Holz haben immer einen sehr hohen Anteil von persönlichem Bauchgefühl und da spielt auch der Markenname mit rein (Nutella oder Aldi Nutoka).
Deswegen finde ich Untersuchung aus der NC State Uni die Jockel verlinkt hat ja interessant. Hier wird nicht einfach von Hand drangehalten sondern versucht mit einem Automaten reproduzierbare Messungen zu machen.
Für die die wegen Englisch zögern, schaut euch einfach nur Seite 12 Figur 16 an. (traue mich wegen copyright nicht das Bild hier zu kopieren).
Das ist Quasi die Zusammenfassung der Tests. Das Diagramm zeigt die Standzeiten verglichen mit dem üblichen 1.3343 HSS 6-5-2 M2. Man sieht die PM Stähle haben nach dieser Untersuchung so ca 1,5 bis 2,4 fache Standzeit je nach Sorte. (Thompson ist ein 10V Stahl, die andern Hersteller haben die PM Sorte schon im Namen, das Diagramm zeigt keine Messwerte, sondern die Ergebnisse einer Standzeitberechung auf Basis der Studie)

Zu Spreu und Weizen bei den herkömmlichen Standart HSS Werkzeugen (M2 1.3343):
Hier bin ich der Meinung man merkt doch einen Unterschied, der aber nicht unbedingt durch das Rohmaterial begründet ist. Härten/Vergüten ist bei modernen hochlegierten Stählen (wie HSS) nicht das einfachste. Man bekommt sie mit glühen und abschrecken und anlassen auf der Herdplatte schon irgendwie hart. (Betonung auf irgendwie) Die Frage ist aber ob man das auch gleichmäßig, homogen und in guter Qualität für viele hundert Werkzeuge schafft ? (siehe Geschichte vom Bierbrauer). Es gibt Hersteller die haben ihren Prozess im Griff (z.b. moderner computergesteuerter Vakuum-Stickstoff-Härteofen) und solche bei denen ich mir das besonders bei HSS nur äußerst schwer vorstellen kann (z.b. Glühen in Esse, Temperatur nach Glühfarben und Anlassfarben). Daher präferiere ich auch bei normalem HSS bestimmte Hersteller.

(Meine persönliche "Standzeiten-Bauchgefühl-Liste" verkneife ich mir, die würde sicher für einige heiße Diskussionen sorgen)

Grüße aus Heidelberg - Michael

PS@ Jockel: Wie sind jetzt noch mal Korngrößen in einem guten gehärteten Kohlenstoffstahl (Rasierklinge)?

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