Richtiges Dämpfen? Schwarze Verfärbungen?

Eure Fragen, Tipps & Tricks zur Lagerung von Holz und Rohlingen

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EMKI
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Richtiges Dämpfen? Schwarze Verfärbungen?

Beitrag von EMKI » 11.03.2018 - 09:34:52

Hallo,

ich habe gestern eine Versuchsreihe zum Thema Dämpfen gestartet.
Als Versuchsobjekte mussten 16 Kanteln frischer Birne, Kirsche und Pflaume herhalten.
Mein Wunsch ist es, gerade bei der Pflaume, weniger Ausschuss durch Risse bei Pflaume.

Zum Dämpfen selbst habe ich mir einen alten Kartoffeldämpfer besorgt.

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Wie man sieht, eine ganz schön rostige Angelegenheit. Den Kessel habe ich erst einmal mit Karosseriekleber dicht gemacht.

Dann kam das Holz.

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Ich habe die Kanteln, 8 Stück, jeweils 6h gedämpft.

Folgendes Ergebnis:
-keine sonderliche Veränderung bei der Farbe.
-komische schwarze Verfärbung bei dem Kontakt mit dem Wasser.
-das Wasser wird zu einer schwarzen Brühe.

Frage:

Woher kommt die schwarze Brühe? Gerbsäure, die mit dem Rost reagiert?

Was kann ich erwarten? Reißt das Holz nun wirklich nicht mehr?
Um das mit dem Reißen zu prüfen, habe ich das Holz gewogen und als Crashkurs hinter den Kaminofen
gelegt.

Vielleicht können mir „dampferfahrene“ Kollegen noch ein paar Tipps geben.

Hier noch die Bilder vom Endprodukt:

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*Bild gedreht und Beitrag bearbeitet von Holzpeter

Drechlerhans
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Dämpfen

Beitrag von Drechlerhans » 11.03.2018 - 10:39:39

Hallo Emki,
bin zwar kein Wissender in Sachen Dämpfen,
jedoch würde ich die Rinde abnehmen und natürlich trocknen. Stirnseiten einstreichen.
Außerdem meinte ich, dämpfen würde man nur fertige Teile wie Schalen
Außerdem kommt die Farbe vom Rost im Wasser von des rostigen Heizlelementen, drum dämpfen Holzbieger mit Vorrichtungen nicht aus Stahl- färbt immer ab und die Temperatur ist über 100 Grad C also im Dampfkessel.
Grüße

Hans

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da_Joe
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Re: Dämpfen

Beitrag von da_Joe » 11.03.2018 - 16:45:42

Hallo Emanuel,

ich versuch mich auch am Dämpfen / Kochen. Bei mir ist es mehr Kochen als Dämpfen.

Man findet im Netz oder hier im Forum wenig bis nichts Verbindliches, leider. Aber ist wohl auch net so einfach da was Verbindliches zu sagen - ist wohl mehr "Gefühlssache".

Was ich Dir (und allen anderen sagen kann):

Deine gewählte Zeit macht wohl mehr Sinn. Meine war viel kürzer und das hat definitiv nicht gereicht um das Reissen von Schalen-Rohlingen zu verhindern - aber sie sind wengier oder anders gerissen.

Eine Veränderung vom Holz meine ich aber schon erkannt zu haben, bin da aber noch weit weg von einer verlässlichen Test-Reihe.

Über das ekelig farbige Wasser brauchst Dir - meiner Meinung nach - wenig Sorgen machen. Auch wenn man Holz nur wässert, dann ergibt sich schon sehr schnell eine solche Brühe. Müssen wohl Holz-Säfte sein, die will man ja auch raus haben. Ich hatte das auch schon beim Wässern in einer Plastik-Tonne.
Was aber nicht heisst, dass der Hans net recht hat, und Dein Kessel auch "Farbstoffe" aus dem Stahl an das Holz abgibt.

Was man schnell mal vergisst: Nach dem Kochen und "beruhigen lassen" will man ja endlich wieder Trocknen. Dabei ist das gedämpfte / gekochte Holz sehr anfällig für Schimmel. Sieht auch net toll aus.

Ich weiss von zwei Stammtisch-Kollegen die auch kochen / dämpfen. Von daher glaube ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin, und ich weiss zumindest von einem, dass die schwarze Plörre normal und nicht schädlich ist, zumindest nach dessen Meinung.

Grüsse
Joe

P.S.: Hallo Foren-Team: Ein eigenes Unterforum zum Dämpfen / Kochen? Kommt zwar nicht oft die Frage, aber so könnte man was finden.

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Holzpeter
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Re: Dämpfen

Beitrag von Holzpeter » 11.03.2018 - 17:11:28

da_Joe hat geschrieben:Hallo Foren-Team: Ein eigenes Unterforum zum Dämpfen / Kochen? Kommt zwar nicht oft die Frage, aber so könnte man was finden.
Hallo Joe,

imho muss man nicht für jedes Spezial-Thema eine eigenes Board einrichten.
Dieses Thema gehört wohl in "Holzlagerung", wohin ich es gleich verschieben werde.
Im Übrigen gibt es die Forensuche...einfach "Dämpfen" oder "Kochen" ggf. mit weiteren Begriffen eingeben und -ZACK - wird man fündig :?oh .

Hölzerne Grüße
Peter :-)
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Dämpfen

Beitrag von rosenholz » 12.03.2018 - 08:44:15

Hallo Emki
in unserer Schreinerei dämpfen wir öfter mal Furnier zum Formbiegen
schon ein Bohrspahn im Wasser führt auf der Oberfläche zu Verfärbungen.
Also weg mit dem alten Kartoffeldämpfer.
Wir benutzen einen Glühweinkocher mit Thermostat, der hält konstant die Temperatur und
es ist auch nicht nötig die Teile ins Wasser zu legen weil unten ein Gitterrost eingebaut ist.
Du brauchst nur den Dampf ( Literatur Thonet Bugholzmöbel ) bei 5 mm Sägefurnier reichen
2 Stunden und es biegt sich wie Butter. Danach schonend Trocknen.Bei Schalen lege ich die vorgedrehten Teile rein und habe damit gute erfahrungen gemacht.

Gruß Klaus

haafuh
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Beitrag von haafuh » 12.03.2018 - 09:29:13

Hallo Klaus,

wie lange lässt du dann anschließend die vorgedrehten Schalen trocknen?
Gibt es da einen Unterschied zu nicht gedämpften vorgedrehten Schalen?

Mit freundlichen Grüßen

Peter

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Beitrag von EMKI » 15.04.2018 - 17:43:37

Hallo,

Ich habe heute eine zweite Testreihe gestartet. Ausschlaggebend war das gestrige vordrehen einer
Apfelkugel. Kugeln haben ja die Angewohnheit stark zu reißen. Also ab in den Dämpfer.

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Ausgangsgewicht waren 1911g. Heute habe ich die Kugel mit anderen Kantel
knapp 6h gedämpft.

Das Merkwürdige Ergebniss sind fast 100g Gewichtsverlust bei nur geringer Rissbildung.
Die kanteln die mit gedämpft wurden waren ca. 2 Monate vorgelagert, haben aber erstaunlicherweise
Durch die Bank weg fast 70g Gewicht durchs dämpfen zugelegt.


Bild
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Nun bin ich gespannt wie stark die Kugel reißen wird.
Die kanteln aus dem März habe ich direkt hinter den kaminofen gelegt. Kaum Rissbildung bei gutem Gewichtsverlust.

Wenn das Thema von Interesse ist werde ich gern weiter Berichten.

Mit freundlichen Grüßen

Emanuel

EMKI
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Re: Richtiges Dämpfen? Schwarze Verfärbungen?

Beitrag von EMKI » 02.03.2019 - 22:27:31

Hallo zusammen,

Jetzt ist fast ein Jahr vergangen und ich habe heute Testreihe Nummer drei gestartet.

Noch kurz zu den Kanteln vom letzten Jahr:

Erstaunlicherweise sind annähernd alle Kantel heil geblieben. Im Spätsommer habe ich diese aus dem Wohnzimmer in die Werkstatt gepackt da Sie kein Gewicht mehr verloren haben. Aus einer habe ich auch schon eine Mühle gedreht.
Bedeutet vom Nassholz zum Mühlenholz nur knapp 9 Monate.
Ich finde das eine interessante Entwicklung.

Die Kugel ist allerdings gerissen. Ob nun weniger als ungedämpft kann ich schwer sagen.

Um zu prüfen ob ich letztes Jahr einfach Glück hatte habe ich heute 6 Frische Birnenkantel wieder 6 h in den Dämpfer gepackt.
Nach dem dämpfen nur kurz gewogen und direkt in das Wohnzimmer hinter den Kamin.

Jetzt werde ich in Abständen wiegen und sehen ob sich Risse bilden.

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Als nächstes will ich ein paar Schalen aus nasser Kirsche vordrehen und dämpfen.
Sollte sich ein ähnlicher Erfolg bezüglich der Rissbildung einstellen wäre das eine gute Methode für mich.

Beste Grüße

Emanuel

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